Portfoliocheck: Prem Watsa setzt mit Orla Mining den Goldstandard
Prem Watsa ist einer der erfolgreichsten Value Investoren der Welt und trotzdem haben die meisten Menschen noch nie von ihm gehört. Watsa gilt als der „kanadische Warren Buffett“ und kann auf spektakuläre Renditen verweisen, die beinahe an die Rekordwerte seines Vorbilds Warren Buffett herankommen: Auf Sicht von 35 Jahren erzielte Watsa durchschnittlich 15,2 % pro Jahr.
Auf den Spuren der besten Value Investoren
Der 1950 in Indien geborene Watsa siedelte am 11. September 1972 nach Kanada über. Er besuchte das MBA-Programm an der späteren Ivey Business School der University of Western Ontario und lernte 1985 Francis Chou kennen, der ihm von Warren Buffetts außerordentlichen Erfolgen durch Investitionen auf Basis des „Floats“ der Versicherungsunternehmen von Berkshire Hathaway berichtete. Diesem überzeugenden Konzept folgte Watsa und baute die Strategie von Fairfax Financial darauf auf. Neben einem disziplinierten „Underwriting“ in der Versicherungssparte legt er bei der Anlage von deren Vermögenswerten den Schwerpunkt auf einer konservativen Value-Investment-Philosophie; er investiert also auf einer Total-Return-Basis und auf lange Sicht.
„Wenn man einen Float, also Bargeld aus Versicherungsprämien, das Berkshire Hathaway investieren kann, bevor Schäden bezahlt werden müssen, zu 3 % erwirtschaften und in Unternehmen investieren kann, die 13 % erwirtschaften, ist das ein ziemlich gutes Geschäft.“ (Charlie Munger)
Die jüngsten Geschäftszahlen wussten wieder einmal zu überzeugen. Fairfax Financial Holdings gab für das 3. Quartal 2025 einen im Vorjahresvergleich um 11,7 % erhöhten Nettogewinn von 1.151,7 Mio. USD bzw. 52,04 USD je verwässerter Aktie bekannt. Der Buchwert je Stammaktie notierte zum 30. September 2025 bei 1.203,65 USD und das sind, bereinigt um die im 1. Quartal 2025 gezahlte Dividende von 15 USD, starke 15,1 % mehr als zum Jahresende 2024. Die Zahlen für das 4. Quartal werden am 13. Februar vorgelegt.
Wie Buffetts Berkshire Hathaway ist Fairfax Financial eine Holdinggesellschaft, die über ihre Tochtergesellschaften im Bereich der Schaden- und Unfallversicherung und Rückversicherung sowie der damit verbundenen Anlageverwaltung tätig ist. Die vierteljährlich über das 13F-Formular an die US-Börsenaufsicht SEC zu meldenden US-Aktienpositionen geben dabei nur einen kleinen Teil der gesamten Vermögenswerte von Fairfax Financial wieder.
Das Aktienportfolio machte Ende September 2,06 Mrd. USD aus nach 1,87 Mrd. USD Ende Juni. Der Gesamtwert des Vermögens von Fairfax Financial belief sich allerdings am 31.9.2025 auf 73,3 Mrd. USD wovon 11,8 Mrd. USD auf Barmittel und kurzfristige Positionen entfielen. Drei Monate zuvor waren es noch 70,3 Mrd. und 10 Mrd. USD gewesen. Watsa hatte also erneut ein sehr erfolgreiches Quartal zu verbuchen.
Zu den bedeutenden Anlagen, die nicht im 13F-Bericht enthalten sind, gehören Investitionen in Griechenland und Indien, wobei die griechischen Investments hauptsächlich aus einer 32-prozentigen Beteiligung an der Eurobank bestehen. Weitere wichtige Beteiligungen sind ein 27-prozentiger Anteil an Thomas Cook India, 54 % an Bangalore International Airport Limited, 31 % an Quess Corp Limited, sowie den bestimmenden Anteil an Fairfax India.
Transaktionen im 3. Quartal 2025
Das Portfolio von Fairfax Financial legte von 1,87 auf 2,06 Mrd. USD ordentlich zu. Watsas Turnoverrate sank von 5 % auf 1 % und näherte sich der Inaktivität. Unter den nun 29 Positionen befinden sich drei Neuzugänge.

Beim früheren Smartphone-Giganten und heutigen Security-Softwareanbieter BlackBerry ist Watsa schon viele Jahre an Bord und begleitete das Unternehmen durch Dick und Dünn. Seit einiger Zeit reduziert er allerdings seine Position und auch zuletzt gab er erneut 13 % seiner Anteile ab.
Eine Rolle rückwärts vollzog er beim Vanguard S&P 500 ETF. Diesen hatte er erst im Vorquartal neu ins Depot genommen und nun verkaufte er bereits wieder zwei Drittel seiner Position. Vollständig getrennt hat er sich von Autohome und Lifeway Foods.
Auf der Kaufseite taucht das Modelabel Lululemon Athletica neu auf und auch Dollar Tree, die beide zu den größten Verlierern der letzten Jahre gehörten. Watsa setzt hier wohl auf einen erfolgreichen Turnaround.
Moderat aufgestockt hat Watsa seine Position an Kraft Heinz und agiert damit gegensätzlich zu Warren Buffett, der die anstehende Aufspaltung des Konzerns öffentlich kritisiert hat – und dessen Nachfolger Greg Abel soeben die Börsenaufsicht darüber informiert hat, dass Berkshire sein Aktienpaket sukzessive abstoßen will. Bei, Pharmagiganten Pfizer baute Watsa seine Position um 37 % aus und bei Helmerich & Payne stockte er um weitere 21 % auf nach 25 im Vorquartal. Das Unternehmen bietet Bohrlösungen und -technologien für Öl- und Gasförderunternehmen an und konzentriert sich dabei auf den Bereich Bohrungen innerhalb der Wertschöpfungskette der Öl- und Gasförderung. Während der Ölpreis sinkt, steigt die Zahl der produzierenden Quellen in den USA auf immer neue Höchststände. Der Aktienkurs hatte im Sommer schwer gelitten und da griff Watsa zu und setzte seine Käufe auch während der Kurserholung im Herbst fort. Darüber hinaus sattelte er 6 % bei Molson Coors drauf.
Portfolio zum Ende des 3. Quartals 2025
In Prem Watsas Aktiendepot dominieren Rohstoffwerte mit einem Anteil von 38,5 % vor Energiewerten mit 15 % und dem Gesundheitssektor mit 12,5 %. Knapp dahinter liegen Technologiewerte mit 9,6 % und defensive Konsumwerte mit 9,5 % Gewichtung.

Orla Mining ist mit einem Anteil von knapp 30 % Prem Watsas mit Abstand größte Position und das kommt nicht von ungefähr. Watsa begann im 3. Quartal 2022 mit seinen Käufen, als die Aktie zwischen 2,40 und 3,70 USD notierte, und stockte bei steigenden Kursen mehrfach deutich seine Position auf. Die erhöhte Aktienanzahl sowie der auf inzwischen über 17 USD gestiegene Kurs machen Orla Mining zum größten und einem der profitabelsten Investment von Prem Watsa in den letzten Jahren – und das liegt nicht alleine am deutlichen Anstieg des Goldpreises. Insgesamt gehören Watsa inzwischen rund 16,75 % an dem Minenunternehmen.
Orla Mining sucht nach Gold-, Silber-, Zink-, Blei- und Kupferlagerstätten und erschließt sie. Es besitzt 100 % der Anteile am Projekt Camino Rojo in Zacatecas, Mexiko, und am Projekt Cerro Quema auf der Halbinsel Azuero in Panama. In seinem letztjährigen Investorenbrief schrieb Watsa, das von Jason Simpson geleitete Unternehmen habe ein starkes Jahr gehabt. Das Team habe hervorragende Arbeit geleistet und die Tagebaumine Camino Rojo in Mexiko produziere mit einer Kapazität von rund 120.000 Unzen Gold pro Jahr bei Cash-Kosten von ca. 800 USD je Unze. Das Unternehmen mache weiterhin Fortschritte bei der Genehmigung seiner Mine South Railroad in Nevada, die voraussichtlich 2027 in Betrieb gehen werde. South Railroad habe das Potenzial, die Goldproduktion von Orla zu verdoppeln, und das bei sehr attraktiven Projektkosten. Schließlich würden die Bohrergebnisse auf das Potenzial für eine lukrative Untertagemine bei Camino Rojo hindeuten. Der Standort verfüge über eine bedeutende Ressource, die etwa 12,5 Mio. Unzen Goldäquivalent umfasse. Orla Mining erwirtschafte einen attraktiven freien Cashflow und verfüge über ausreichend Liquidität, um seine Erschließungs- und Explorationsaktivitäten zu finanzieren.
Die Aussichten auf eine deutliche Ausweitung der Goldproduktion in Kombination mit einem Goldpreis von inzwischen mehr als 5.000 USD je Unze treiben die Geschäftszahlen von Orla Mining an – und die Fanatasie. Der Kurs war im 3. Quartal lediglich von 10,00 auf 10,80 USD geklettert, aber heute steht er mit 17,80 USD je Aktie knapp zwei Drittel höher. Prem Watsa hat hier nicht nur einen guten Riecher bewiesen, sondern auch ein glückliches Händchen. Denn finanziell ist es ein gewaltiger Unterschied, ob man seinem Gespür auch nachgibt und investiert. Das hat Wata und er wird dafür reichlich belohnt.

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox
Der ehemalige Depotspitzenreiter Occidental Petroleum ist schon seit einiger Zeit nur noch Watsa zweitgrößte Beteiligung und stellt knapp 14 % seines Portfolios. Hier sammelte er seit Mitte 2022 vier Quartale lang Aktien ein und damit in einer Phase, als auch Warren Buffett seine Position immer stärker ausbaute. Zuletzt hielt sich Wata mit Aufstockungen zurück, obwohl der Aktienkurs deutlich gesunken ist.
Drittplatzierter ist der strauchelnde Gesundheitsdienstleister CVS Health, wo Watsa im 2024er Schlussquartal mit einem großen Schluck aus der Pulle eingestiegen ist, als der Aktienkurs massiv eingebrochen war. Nach einer Erholung hielt er sich in 2025 bis zur Jahresmitte relativ stabil, zieht seitdem aber deutlich an.
Neuer Viertplatzerter ist Cleveland-Cliffs, ein Hersteller von Flachstahl und Eisenerzpellets in Nordamerika; er hat sich sowohl an der reduzierten BlackBerry vorbeigeschoben, die vom vierten auf den sechsten Rang abgerutscht ist, als auch an der aufgestockten Kraft Heinz, die von fünften auf den sechsten Platz zurückfiel.
Dahinter folgt unverändert der Immobilienwert Kennedy-Wilson Holdings vor ATS und Molson Coors. Der deutlich gestutzt S&P 500-ETF hat es trotzdem frisch in die Top 10 geschafft und hat dafür Under Armour verdrängt, dem neben Neuerwerbung zweiten Mode-Turnaround-Play in Watsa Portfolio.
Warren Buffett riet einst „Turnarounds seldom turn“, aber Prem Watsa scheint hier versteckte Werte zu erkennen. Und vielleicht hat er hier ein besseres Gespür als mit seiner BlackBerry-Spekulation, die sich auch nach 15 Jahren nicht wirklich ausgezahlt hat. Doch es kommt eben darauf an, wieviel man verdient, wenn man richtig liegt, und wie viel man verliert, wenn man falsch liegt, erklärte einst George Soros, eine andere Börsenlegende.
Schon in wenigen Tagen werden die neuen 13Fs veröffentlicht und wir werden uns genauer ansehen, wie Prem Watsa weiter vorgegangen ist…
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