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Pivotal News Point in Brasilien. Worauf gilt es jetzt zu achten? Welche Aktien gehören auf die Watchliste?

Artikel, Aktienanalysen Marius Müllerhoff 75 Leser

Brasiliens Präsidentschaftswahl ist zum stärksten Kurstreiber an der Börse in São Paulo in diesem Jahr geworden. Im ersten Wahlgang am 4. Oktober lag der konservative und wirtschaftsliberale Senator Flávio Bolsonaro (Sohn des unter Hausarrest stehenden ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro) mit 47,03 Prozent der gültigen Stimmen vor dem linksgerichteten Amtsinhaber Lula da Silva mit 45,16 Prozent. Das war eine große Überraschung. Denn die letzten Umfragen vor der Wahl hatten noch Lula knapp vorn gesehen.

Der Markt reagierte heftig. Der Leitindex Ibovespa schoss am 5. Oktober um knapp 8 Prozent nach oben. Der Dollar fiel gegenüber dem Real um gut 4 Prozent, der größte Tagesverlust seit acht Jahren. Analysten begründen dies damit, dass Anleger Flávio eher eine Sanierung der Staatsfinanzen sowie notwendige Wirtschaftsreformen zutrauen. Die US-Bank JPMorgan stufte brasilianische Aktien sofort auf „Übergewichten“ hoch.

Insgesamt gewann der Ibovespa in der letzten Woche gut 11 Prozent und markierte ein neues Allzeithoch. Der Brasilien-ETF mit dem Tickersymbol EWZ erreichte ein neues 18-Jahres-Hoch. Er steht damit knapp unter dem Allzeithoch vom Mai 2008! Beides ist bemerkenswert.

Seit einer guten Woche sehen wir bei beiden eine enge Konsolidierung nahe den Hochs. Das ist noch bemerkenswerter. Denn erstens hätte man Gewinnmitnahmen erwarten können, und zweitens wäre ein Rücksetzer vor dem Hintergrund nachvollziehbar gewesen, dass keiner der beiden Kontrahenten die absolute Mehrheit erreichte und somit am 25. Oktober eine Stichwahl folgen muss.

Aktuell gilt es, die Lage genau zu beobachten und sich auf beide Szenarien (Sieg von Lula und Sieg von Bolsonaro) vorzubereiten. Ein Sieg von Lula würde vermutlich zu einem stärkeren Börseneinbruch führen. Ein Sieg von Bolsonaro würde vermutlich die gestartete Rallye weiter befeuern. Daher gilt es, sich Aktien auf die Watchliste zu legen, um von dieser möglichen Rallye zu profitieren.

Nu Holdings - Die Digitalbank, die Lateinamerikas Finanzmarkt neu ordnet, steht kurz vor dem Ausbruch aus einer achtmonatigen Konsolidierung


Nu Holdings (NU) ist eine Digitalbank aus Brasilien, die im zweiten Quartal erstmals mehr als eine Milliarde Dollar verdient hat. Damit rückt sie endgültig in die erste Reihe der lateinamerikanischen Finanzbranche.

Der Kolumbianer David Vélez gründete Nubank 2013 in São Paulo. Seit Dezember 2021 ist die Aktie in New York gelistet.

Nu betreibt keine Filialen und erreicht seine Kunden nur über die App. Das hält die Kosten niedrig. Wichtigstes Produkt ist die gebührenfreie Kreditkarte. Daran verdient Nu über Zinsen auf offene Salden und über Händlergebühren bei jeder Zahlung. Zweites Standbein sind Privatkredite, zunehmend auch Darlehen, deren Raten direkt vom Lohn abgezogen werden und die deshalb seltener ausfallen. Drittens sammelt Nu über sein kostenloses Konto Einlagen und finanziert damit günstig die eigene Kreditvergabe. Versicherungen, Geldanlagen und ein Mobilfunkangebot ergänzen das Angebot. Nu zählt inzwischen 139 Millionen Kunden in Brasilien, Mexiko und Kolumbien.

Der Markt spielt derzeit vor allem drei „Storys“. Erstens senkt Brasiliens Zentralbank den Leitzins schrittweise, zuletzt am 16. September auf 13,75 Prozent. Damit ist der Leitzinssatz in 2026 bereits um 125 Basispunkte reduziert worden. Das verbilligt die Refinanzierung und dürfte die Kreditnachfrage stützen. Zweitens arbeitet Nu in Mexiko seit dem Sommer als zugelassene Bank. Drittens erhielt Nu im Januar eine vorläufige Zusage der US-Aufsicht für eine nationale Bank. Ob daraus ein relevantes US-Geschäft wird, ist bislang Spekulation.

Wichtigste Rivalen sind Mercado Pago (Finanzsparte von Mercado Libre) und die Großbank Itaú Unibanco.

Die jüngsten Quartalszahlen legte Nu am 13. August 2026 vor. Der Nettogewinn stieg auf 1,06 Milliarden Dollar nach 637 Millionen im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie erreichte 0,22 Dollar nach 0,13 Dollar ein Jahr zuvor und lag über der Erwartung von 0,19 Dollar. Der Umsatz belief sich auf 5,88 Milliarden Dollar (ein Plus von 39 Prozent), während Analysten mit 5,60 Milliarden gerechnet hatten. Das pulverisierte die Märkte. Die Aktie stieg um bis zu 16 Prozent. Im Anschluss gab sie jedoch die Gewinne wieder ab.

Aufgrund des Pivotal News Points in Brasilien schoss die Aktie um 15 Prozent nach oben und kletterte wieder über den wichtigen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (GD). Aktuell befindet sie sich an einer wichtigen Widerstandszone von der seit Ende Februar anhaltenden Bodenbildungsphase. Der Ausbruch aus dieser Konsolidierung stellt das nächste Kaufsignal dar. Falls Bolsonaro die Stichwahl für sich entscheiden sollte, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Nu Holdings aus der Konsolidierung nach oben ausbrechen wird.

Nu Holdings Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

StoneCo - Wahlrally trifft auf Zinswende


Brasiliens Händlerbank, StoneCo (STNE), erlebt einen turbulenten Herbst. Nach dem ersten Wahlgang in Brasilien stieg der Kurs am folgenden Montag zeitweise um gut 25 Prozent.

Das Unternehmen wurde im Jahr 2012 von André Street und Eduardo Pontes gegründet. Seit 2018 ist StoneCo an der Nasdaq gelistet.

Die Firma bedient vor allem kleine und mittlere Händler in Brasilien. Die Zahl der aktiven Kunden stieg zuletzt auf 4,8 Millionen. Das Kerngeschäft ist die Zahlungsabwicklung. Händler erhalten Kartenterminals, Bezahllösungen für den Onlinehandel über die Marke Pagar.me und Zugang zu Pix, dem staatlichen Sofortzahlungssystem. Die Marke Ton richtet sich an Kleinstbetriebe. Zweites Standbein ist das Bankgeschäft mit Geschäftskonten. Die Einlagen wuchsen binnen eines Jahres um 22 Prozent auf 10,8 Milliarden Real. Am schnellsten wächst das Kreditgeschäft. Das Kreditbuch hat sich auf 3,8 Milliarden Real verdoppelt.

Aktuell spielt der Markt drei „Storys“. Erstens ist der Leitzins Selic zu nennen. Jede Reduktion um einen Prozentpunkt verschiebt den Vorsteuergewinn laut Unternehmen um 200 bis 250 Millionen Real (1 EUR = 5,63 Real). Zweitens ist das Kreditgeschäft zu nennen. Nachdem es bei einigen der größten Einzelkunden zu Zahlungsausfällen kam, weil in Brasilien immer mehr Unternehmen Gläubigerschutz beantragen, sieht das Management nun Besserung. Neue Kredite fallen schon bei der ersten Rate seltener aus, und die Risikokosten sollen bis Jahresende auf knapp unter 20 Prozent sinken. Drittens sind Aktienrückkäufe zu nennen (in den zwölf Monaten wurden ca. 13 Prozent der ausstehenden Aktien zurückgekauft) und ein sehr niedriges KGV (2026) von lediglich 1,1, was sicherlich einige Value-Investoren anzieht. 

Die wichtigsten Wettbewerber sind PagSeguro und Mercado Pago.

Am 13. August 2026 legte StoneCo Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Umsatz von 3,59 Milliarden Real verfehlte die Erwartung von 3,67 Milliarden. Gegenüber dem Vorjahr gab es ein kleines Plus von 2,5 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 8,6 Prozent auf 2,40 Real und entsprach damit den Analystenschätzungen. Die Jahresprognose blieb bestehen. Die Aktie brach daraufhin um gut 8 Prozent ein.

Das Chartbild hat sich dank des genannten Pivotal News Points deutlich aufgehellt. Die Aktie explodierte am 5. Oktober um gut 25 Prozent nach oben und befindet sich jetzt wieder über dem wichtigen 200-Tage-GD. Dieser scheint nun als Unterstützung zu dienen. Das ist konstruktiv. Analog zu Nu Holdings sollte StoneCo von einem Sieg Bolsonaros profitieren. Die Aktie gehört somit auf die Watchliste.

Stoneco Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Mercado Libre - Versandkrieg in Brasilien, Bankpläne in Mexiko


Mercado Libre (MELI) ist Lateinamerikas Handelsriese und betreibt einen Onlinemarktplatz. Das Unternehmen wurde 1999 von Marcos Galperin gegründet und hat seinen Hauptsitz in Montevideo, Uruguay.

Das Geschäftsmodell ruht auf drei Säulen.

  • Die erste ist der Onlinemarktplatz. Händler zahlen dort Provisionen und Versandgebühren, ein eigenes Logistiknetz liefert die Pakete aus.
  • Die zweite Säule ist Mercado Pago, eine digitale Geldbörse mit Zahlungsabwicklung, Sparkonten, Krediten und Kreditkarten.
  • Die dritte Säule ist Werbung, für die Händler zahlen, um ihre Produkte sichtbarer zu platzieren. Erstmals entfiel mehr als ein Zehntel des digitalen Werbemarkts in Lateinamerika auf Mercado Libre.

Die beherrschende „Story“ am Markt ist der „Versandkrieg“ in Brasilien. Mitte 2025 senkte das Unternehmen die Schwelle für kostenlosen Versand auf 19 Real, ausdrücklich um den Wettbewerbern Shopee und Temu bei günstigen Artikeln entgegenzuwirken. Die Absatzmengen zogen an, die Marge litt. Morgan Stanley bezeichnete 2026 als verlorenes Jahr für den operativen Gewinn, rechnet aber mit einer Erholung ab 2027. Die zweite „Story“ ist der Umbau zur Digitalbank. In Mexiko hat Mercado Pago eine Banklizenz beantragt. Der wichtigste Punkt hierbei ist die Finanzierung. Heute arbeitet Mercado Pago in Mexiko als Institution für elektronische Zahlungsmittel, nicht als Bank. Mit einer Lizenz will das Unternehmen Gehaltseingänge annehmen und eine Obergrenze für gehaltene Guthaben loswerden. Das ist entscheidend: Kundeneinlagen sind in der Regel die „billigste“ Geldquelle für Kredite. Eine Bank kann ihr Kreditgeschäft also günstiger finanzieren als ein Zahlungsdienstleister. Genau das Kreditgeschäft ist bei Mercado Libre der stärkste Wachstumstreiber. Außerdem wird die Produktpalette breiter. Möglich wären Girokonten, Sparkonten, Festgeld sowie Firmen- und Hypothekenkredite. Jedes zusätzliche Produkt bindet Kunden enger an das Ökosystem. Letztlich ist der Markt groß und unterversorgt. Mehr als die Hälfte der Mexikaner stützt sich auf informelle Kredite, und 85 Prozent zahlen kleine Beträge bar.

Als gefährlichsten Rivalen sehen viele Beobachter nicht Amazon, das ebenfalls in Brasilien und Mexiko investiert, sondern Shopee von Sea Limited.

Die letzten Quartalszahlen erschienen am 5. August 2026. Der Umsatz lag bei 10,2 Milliarden Dollar, Analysten hatten 9,8 Milliarden erwartet. Im Vorjahresquartal waren es 6,8 Milliarden. Das ist ein Wachstum von 50 Prozent. Der Gewinn je Aktie betrug 9,2 Dollar nach 10,3 Dollar im Vorjahr. Trotzdem lag er über den Schätzungen von 8,7 Dollar. Der operative Gewinn fiel um 17 Prozent auf 683 Millionen Dollar. Die Aktie brach zunächst um bis zu 8 Prozent ein, erholte sich dann jedoch schnell.

Charttechnisch hat sich das Bild wegen des Pivotal News Points aufgehellt. Die Aktie sprang am 5. Oktober um gut 10 Prozent nach oben und befindet sich damit wieder über dem 200-Tage-GD. Seitdem kann dieser gehalten werden, und die Aktie bildet eine enge Konsolidierung. Das ist konstruktiv. Dem Ausbruch aus dieser Konsolidierung kann gefolgt werden.

Mercadolibre Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox


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