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12.08. 10:04

ROUNDUP: Vorratsaufbau für Aufschwung kostet Bechtle viel Geld - Aktie verliert


NECKARSULM (dpa-AFX) - Der IT-Dienstleister Bechtle rüstet sich für den Aufschwung. Das Unternehmen baute im zweiten Quartal mit viel Geld Vorräte für den rekordhohen Auftragsbestand auf. Aus dem operativen Geschäft flossen Finanzmittel in Höhe von 112,4 Millionen Euro ab, wie das MDax -Unternehmen am Mittwoch in Neckarsulm mitteilte. Ein Jahr zuvor war es ein Zufluss von 45,2 Millionen gewesen.

Der Vorratsbestand sei durch die starke Belebung des Geschäfts - insbesondere im Juni - sehr deutlich erhöht worden, hieß es dazu vom Unternehmen. Im Gesamtjahr sei jedoch weiter mit einem deutlich Zufluss von Mitteln aus dem Tagesgeschäft zu rechnen. Die Aktie gab nach.

Der Kurs konnte seine Gewinne nach dem Handelsbeginn nicht halten und fiel zuletzt um 2,5 Prozent auf 35,10 Euro. Ende Juli hatte eine Prognoseerhöhung mit den Eckdaten des zweiten Quartals die Aktie spürbar steigen lassen, zuvor dümpelte sie noch in der Region um die 30 Euro. Zu Jahresbeginn war das Papier allerdings noch um die 45 Euro wert.

Analyst Martin Comtesse von der US-Investmentbank Jefferies sah in den nun veröffentlichten finalen Zahlen für das zweite Quartal nach den bereits bekannten vorläufigen Zahlen keine besonderen Neuigkeiten mehr. Das klare Anziehen des Geschäfts in Deutschland bereite den Nährboden für das zweite Halbjahr und darüber hinaus. Angesichts der schwachen Zahlen des Rivalen Cancom sehe das Umsatzwachstum von Bechtle gar noch stärker aus. Die Firma bleibe für ihn ein Kernstück, um von steigenden deutschen Infrastrukturausgaben zu profitieren, schrieb Comtesse.

Der Nettogewinn zog im Jahresvergleich um ein gutes Fünftel auf 57,8 Millionen Euro an, teilte Bechtle am Mittwoch außerdem mit. Das Unternehmen hatte bereits mit den Eckdaten zum Abschneiden im Quartal Ende Juli wegen der Belebung des zuvor tristen Geschäfts die Jahresprognose angehoben. Der Umsatz war um 16,5 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro nach oben geklettert, der Vorsteuergewinn um ein Fünftel auf 80,2 Millionen Euro. Im Gesamtjahr strebt Chef Thomas Olemotz nun bei beiden Kennziffern ein Wachstum zwischen 5 und 10 Prozent an.

"Nach der hervorragenden Entwicklung im ersten Halbjahr und mit einem Rekordwert beim Auftragsbestand sind wir zuversichtlich, auch im zweiten Halbjahr unseren erfolgreichen Kurs beibehalten zu können", sagte Finanzchef Christian Jehle nun laut Mitteilung. Ende des ersten Halbjahrs betrug der Auftragsbestand 3,5 Milliarden Euro.

Bechtle rüstet Behörden und gewerbliche Kunden vor allem aus dem Mittelstand mit PCs und Netzwerkgeräten aus und vertreibt auch selbst Hardware über den eigenen Onlinehandel.

In den vergangenen Monaten sind hauptsächlich die Preise für Speicherchips stark gestiegen, weil sie im Zuge des Ausbaus von Rechenzentren und Infrastruktur für Künstliche Intelligenz knapp geworden sind und auf Sicht wohl auch bleiben. Das trübte die Aussichten vieler Hardwareanbieter und Dienstleister deutlich ein, weswegen auch Bechtle zunächst mit Vorsicht ins Jahr gestartet war./men/lew/mis