09.10. 17:07

Zwei Tote bei Schüssen vor Synagoge und Döner-Bistro in Halle

- von Stephan Schepers

Halle (Reuters) - Bei Schüssen vor einer Synagoge und einem Döner-Bistro in Halle an der Saale sind am Mittwochnachmittag nach Polizeiangaben zwei Menschen getötet worden.

Ein Verdächtiger wurde festgenommen, während zwei mutmaßliche Täter ein Auto kaperten und auf der Autobahn Richtung München flüchteten. Die Bundesanwaltschaft zog die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung der Tat an sich, wie ein Sprecher mitteilte. Filmaufnahmen zeigen in Halle einen Mann in einem Kampfanzug und mit Schutzhelm, der hinter einem Auto stehend mehrere Schüsse abfeuert. Anschließend flüchtet er in dem Wagen. Berlins Innensenator Andreas Geisel wies die Polizei an, die Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen zu erhöhen.

Die Tat in Halle fällt mit Jom Kippur zusammen, dem höchsten Feiertag im jüdischen Kalender. "Unsere Kräfte haben eine Person festgenommen", erklärte die Polizei Halle per Twitter. "Nach ersten Erkenntnissen wurden zwei Personen in Halle getötet. Es fielen mehrere Schüsse. Die mutmaßlichen Täter sind mit einem Fahrzeug flüchtig. Wir fahnden mit Hochdruck und bitten die Bevölkerung in ihren Wohnungen zu bleiben." Laut Stadtverwaltung wurde die Synagoge in Halle am Nachmittag geräumt.

Laut einem Medienbericht fielen auch im benachbarten Landsberg Schüsse. Die dortige Bürgermeisterin Anja Werner sagte, zwei Tatverdächtige bei den Schüssen in Halle hätten ein Auto gekapert und seien auf der Autobahn nach München unterwegs. Die Bundespolizei Mitteldeutschland erklärte, sie unterstütze die Polizei in Halle vor Ort. Auch an den Flughäfen und Bahnhöfen und auf den Verkehrswegen nach Polen und Tschechien würden die Kontrollen verstärkt.

SPD-Chefin Malu Dreyer äußerte sich bestürzt. "Vieles deutet darauf hin, dass sich die brutale Gewalt gegen jüdisches Leben richtete", erklärte Dreyer in Berlin. Sie hoffe, der Polizei gelinge es, die Täter schnellstmöglich dingfest zu machen. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums erklärte, die Sicherheitsvorkehrungen vor Synagogen und in Jüdischen Gemeinden würden umgehend weiter erhöht.