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Angst – Wie entsteht Sie? Welche gibt es und warum hindert sie uns oft davor, erfolgreich an der Börse zu sein?

Kommentare Michael Seibold 852 Leser

Liebe Leser,


Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. (Lucius Annaeus Seneca)


Angst ist die älteste Schutzfunktion des Menschen. In der Evolution wäre der Mensch ohne den schnellen und sensiblen Angstmechanismus nicht dort, wo er heute steht. Grundsätzlich ist es ein Reflex, der uns vor Lebensgefahren warnen soll.

Eine objektbezogene Angst (Säbelzahntiger) löst einen körperlichen Reflex aus in Form von Flucht, Kampf oder Erstarrung. Durch den sensiblen Mechanismus führt das Angstzentrum (Amygdala) allerdings häufig zum Fehlalarm.

Ängste zeigen sich oft versteckt und erst in der Tiefe finden sich die wahren Beweggründe und Antworten für ihr Dasein. Man meint damit die Angst unter der Angst. Wenn ich als Anleger bei jedem einzelnen Kauf immer gleich unbewusst denke, ich könnte Haus und Hof verlieren, dann ist das weder hilfreich noch angemessen.

Es gibt einige Einstellungen und Überlegungen, die sich immer wieder bei der unter der Angst liegenden Angst zeigen:


  • Opferhaltung: Schuld haben andere an meinem Leid!
  • Angst, etwas zu verpassen: Hauptsache ich bin dabei!
  • Negative Attitude/Einstellung zum Geld: Geld verdirbt den Charakter! -> Geld zeigt den Charakter -> Verstärkungsprinzip
  • Angst vor der eigenen Courage: Ich darf nicht gewinnen, ich nehme anderen etwas weg!
  • Angst vor Veränderung: Nichts ist mehr so wie es war!
  • Angst vor Erfolg: Kann ich das überhaupt leisten? Was ist, wenn ich scheitere?
  • Erfolg als etwas Schlechtes ansehen: Das ist ja nur was für die da oben!
  • Ablehnung von Disziplin: Ist doch nur was für Spießer!
  • Ablehnung vor Struktur: Ich liebe das Chaos!
  • Glaube, ein Versager zu sein: Nie habe ich Glück!
  • Angst vor Ablehnung
  • Angst, einen Fehler zu machen: Ich mache sowieso nur das Falsche!
  • Angst, ein erfolgreicher Investor zu werden: Das ist doch kein richtiger Beruf!
  • Angst, dass ich das Geld nicht verdient habe: Für Geld muss man doch hart arbeiten!

Wir handeln, wie wir denken. Viele Menschen glauben, die erfolgreiche Geldanlage sei nur eine Frage des Verstandes und des Wissens. Unser Denken wird immer von unbewussten Glaubenssätzen und Gefühlen beeinflusst. Ökonomen lieben den Glauben an den Homo oeconomicus, den rational denkenden Menschen. Die Wissenschaft der Behavioral Finance sieht dies entschieden anders, am Ende des Tages entscheidet wohl eher unser Gefühlsleben über das Wohl unseres Geldes.

Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern so, wie wir sind!

Menschen tendieren dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Es verbirgt sich dahinter der Wunsch nach Zugehörigkeit. Wir sind soziale Wesen und Gemeinschaft gibt uns Halt. Ist jemand besser als ich, überprüfen wir gleich die Rangordnung. Ist jemand besser als ich, können andere mehr bzw. sind andere mehr Wert?

So sehr wir auch danach bestrebt sind, so zu sein wie andere – wir werden nie wie der andere sein können.

Wer sind Sie?

Wir sind die Summe aller Gedanken, die wir bisher gedacht haben! Wir können also die Persönlichkeit nur aus dem entwickeln, was wir denken. Somit gibt es nicht die Realität, sondern nur die ganz persönliche Sicht auf die Dinge. Es gibt auch nicht die eine Wahrheit, sondern was für den einen richtig ist, kann für einen anderen vollkommen falsch sein.

Viele unserer Denk- und Verhaltensweisen stammen aus der Kindheit. Einige Grundthemen wie beispielsweise Gefühle der Ablehnung und Leere, sich nicht zugehörig oder angenommen fühlen, oder ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit, zeigen sich auch im späteren Erwachsenenalter immer wieder.

Bei immer wieder auftretenen mentalen Problemen beim Investieren/Traden ist es sinnvoll, sich einmal zu fragen, um welches Gefühl es sich dabei handelt (Gefühle und Handlungen auf kindliches Verhalten überprüfen).

Was braucht mein inneres Kind (in der Psychologie spricht man bei solchen Problemen vom Irrtum in der Zeit) um das Gefühl nicht immer wieder empfinden zu müssen?

Nach Lösungen suchen, wie man sein kindliches Gefühl beim Anlegen zur Geltung bringen kann (Wutgefühl -> du darfst nicht mitspielen/ Ablehnung) -> sich dessen Verhalten bewusst machen, da man als Erwachsener sehr wohl in der Lage ist, sich gegen den Einfluss und die Abhängigkeit von anderen zur Wehr zu setzen.

Wir handeln was wir glauben

Wir sind das, was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit (Aristoteles).


Die Formel für Ihren Börsenerfolg lautet: “The key to peak performance is to have a set of well thought out rules to guide your behavior and be able to withstand anything that might cause you to break those rules.” (Van K. Tharp) – Buch: Super Trader


Wir sind die Summe unserer Gedanken und Gewohnheiten. Keiner von uns geht unvoreingenommen an Börsenaktivitäten heran, auch wenn viele dies glauben. Sämtliche Gedanken- und Verhaltensmuster beeinflussen unser Handeln. Jeder von uns hat Überzeugungen, durch die wir die Welt und uns selbst erleben. Persönlichkeitsveränderung ist ein langsamer Prozess, kann aber erlernt werden. Erlebnisse können nie gelöscht werden – aber verknüpfte Emotionen verändert.

Unsere Überzeugungen sind geprägt von der Familie, der Gesellschaft, Medien, der Schule oder auch durch eigene Erfahrungen. Glaubensmuster bestimmen unser Denken und Handeln. Dadurch erschaffen wir ein Selbstbild. Vor allem geschehen diese Prozesse unbewusst. Somit handeln wir unsere Einstellungen zu uns, dem allgemeinen Leben und den Geschehnissen an der Börse. Damit wir Missgeschicke an der Börse möglichst vermeiden, müssen wir unsere Glaubenssätze kennen, denn sie sind der Fahrplan unserer Entscheidungen. Schreiben Sie auf, was Sie über sich, Ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen und vor allem den Börsenhandel denken. Schreiben Sie Ihr Befinden während des Handels auf, wie sieht es in der Zeit mit ihrer Umgebung aus, wie fühlen Sie sich?

Warum ist es so schwer, sein Verhalten zu ändern?

Probleme sind noch nicht gefundene Lösungen. Das ist der Grund, warum nur wenige ihre Vorsätze wirklich in die Tat umsetzen, denn unser Verhalten ist mit Emotionen verknüpft. Gespeicherte Emotionen sind viel prominenter als irgendein rationales Argument. Die emotionale Schaltzentrale unseres Gehirns ist das limbische System. Dort werden Gefühle produziert, abgeglichen und bewertet. Unsere Gewohnheiten sind im neuronalen Netz, der Schaltzentrale des Menschen, mit Milliarden von Gehirnzellen verankert und mit Emotionen verknüpft.

Bei jedem neuen Verhalten müssen wir erst einmal neue neuronale Verknüpfungen herstellen. Beim Geldanlegen an der Börse greift unsere stärkste Schutz-Emotion, die Angst. Unser Gehirn kann maximal sieben Eindrücke gleichzeitig bewusst wahrnehmen, somit arbeitet es ständig auf Sparflamme. Diese führen zu extremen Vereinfachungen unseres Denkens und Handeln, auch beim Investieren/Traden. Haben Sie beispielsweise Angst vor Verlusten, so werden Sie sich so verhalten, dass Sie möglichst keine Verluste mehr machen und Gewinne zu früh realisieren. Ihr diszipliniertes Vorgehen klappt nicht mehr und führt genau zu dem was Sie nicht wollen, Sie machen Verluste.

Das Maß an Selbstkontrolle bestimmt über den Erfolg an der Börse (in der Kindheit werden die Grundlagen gelegt).

Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht. Es erfordert viel Zeit, bis man ein Verhalten verändert. Erkenntnis ist noch lange keine neue Gewohnheit. Jede Gewohnheit hat eine Problem- und eine Lösungsphase, dazu aber später mehr.

Wer sich eine stabile Veränderung seines Handels/Verhaltens wünscht, muss sein neues Verhalten mindestens 400-mal zuverlässig in Folge abspulen (mind. 3 Monate). Routinen und Kontrollinstanzen helfen dabei, diese zuverlässig durchzuführen. Führen Sie regelmäßig ein gutes Journal über Ihre Käufe und Verkäufe.

Liebe Investoren und Trader,

ich wünsche Ihnen noch weiterhin viele erfolgreiche Investments!

Bis zur nächsten spannenden Story,

Michael Seibold

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Bildherkunft: https://unsplash.com/photos/uNNvGTSwFtw