Schweizer Aktien sind auf Rekordjagd: Diese 7 Nebenwerte sind ein Kauf, laut Berenberg
Der Schweizer Aktienmarkt bestätigt seinen guten Ruf, indem er auch in diesem Jahr neue Bestmarken aufstellt. Die Berenberg Bank wittert bei sieben ausgewählten Nebenwerten Kurspotenziale. Wir verraten mehr über dieses Septett.
Die Börse in der Schweiz ist in diesem Jahr erfolgreich unterwegs. Die führenden Aktienindizes sind auf dem Weg nach oben sogar eifrig dabei, neue Kursrekorde aufzustellen. Mit Stand zum 01. Juli 2026 kommt der SPI (Swiss Performance Index) als der umfassende Gesamtmarktindex der Schweizer Börse, der die Entwicklung nahezu aller kotierten Schweizer Unternehmen abbildet, auf ein Plus von 9,32 %. Gleichzeitig hat der SMI (Swiss Market Index), der als der Standardwerte-Leitindex fungiert und die 20 größten und liquidesten Aktientitel umfasst, einen Anstieg von 9,51 % vorzuweisen.

Im internationalen Börsenvergleich gelten Aktien aus der Schweiz traditionell als eine sehr gute Wahl. Das gilt insbesondere auch aus der Sicht von ausländischen Investoren, weil der Schweizer Franken eine Aufwertungswährung ist, und Anlegern aus einer anderen Region oft noch zu einer Zusatzperformance verhilft.
Spannend sind die Ergebnisse, die Pictet Wealth Management alljährlich im Rahmen einer Langfriststudie zur Performance von Schweizer Aktien und Obligationen ermittelt. Die Analyse, die neuerdings bis ins Jahr 1900 zurückreicht, weist in der aktuellen Fassung bis 2025 für Schweizer Aktien eine durchschnittliche nominale Jahresrendite von 6,8 % aus, verglichen mit 3,9 % bei Schweizer Staatsobligationen.

Bemerkenswert ist den Angaben des Vermögensverwalters zufolge, dass Anleger, die 1931 oder später in Schweizer Aktien investiert und diese 10 Jahre gehalten haben, nie einen Verlust erlitten hätten, und dass eine Anlage, die 1909 oder später getätigt und 14 Jahre gehalten wurde, immer positive Renditen generiert hätte.
Schweizer Nebenwerte sind ebenfalls eine interessante Anlageklasse
Als ein gutes langfristiges Investment haben sich aber nicht nur Schweizer Großkonzerne erwiesen, sondern auch viele eidgenössische Aktien aus der zweiten und dritten Reihe. Das ist auch leicht nachzuvollziehen, denn der Schweizer Mittelstand zeichnet sich durch eine einzigartige Kombination aus technologischem Spezialistentum und langfristiger Eigentümerkultur aus, die ihn global zu einer Ausnahmeerscheinung macht.
Anstatt kurzfristigem Gewinnstreben zu folgen, fokussieren sich viele dieser Unternehmen auf die Besetzung von hochkomplexen Nischen, in denen sie oft eine weltweite Monopolstellung einnehmen und durch ihre Innovationskraft als unverzichtbare Partner in den anspruchsvollsten Lieferketten agieren. Diese Firmen bewahren ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem Hochlohnstandort nicht über den Preis, sondern über eine über Generationen gewachsene Ingenieurstradition und eine hohe Fertigungstiefe, die es ihnen erlaubt, technologische Hürden zu meistern, an denen Wettbewerber scheitern.
Unterstützt durch eine stabile Governance – häufig in Form von Familienbesitz oder Stiftungsstrukturen – verfügen sie über die unternehmerische Freiheit, in langfristige Forschung zu investieren, was ihnen eine hohe Resilienz und eine nachhaltige Marktstellung verleiht, die weit über das hinausgeht, was in standardisierten Finanzkennzahlen kurzfristig erfassbar ist.
Angetan von Schweizer Nebenwerten ist auch die Berenberg Bank. Das zeigt sich auch daran, dass das deutsche Kreditinstitut am 25. Juni in London den dritten Swiss Stockpicker Day durchgeführt hat.
In diesem Jahr wurde die Agenda bewusst erweitert und 12 Schweizer Unternehmen eingeladen, von denen viele nicht immer zu den offensichtlichsten ersten Wahlmöglichkeiten der Investoren zählen. Anstatt sich ausschließlich auf die aktuellen Modethemen wie Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Halbleiter zu konzentrieren, ging es den Organisatoren darum, die Breite und Tiefe des Schweizer Aktienmarktes aufzeigen.
Seit dem Start der Initiative hat die Berenberg Bank die Research-Abdeckung auf rund 70 Schweizer Aktien ausgeweitet. Das Ziel dabei lautet, Investoren durch unterschiedliche Ideen, tiefgreifende fundamentale Analysen und direkten Zugang zu Managementteams mit qualitativ hochwertigen Schweizer Unternehmen zu vernetzen.
Von den zwei Unternehmen, die an der Konferenz teilnehmen, rät die Berenberg Bank bei sieben Titeln zum Kauf. Nachfolgend stellen wir diese Werte inklusive der Anlageargumente der zuständigen Analysten etwas näher vor.
Schweizer Nebenwerte-Favorit Nr. 1: ARYZTA (CH1425684714, Kurs am 01.07.: 54 CHF, Kursziel 75 CHF)

Wesentliche Erkenntnisse: Der europäische Bäckereimarkt durchläuft eine bedeutende Konsolidierung sowie intensive Fusions- und Übernahmeaktivitäten. ARYZTA übernimmt selbst ein Vertriebsunternehmen in Frankreich: Nach der erfolgreichen Sanierung und einem längeren Fokus auf rein organisches Wachstum wendet man sich selektiv ergänzenden Übernahmen zu. Am 23. Juni kündigte das Unternehmen die Übernahme der Société Européenne des Beurres an, eines französischen Vertriebsunternehmens im Südwesten Frankreichs und langjährigen unabhängigen Partners für ARYZTAs Marke Coup de Pates. Die Berenberg Bank erwartet, dass das Unternehmen diszipliniert bleibt und zukünftige Transaktionen klein und stark zielgerichtet hält.
Das Konsumentenumfeld zeigt nach Ansicht der Analysten keine sichtbaren Anzeichen einer Verbesserung, und das Einzelhandelssegment bleibt hart umkämpft. Wie bereits bei der Präsentation der Jahresergebnisse angemerkt, wird für das Jahr eine weitgehend flache Preisentwicklung erwartet, wobei das Management für das organische Wachstum einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht stellt. Die Berenberg Bank betrachtet ARYZTA weniger als eine Geschichte für Umsatzwachstum, sondern primär als einen Fall für die Ausweitung der Gewinnmargen und die Stärkung der Bilanz. Das Management ist zuversichtlich, dass die Kosteneffizienzinitiativen im Umfang von 20 Mio. bis 30 Mio. Euro planmäßig voranschreiten, und die Analysten erwarten, dass die Vorteile dieser Maßnahmen verstärkt im Jahr 2027 zum Tragen kommen.
ARYZTA hat nach dem Verständnis von Berenberg dank einer Back-to-Back-Absicherungspolitik bei Rohstoffen eine hohe Sichtbarkeit bei den Inputkosten, was das Risiko durch volatile Spotmärkte minimiert. Darüber hinaus glaubt man, dass das Unternehmen über ausreichende Preismacht und Vertragsflexibilität verfügt, um Kostensteigerungen weiterzugeben. Trotz robuster Absicherung könnte eine anhaltende globale Düngemittelknappheit mittelfristig zum Gegenwind werden. Düngemittelknappheit wirkt sich nicht nur auf den landwirtschaftlichen Ertrag aus, sondern auch auf den Weizenproteingehalt, der für die Brotherstellung wesentlich ist.
Während der Aufstieg von GLP-1-Gewichtsabnahme-Medikamenten nicht ignoriert werden kann, falls sich deren Anwendung in Europa weiter verbreitet, bleibt Brot ein grundlegendes, ballaststoffreiches Grundnahrungsmittel in der europäischen Ernährung. Um auf sich ändernde Verbraucherpräferenzen zu reagieren, hat ARYZTA hochproteinreiche Produktlinien eingeführt, Berenberg betrachtet diese jedoch nicht als zentralen Treiber für ihr breiteres Produktangebot.
Die Prioritäten der Kapitalallokation von ARYZTA sind: 1) 3,5 % – 4,5 % des Umsatzes für Wachstums- und Instandhaltungsinvestitionen; 2) Schuldenabbau in Richtung eines Verhältnisses von 1,5x – 2x Nettoverschuldung/EBITDA; 3) die Ankündigung einer Kapitalrückführungspolitik im Laufe dieses Jahres; und 4) ergänzende Übernahmen.
Wichtige Investmentpunkte: ARYZTA ist ein führendes Bäckereiunternehmen mit Fokus auf den Back-off-Markt, für den ein Wachstum von ca. 2,4 % pro Jahr erwartet wird. Berenberg betrachtet ARYZTA als defensives Investment, dessen starke europäische Präsenz (ca. 83 % des Umsatzes im Jahr 2025) eine natürliche Absicherung gegen geopolitische Risiken bietet. Der Investment-Case wurde nach einer Anpassung der Prognose und der Wiederernennung des vertrauenswürdigen Vorstandsvorsitzenden Urs Jordi risikominimiert, was zur Wiederherstellung des Anlegervertrauens beigetragen hat. Das Unternehmen stärkt weiterhin seine Bilanz durch Schuldenabbau (z. B. Rückzahlung seines Hybridinstruments) und den Ausbau neuer Kapazitäten.
Nächster Katalysator: Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026 am 10. August.
Schweizer Nebenwerte-Favorit Nr. 2: Comet (CH0360826991, Kurs am 01.07.: 400,80 CHF, Kursziel 480 CHF)

Wesentliche Erkenntnisse: Im Segment Plasmakontrolltechnologien (PCT) verzeichnet Comet weiterhin eine starke Nachfrage von Halbleiter-OEM-Kunden. Seit Beginn des Hochlaufs im Halbleiterbereich im Dezember wurde dieser kontinuierlich durch stetig steigende Umsatzprognosen verstärkt. Ein guter Indikator hierfür ist auch, dass der Bestand an Konsignationslagern signifikant gestiegen ist. Während dies größtenteils nachfragegetrieben ist, gab es in geringem Umfang auch Vorbestellungen von Kunden, die sicherstellen wollen, dass sie über ausreichend Nachschub verfügen.
Aus Comets Sicht liegt der Hauptfokus der Kunden nach wie vor auf DRAM- und fortschrittlichen logikbezogenen Werkzeugen. Es gibt erste Anzeichen eines Aufschwungs bei NAND, einige NAND-spezifische Werkzeuge wurden erstmals seit zwei Jahren von Kunden bestellt, aber insgesamt ist die Nachfrage hier noch relativ gedämpft und muss sich erst noch materialisieren. In China wächst der adressierbare PCT-Markt ebenfalls, jedoch langsamer als im Rest der Welt.
Der kommerzielle Fortschritt bei CA20, Comets Fab-Röntgensystem zur Fehlerprüfung, scheint gut im Zeitplan zu liegen. Berenberg erwartet für dieses Jahr einen Umsatzbeitrag im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Die Analysten glauben, dass Zeiss derzeit der Hauptwettbewerber ist. Der gesamte adressierbare Markt (TAM) bleibt unklar, da es sich um einen völlig neuen Markt handelt, aber man schätzt, dass er sich in Zukunft zu einem Markt von 500 Mio. bis 1 Mrd. USD entwickeln könnte. Positiv für Comet ist hier, dass das Unternehmen auch mit allen wichtigen potenziellen Kunden zwischen OSATs (outsourced semiconductor assembly and test) und Chipherstellern im Austausch steht.
Die drei operativen Prioritäten für Comet sind derzeit: 1) Sicherzustellen, dass das Unternehmen die aktuelle Nachfrage nach seinen Vakuumkondensatoren und Matchboxen bedienen kann. In diesem Jahr wird Comet wahrscheinlich das höchste Produktvolumen in seinen PCT-Segmenten ausliefern, und entscheidend ist, dass das Unternehmen etwaige Produktionsengpässe bewältigt; 2) Sicherzustellen, dass der Kapazitätsausbau in Penang für 2027 auf Kurs ist. Diese Anlage wird dieses Jahr noch nicht zur Produktlieferung beitragen, ab 2027 jedoch die zweite Stufe des Hochlaufs unterstützen; und 3) Geschäfte für die zwei neuen Produkte zu gewinnen.
Die allgemeine Botschaft lautet, dass Synertia zwar gut funktioniert, die Einführung bei Kunden jedoch langsamer verlief als anfangs erwartet. Mit einem breiteren Produktportfolio von sieben verschiedenen Leistungs- und Frequenzkombinationsvarianten im Vergleich zu nur zwei vor wenigen Jahren ist Comet besser positioniert.
Wichtige Investmentpunkte: Berenberg ist optimistisch für Comet, basierend auf der Einschätzung, dass das Unternehmen aufgrund seines im Vergleich zu Wettbewerbern höheren operativen Hebels ein besonders starkes Gewinnwachstumspotenzial durch einen Aufschwung bietet. Starke Auftragseingänge im ersten Quartal (144,9 Mio. CHF; Book-to-Bill-Verhältnis: 1,36x) sollten zu einem deutlichen Umsatzanstieg im zweiten Quartal im PCT-Segment führen, der sich bis in das zweite Halbjahr fortsetzt.
Über den hohen Marktanteil hinaus, den Comet in seinem Kerngeschäft (Vakuumkondensatoren und Matchboxen) hält, glaubt man, dass das Wachstum auch durch eine höhere Fabrikauslastung sowie durch den ersten bedeutenden Beitrag seiner zwei neuen Produkte (Synertia RF-Generator und CA20 Röntgensystem) gestärkt wird.
Nächster Katalysator: Ergebnisvorlage für das erste Halbjahr 2026 am 31. Juli.
Schweizer Nebenwerte-Favorit Nr. 3: Cicor (CH0008702190, Kurs am 01.07.: 120,80 CHF, Kursziel 170 CHF)

Wesentliche Erkenntnisse: Cicor ist die Nummer zwei hinter Kitron für die Herstellung von Verteidigungselektronik (EMS) in Europa. Das Unternehmen ist bei erstklassigen Hauptauftragnehmern (OEMs) sowie einer hochdiversifizierten Basis kleinerer Kunden fest verankert und nutzt seine paneuropäische Präsenz sowie lokale Kenntnisse, um von der Marktfragmentierung zu profitieren.
Obwohl der Preis in diesem Sektor ein Faktor ist, betonte das Management, dass der Erfolg durch langfristige Kundenbeziehungen und technische Fähigkeiten vorangetrieben wird. Die frühe Einbindung von Cicor in die Designphase ist hochgradig strategisch und führt zu einer außergewöhnlich hohen Quote an gewonnenen Aufträgen aus der Pipeline.
Zudem wirken strenge regulatorische Hürden und Zertifizierungen im Verteidigungs- und Medizinbereich als Markteintrittsbarrieren. Nach einer Qualifizierung sind Folgeaufträge leicht wiederkehrend, da OEMs die Reibungsverluste und Kosten der Re-Qualifizierung neuer EMS-Partner vermeiden können, was erhebliche Wechselkosten schafft.
Die Ankündigung des deutschen Verteidigungsministeriums vom 24. Juni, das Fregattenprogramm der F126-Klasse zu beenden, stand unter anderem mit Projektverzögerungen in Zusammenhang. Der Aktienkurs von Rheinmetall fiel an diesem Tag um 19 %. Die Analysten glauben, dass Cicor von dieser Nachricht nicht direkt betroffen ist, da Rheinmetall nicht in der offengelegten Kundenliste von Cicor erscheint (obwohl wir nicht ausschließen können, dass es sich um einen nicht genannten Partner handelt) und aufgrund der diversifizierten Kundenbasis (der größte Kunde macht ca. 6 % des Umsatzes aus; die Top 10 Kunden ca. 26 %). Das Management bleibt zuversichtlich, seine gute Dynamik mit hoher Sichtbarkeit in diesem Segment fortzusetzen.
16. Juni kündigte Cicor die Veräußerung seines Standorts in Tunesien sowie ein Integrations- und Produktivitätsprogramm an, von dem Verbesserungen des EBITDA von über 10 Mio. CHF erwartet werden. Das Unternehmen teilte mit, dass die Integration der 2025 erworbenen Unternehmen planmäßig verläuft. Diese Margenverbesserung soll durch den Produktionshochlauf, mehrere Standortverlagerungen und die Straffung überschneidender Managementstrukturen unterstützt werden (die Maßnahmen führen zu einer Reduzierung von ca. 5 % der gesamten Belegschaft von Cicor). Berenberg bleibt vorsichtig und prognostiziert einen Margenanstieg erst ab der zweiten Jahreshälfte 2026.
Die Konsolidierungsambitionen von Cicor, die auf den stark fragmentierten EMS-Markt setzen, bleiben unverändert. Historisch gesehen haben Übernahmen etwa zwei Drittel des Wachstums des Unternehmens vorangetrieben, und das Management erwartet, dass dieser Schwung anhält. Mittelfristig strebt Cicor ein durch M&A getriebenes Wachstum von 7 % – 10 % an, um die organische Expansion zu ergänzen, was das übergeordnete Ziel unterstützt, eine mittelfristige jährliche Wachstumsrate (CAGR) von über 15 % zu erreichen.
Cicor bestätigte seine Prognose für 2026 und erwartet Umsätze zwischen 700 Mio. und 750 Mio. CHF sowie ein bereinigtes EBITDA von 70 Mio. bis 80 Mio. CHF, wobei die geopolitische Lage, Währungsschwankungen und eine zunehmende Komponentenknappheit als Hauptrisiken genannt werden. Obwohl die Preisgestaltung angesichts der soliden Position von Cicor, höhere Kosten weiterzugeben, nach Ansicht der Analysten kein Hauptrisiko darstellt, glauben sie nicht, dass die Risiken in der Lieferkette vollständig überwunden sind. Folglich erwartet man, dass sich die Performance in der zweiten Jahreshälfte beschleunigt.
Wichtige Investmentpunkte: Cicor ist ein paneuropäischer Elektronikdesigner und -hersteller mit Engagement in den Sektoren Industrie (38 % des Umsatzes), Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung (26 %) und Gesundheitstechnologie (19 %). Der breitere EMS-Markt von 55 Mrd. Euro wird voraussichtlich mit einer jährlichen Wachstumsrate von 5,6 % (2024–27E) wachsen, getrieben durch strukturelle Trends bei Outsourcing, Elektrifizierung, Miniaturisierung und Nearshoring. M&A bleibt eine tragende Säule der Strategie von Cicor mit 13 Übernahmen seit 2021. Während erwartet wird, dass die Integration die Margenverwässerung bis 2026 verlängert, prognostiziert Berenberg anschließend eine Margenausweitung aufgrund positiver Skaleneffekte.
Nächster Katalysator: Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026 am 22. Juli.
Schweizer Nebenwerte-Favorit Nr. 4: Medacta (CH0468525222, Kurs am 01.07.: 133,60 CHF, Kursziel 185 CHF)

Wesentliche Erkenntnisse: Medacta zielt auf einen rund 40 Mrd. USD großen orthopädischen Markt ab, wobei die USA, Europa, Japan und Australien laut Unternehmensangaben fast 90 % des gesamten adressierbaren Marktes ausmachen. Die Verantwortlichen räumen ein, dass orthopädische Wettbewerber ein langsameres erstes Quartal in den USA gemeldet hatten, was mit der internen Ansicht übereinstimmt, dass sich der Markt auf ein Niveau vor der Pandemie normalisiert. Dennoch bekräftigte Medacta, dass es weiterhin ein überdurchschnittliches Marktwachstum anstrebt.
Es wurde beschrieben, wie sich das Unternehmen von seinem ersten Produkt für minimalinvasive Hüftchirurgie, das es Medacta ermöglichte, Marktanteile in mehreren europäischen Märkten zu gewinnen, bevor es international expandierte, zu der heute angebotenen Produktpalette entwickelt hat. Das Management stellte klar, dass der Fokus auf chirurgische Techniken ein wesentliches Differenzierungsmerkmal für das Unternehmen sei, was sich heute deutlich im Knie-Portfolio zeige.
Im Bereich Knie erläuterte man die Entwicklung der Implantate von Medacta, vom GMK Sphere Total-Knieimplantat bis zum GMK SpheriKA-Produkt, dem einzigen auf dem Markt erhältlichen, auf kinematische Ausrichtung optimierten Knieimplantat. GMK SpheriKA ist ein wichtiger Wachstumstreiber für das Unternehmen, wobei das Produkt sowohl in den USA als auch in Märkten außerhalb der USA an Zugkraft gewinnt. Zu den anderen Segmenten wurde erklärt, wie technologische Innovationen von Medacta (z. B. die NextAR-Plattform) es dem Unternehmen ermöglicht haben, sein Angebot gegenüber Wettbewerbern zu differenzieren, was ein anhaltender Fokus für das Unternehmen bleibt.
Im Hinblick auf die Kapitalallokation bekräftigte der Vorstandsvorsitzende den Fokus des Unternehmens auf Reinvestitionen in Investitionsausgaben (z. B. Instrumentensets), um das organische Wachstum zu fördern. Es wurde erklärt, wie Medacta die Branche von der Verwendung teurerer wiederverwendbarer Instrumentensets (ca. 40.000 EUR pro Set, bereitgestellt von Medacta) hin zu Einweg-Instrumentensets (gekauft von Medacta) verlagern möchte – dies dürfte eine Reduzierung des beträchtlichen Cashflows von Medacta für instrumentenbezogene Investitionen unterstützen.
Der Vorstandsvorsitzende betonte, dass das Unternehmen nur begrenzte Übernahmen getätigt habe, mit Ausnahme der Übernahme von Parcus im Jahr 2025, die laut seiner Aussage eine solide Basis an Sportmedizin-Produkten bot, aus der Medacta eine innovative Produkt-Pipeline entwickeln konnte.
Wichtige Investmentpunkte: Berenberg schätzt Medacta für sein innovatives Produktportfolio, die starken Beziehungen zu Chirurgen und seinen Fokus auf Nischen, von denen die Analysten glauben, dass sie das Unternehmen dabei unterstützen werden, mittelfristig ein Wachstum zu erzielen, das über dem breiteren orthopädischen Markt liegt. Mittelfristig strebt Medacta eine schrittweise Verbesserung der bereinigten EBITDA-Margen an. Berenberg erwartet, dass dies durch Portfolio-Synergien und verbesserte Margen in kleineren Geschäftssegmenten wie der Wirbelsäulenchirurgie erreichbar ist.
Nächster Katalysator: Vorläufige Umsatzzahlen für das erste Halbjahr 2026 am 31. Juli.
Schweizer Nebenwerte-Favorit Nr. 5: Montana Aerospace (CH1110425654, Kurs am 01.07.: 21,70 CHF, Kursziel 30 CHF)

Wesentliche Erkenntnisse: Die vertikale Integration über die gesamte Wertschöpfungskette – vom Aluminiumspäne-Recycling bis hin zu fertigen Komponenten – untermauert die Positionierung von Montana in der Luft- und Raumfahrt-Lieferkette. OEMs gehen zunehmend direkt auf Montana zu, wenn etablierte Zulieferer hinter den Erwartungen zurückbleiben, was die etablierte Rolle des Unternehmens als kritischer Teil der Lieferkette widerspiegelt.
Präsenz in Best-Cost-Countries (BCC) untermauert die Wettbewerbsfähigkeit. Montana hat in kostengünstige Kapazitäten investiert, z. B. in Rumänien, Vietnam oder Atlanta (USA), das eine kostengünstige Basis in den USA darstellt. Mexiko wurde evaluiert, aber ausgeschlossen. Diese Präsenz unterstützt die Margenausweitung, da neue Kapazitäten vor dem Hintergrund wachsender vertraglich vereinbarter Umsätze zunehmend ausgelastet werden.
Der Wettbewerb variiert je nach Programm und Komponente – Spirit AeroSystems (jetzt im kommerziellen Bereich wieder in Boeing integriert) ist ein Hauptkonkurrent bei Gulfstream- und 737-Arbeiten, während LISI Aerospace (Verbindungselemente) und Latécoère (Türen und Flugzeugstrukturen) in angrenzenden Nischen angesiedelt sind. Das Management merkte an, dass der Margendruck umso größer ist, je weiter ein Unternehmen in der Wertschöpfungskette nach vorne integriert ist, was Montanas gewählte Positionierung in der Wertschöpfungskette begründet.
Die Lieferkette der Luft- und Raumfahrt bleibt fragmentiert, und die Bewertungen in der Branche haben Private Equity angezogen. Das Management beabsichtigt, im Metallbereich zu bleiben. Verbundwerkstoffe weisen geringere Margen auf und würden die Schmiedeseite des Geschäfts nicht wesentlich verbessern.
Die M&A-Kriterien bleiben streng: keine Deals um jeden Preis. M&A ist der bevorzugte Weg der Kapitalallokation, sofern das Portfolio in angrenzende Bereiche erweitert und die Materialkompetenzen verbreitert werden. Die ASCO-Übernahme ist ein Beispiel für diesen Ansatz. Das Management merkte an, dass die Aluminiumpreise in letzter Zeit um ca. 50 % gestiegen sind, bei gleichzeitig schwächerem USD, und an Kunden weitergegeben werden, was die Gewinnempfindlichkeit gegenüber Rohstoffbewegungen begrenzt.
Wichtige Investmentpunkte: Das vertikal integrierte Fertigungsmodell von Montana ist ein überzeugendes Nutzenversprechen für große OEM-Kunden, die Kosten und Lieferkettenrisiken reduzieren wollen, insbesondere in der Luft- und Raumfahrt. Das Unternehmen gewinnt Marktanteile und Inhalte (Wert pro Flugzeugset) bei allen großen Verkehrsflugzeugprogrammen und ist zunehmend in die Wertschöpfungsketten der OEMs eingebettet, wobei der Umsatzmix auf den wachstumsstarken Schmalrumpfflugzeug-Markt gewichtet ist.
Nächster Katalysator: Die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026 werden am 13. August erwartet.
Schweizer Nebenwerte-Favorit Nr. 6: SoftwareOne (CH0496451508, Kurs am 01.07.: 7,96 CHF, Kursziel 10 CHF)

Wesentliche Erkenntnisse: Die Übernahme von Crayon hat SoftwareOne zum größten Microsoft-Partner weltweit gemacht. Während sich SoftwareOne historisch auf multinationale Großunternehmen konzentriert hat, war Crayon hingegen auf das KMU-Segment ausgerichtet, was sie strukturell komplementär machte. Microsoft ist der wichtigste Anbieter von SoftwareOne und steht für ca. 60 % des Umsatzes von SoftwareOne, wobei VMware/Broadcom der zweitgrößte Softwareanbieter ist.
Angesichts der gemischten Erfolgsbilanz von SoftwareOne seit dem Börsengang hat die Glaubwürdigkeit bei den kommunizierten Zielen für das Management Priorität. Die Prognose für 2026 wurde bereits im ersten Quartal angehoben, wobei sich das zugrunde liegende Wachstum in allen drei Geschäftsbereichen beschleunigte. Da die Integration von Crayon in diesem Jahr weitgehend abgeschlossen sein wird, verlagert sich der Fokus auf die Skalierung des kombinierten Geschäfts. Die Ziele für 2030 – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) beim Umsatz im hohen einstelligen Bereich (2026–2030) und eine bereinigte EBITDA-Marge von über 28 % – stehen nun im Mittelpunkt.
An seinem Kapitalmarkttag am 9. Juni nannte das Management noch nicht die Kernkomponenten der EBITDA-Margenentwicklung für 2025–2030, dies könnte jedoch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Nach Ansicht von Berenberg muss der Großteil des Margenanstiegs durch das Dienstleistungsgeschäft (ca. 48 % des Umsatzes im Jahr 2025) erbracht werden. Im Jahr 2025 erzielte der Bereich Services eine bereinigte EBITDA-Marge von 5 % und erreichte im ersten Quartal 2026 eine Verbesserung von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Erstklassige Wettbewerber erreichen ca. 15 %, was den Maßstab für SoftwareOne setzt.
Das Channel-Geschäft ist ein weiteres Schlüsselelement zur Erreichung der Margenziele. Obwohl es noch klein ist (ca. 8 % des Umsatzes im Jahr 2025), wächst es schnell (37,3 % im Jahresvergleich währungsbereinigt im ersten Quartal 2026). Das überdurchschnittliche Umsatzwachstum verschiebt den Mix in Richtung Channel, welcher vor Unternehmensnebenkosten eine bereinigte EBITDA-Marge von 48 % aufweist.
In den letzten Monaten hat ein deutlicher Umdenkprozess stattgefunden, und die Botschaft der Investoren wurde gehört. Mehrere dedizierte Projekte zielen auf eine kürzere Zeit bis zur Rechnungsstellung und engere Forderungslaufzeiten ab, wobei interne Bewertungen bereits gute Fortschritte zeigen.
Wichtige Investmentpunkte: Die Analysten glauben, dass SoftwareOne den Großteil der Crayon-Integration abgeschlossen hat, während die Auswirkungen der Anreizänderungen bei Microsoft nun größtenteils hinter dem Unternehmen liegen. Gleichzeitig deuten die zunehmende IT-Komplexität, steigende Softwareausgaben und Tokenomics, die als zusätzliche Kostenebene für Unternehmen entstehen, darauf hin, dass die strukturellen Wachstumstreiber des Marktes fest intakt bleiben. Da die integrationsbedingten Kosten sinken, das organische Umsatzwachstum voraussichtlich wieder anzieht und sich die Margen schrittweise verbessern, glaubt man, dass der Aktienkurs von SoftwareOne von günstigem Rückenwind profitieren sollte.
Nächster Katalysator: Die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026 werden am 26. August erwartet.
Schweizer Nebenwerte-Favorit Nr. 7: Tecan (CH0012100191, Kurs am 01.07.: 175,60 CHF, Kursziel 205 CHF)

Wesentliche Erkenntnisse: Das Management ist der Ansicht, dass das Geschäft auf dem richtigen Weg bleibt, bewahrt jedoch ein angemessenes Maß an Vorsicht hinsichtlich des Tempos und des Ausmaßes, das es bei Verbesserungen der Endmärkte einkalkuliert. Der akademische und staatliche Sektor bleibt in den USA schwach, während sich China stabilisiert (wo die Biopharma-Branche erfreulich wächst). Global zeigen große Biopharma-Unternehmen weiterhin frühe Anzeichen einer Besserung, insbesondere im Bereich der wiederkehrenden Umsätze.
Die Nachfrage nach Standardinstrumenten bleibt gedämpft, und das verbesserte politische Umfeld benötigt – wie erwartet – Zeit, um sich in Umsätzen niederzuschlagen. Währenddessen bleibt die Nachfrage nach kundenspezifischen Automatisierungslösungen (Labwerx) stark. Die Trends bei Diagnostik-Kunden bleiben solide und unverändert. Erfreulicherweise hat das Unternehmen im Berichtszeitraum nichts materiell überrascht; der Punkt, den sie genau beobachten, ist eine Erholung bei den Standardinstrumenten im Biopharma-Bereich, die sie sehen wollen, bevor sie optimistischer werden.
Der größte Kundenaccount von Tecan hatte ein gutes erstes Quartal, für das Gesamtjahr wird jedoch weiterhin ein weitgehend flacher Verlauf erwartet. Die Geschäftstätigkeit entwickelt sich positiv, und die Analysten erwarten, dass sich die im ersten Quartal beobachteten Trends im zweiten Quartal fortsetzen.
Die lokale Konkurrenz aus China ist am ehesten bei Pipettenspitzen sichtbar. Tecan hat keinen nennenswerten Wettbewerb durch chinesische Akteure im High-End-Segment des Marktes für Liquid-Handling gesehen, in dem das Unternehmen tätig ist. Da Tecan sich tiefer in integrierte Arbeitsabläufe einbettet, gewinnt es mehr Preismacht und eine glaubwürdigere wertbasierte Preisstrategie – die Preisgestaltung orientiert sich eher am Problem des Kunden als am Gerät selbst, insbesondere bei Labwerx und robotergestützten Arbeitszellen.
Das Management räumte Ablenkungen ein, da das Unternehmen zuvor zu vielen Dingen gleichzeitig nachjagte. Das „Rewired“-Programm beinhaltet die Senkung der Kostenbasis in der Schweiz und die Verlagerung von Aktivitäten an andere Standorte. In Bezug auf die Wertberichtigung bei Paramit war das Management offen und gab zu, dass die Entwicklungseinheit innerhalb von Paramit nicht zum Gesamtangebot passte und in einem zu frühen Stadium war, um Synergien mit seinen Fertigungsdienstleistungen zu bieten. Letztlich war sie verlustbringend, und die strategische Passung war schwächer als erhofft.
Wichtige Investmentpunkte: Der allgemeine Tenor war zuversichtlich, ohne das Tempo der Erholung zu überbewerten. Die Analysten sind zunehmend optimistisch hinsichtlich der Chancen für Tecan im Zusammenhang mit den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Nachfrage nach seinen Produkten/Dienstleistungen. Dazu gehört die Möglichkeit, an der Bereitstellung von Automatisierungslösungen zu partizipieren, die den laufenden Übergang zum Forschungsmodell „Lab-in-a-loop“ unterstützen, bei dem rechnergestützte und physische Experimente in einem iterativen Prozess komplementär sind.
Tecans kundenspezifische Automatisierungseinheit Labwerx, die Planungs-Software für Instrumente und Laboranalytik sowie die Zusammenarbeit mit NVIDIA positionieren das Unternehmen gut, um eine Rolle bei der Entwicklung von robotergestützten Arbeitszellen und schließlich „agentischen Nasslaboren“ (agentic wet labs) zu spielen, in denen rechnergestützte und experimentelle Forschung durch künstliche Intelligenz orchestriert werden. Jüngst kündigte Tecan die Integration von agentischen KI-Fähigkeiten in seine Laboranalytik-Plattform Introspect an, was ein erfreuliches Update in der Zusammenarbeit mit NVIDIA darstellte.
Nächster Katalysator: Tecan wird am 11. August die Ergebnisse für das erste Halbjahr berichten.
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