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Sieben günstige US-Dividenden-Aristokraten mit Schutzgraben

Strategien Jürgen Research 228 Leser

Sie erhöhen ihre Dividende seit Jahrzehnten. Doch nicht jeder „Dividendenaristokrat" verdient automatisch einen Platz im Depot. Morningstar hat sieben Kandidaten herausgefiltert, die noch mehr bieten: einen soliden Schutzgraben gegen die Konkurrenz und einen Kurs, der unter dem fairen Wert liegt – mit bis zu 75 % Kurspotenzial.

Ein Dividendenaristokrat klingt nach einer todsicheren Sache. Ein Unternehmen, das seine Dividende seit mindestens 25 Jahren ununterbrochen anhebt, muss doch solide wirtschaften – sonst hätte es diese Serie längst gerissen. Genau diese Logik führt aber viele Anleger in eine Falle: Sie kaufen den Titel allein wegen seiner Historie, ohne genauer hinzuschauen, ob das Geschäftsmodell diese Historie auch in Zukunft trägt und ob der Kurs überhaupt noch attraktiv ist.

Wie trügerisch dieses Vertrauen sein kann, zeigt Walgreens Boots Alliance. Der Drogeriekonzern gehörte jahrzehntelang zum exklusiven Klub der Dividendenaristokraten – bis er seine Ausschüttung 2024 fast halbierte. Die Mitgliedschaft im Aristokraten-Club ist also kein Freifahrtschein. Aktuell zählen mehr als 60 Unternehmen im S&P 500 zu dieser Gruppe. Wer die Spreu vom Weizen trennen will, kommt an einer Frage nicht vorbei: Wie widerstandsfähig ist der Schutzgraben des jeweiligen Unternehmens gegenüber der Konkurrenz wirklich?

Woran man einen soliden Dividendenaristokraten erkennt


Die Analysten von Morningstar liefern dafür eine handfeste Antwort. Sie werten sogenannte Economic Moats aus, also wirtschaftliche Burggräben, die ein Unternehmen vor Wettbewerbern schützen – etwa starke Marken, Skaleneffekte oder hohe Wechselkosten für Kunden.

Der Zusammenhang zur Dividendensicherheit ist eindeutig: „Unternehmen mit breiten wirtschaftlichen Burggräben haben ihre Dividenden seltener gekürzt als Unternehmen mit schmalen Burggräben. Firmen ganz ohne Burggraben kürzen am ehesten", erläutert Morningstar-Indexstratege Dan Lefkovitz. Ein Burggraben ist also weit mehr als eine akademische Kennzahl – er entscheidet mit darüber, ob die Dividendenserie auch die nächste Rezession übersteht.

Die Auswahlkriterien für die sieben Kandidaten


Um die besten Dividendenaristokraten für ein langfristiges Investment zu identifizieren, hat Morningstar zwei Filter angelegt: Erstens musste der Titel Bestandteil des ProShares S&P 500 Dividend Aristocrats ETF sein. Zweitens musste Morningstar dem Unternehmen mindestens einen schmalen oder sogar breiten Economic Moat (wirtschaftlicher Schutzgraben) bescheinigen – und der Aktienkurs musste unterhalb der von Morningstar berechneten fairen Wertes notieren.

Sieben Werte erfüllten am Ende beide Bedingungen: Clorox, Amcor, Brown-Forman, Hormel Foods, Kimberly-Clark, PepsiCo und Medtronic. Alle Kursangaben und Kennzahlen im Folgenden beziehen sich auf den Stand vom 7. beziehungsweise 11. September 2026.

Dividenden-Aristokrat Nr. 1: The Clorox Company (ISIN: US1890541097, Kurs: 87,76 USD)


Übersicht Clorox Aktie

Clorox erhöht seine Dividende seit 48 Jahren in Folge – nach anderen, großzügigeren Zählweisen sogar seit 51 Jahren. Damit steht der Reinigungsmittelhersteller kurz davor, in den noch exklusiveren Kreis der „Dividend Kings" (50 Jahre und mehr) aufzusteigen. Im Juli 2026 erhöhte das Management die Quartalsdividende von 1,24 auf 1,25 USD je Aktie, was einer annualisierten Ausschüttung von 5,00 USD entspricht. Morningstar taxiert den fairen Wert auf 154 USD – gegenüber dem aktuellen Kurs ergibt sich daraus ein rechnerisches Kurspotenzial von 75,5 %.

Damit führt Clorox die Liste der günstigsten Dividendenaristokraten an. Morningstar-Direktorin Erin Lash rechnet über die kommenden zehn Jahre mit einem mittleren einstelligen jährlichen Dividendenwachstum, wobei sich die Ausschüttungsquote langfristig bei etwa 60 % einpendeln dürfte. Der aktuelle Kurs liegt damit rund 40 % unter dem von Morningstar taxierten fairen Wert.

Morningstar bescheinigt Clorox einen breiten Burggraben, der auf der Stärke seines vielfältigen Markenportfolios und der engen Verzahnung mit großen Handelsketten beruht. Diese führende Marktposition dürfte zusätzlich Skalenvorteile mit sich bringen. Die Kapitalrendite (inklusive Firmenwert) lag in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt bei knapp 22 %. Trotz möglicher Kostendrücke durch Inflation rechnet Morningstar für die kommende Dekade mit einer durchschnittlichen Rendite von 20 % jährlich – etwa das Dreifache der von Morningstar geschätzten Kapitalkosten von 7 %.

Seit der Gründung vor mehr als 100 Jahren hat sich Clorox in zahlreiche Konsumgüterkategorien ausgeweitet: Reinigungsmittel, Wäschepflege, Müllbeutel, Katzenstreu, Grillkohle, Salatdressings, Wasserfilter und Naturkosmetik. Neben der Namensmarke gehören unter anderem Liquid-Plumr, Pine-Sol, Kingsford, Glad, Hidden Valley, Brita und Burt's Bees zum Portfolio. Fast 85 % des Umsatzes erzielt das Unternehmen auf dem Heimatmarkt USA.

Dividenden-Aristokrat Nr. 2: Amcor plc (ISIN: JE00BV7DQ550, Kurs: 42,32 USD)


Übersicht Amcor Aktie

Der Verpackungskonzern Amcor blickt auf eine beeindruckende Dividendenwachstumsserie von 42 Jahren zurück. Die Quartalsdividende beträgt aktuell 0,65 USD je Aktie, die nächste Ausschüttung erfolgt am 24. September 2026. Bei einem fairen Wert von 60 USD laut Morningstar ergibt sich gegenüber dem aktuellen Kurs ein Kurspotenzial von 41,8 %.

Amcor bietet mit einer Rendite von 5,76 % die höchste Dividendenrendite im gesamten Ranking. Morningstar-Analystin Esther Holloway verweist auf die progressive Dividendenpolitik des Unternehmens, das seine Gesamtausschüttung typischerweise um 5 US-Cent pro Jahr anhebt. Der Kurs notiert rund 25 % unter dem fairen Wert von Morningstar.

Den schmalen Burggraben von Amcor führt Morningstar auf einen Kostenvorteil zurück. Als weltweit größter Anbieter von Kunststoffverpackungen profitiert das Unternehmen von seiner schieren Größe: Zentraler Einkauf drückt die Rohstoffkosten für Harz und andere Vorprodukte. Viele Produktionsstätten liegen zudem direkt bei den Kunden oder in unmittelbarer Nähe, was Transportkosten für sperrige, aber leichte Verpackungen erheblich senkt. Hinzu kommen hohe Wechselkosten bei Kunden aus dem Pharma- und Medizinbereich, deren aufwendige Zulassungsprozesse einen Lieferantenwechsel riskant machen, sowie eine hohe regionale Anlagendichte, die Wettbewerbern den Aufbau konkurrierender Kapazitäten erschwert.

Amcor produziert weltweit Kunststoffverpackungen, vor allem für die Konsumgüterindustrie. Rund 90 % der Erträge stammen aus dem Geschäft mit flexiblen Verpackungen – etwa dünnen Kunststofffolien für Lebensmittel, Getränke, Medizin- und Hygieneprodukte. Der Rest entfällt auf das Geschäft mit starren Verpackungen in Nord- und Lateinamerika, hauptsächlich für die Getränkeabfüllung. Amcor ist in mehr als 35 Ländern aktiv, wobei rund die Hälfte des Konzernumsatzes auf Nordamerika entfällt und sich der Rest etwa gleichmäßig auf Westeuropa und Schwellenländer verteilt.

Dividenden-Aristokrat Nr. 3: Brown-Forman Corporation (ISIN: US1156372096, Kurs: 26,22 USD)


Übersicht Brown-Forman Aktie<br />

Der Spirituosenhersteller Brown-Forman hebt seine reguläre Bardividende seit 42 Jahren in Folge an und zahlt seit sogar 82 Jahren ununterbrochen eine Dividende aus. Die Quartalsdividende liegt bei 0,2310 USD, die nächste Zahlung ist für den 1. Oktober 2026 terminiert. Bei einem fairen Wert von 35 USD ergibt sich ein rechnerisches Kurspotenzial von 33,5 %.

Über die kommenden zehn Jahre erwartet Morningstar, dass die Dividendenzahlungen im Gleichschritt mit den Gewinnen stetig wachsen, wobei sich die Ausschüttungsquote bei rund 52 % stabilisieren dürfte – ein Niveau, das Morningstar-Analyst Kristoffer Inton als umsichtig und gut erreichbar einstuft. Morningstar taxiert den fairen Wert der Aktie auf 35 USD.

Morningstar attestiert Brown-Forman einen breiten Burggraben, der auf starker Markentreue und den engen Kundenbeziehungen beruht, die der Spirituosenhersteller über Jahrzehnte im Whiskey-Kerngeschäft aufgebaut hat – dieses Segment macht über 70 % des Gesamtumsatzes aus. Hinzu kommen Kostenvorteile durch die Größe des Unternehmens beim Einkauf von Rohstoffen, bei Werbung und bei der Distribution. Morningstar rechnet mit einer Kapitalrendite von durchschnittlich 17 % über den zehnjährigen Prognosezeitraum – deutlich über den geschätzten Kapitalkosten von 7,5 % – und geht davon aus, dass das Unternehmen diese Überrendite mehr als 20 Jahre lang halten kann.

Brown-Forman stellt Premium-Spirituosen her. Über 70 % des Umsatzes entfallen auf die Whiskey-Kategorie, angeführt von der bekannten Tennessee-Whiskey-Marke Jack Daniel's sowie den Bourbon-Marken Woodford Reserve und Old Forester. Daneben produziert und vertreibt das Unternehmen Tequila, Wodka, Rum, Gin und Premium-Weine. 44 % des Umsatzes im Geschäftsjahr 2025 stammten aus den USA, der Großteil der internationalen Erlöse aus Europa, Australien und Lateinamerika. Die Gründerfamilie Brown kontrolliert über 50 % der wirtschaftlichen Anteile und 67 % der Stimmrechte.

Dividenden-Aristokrat Nr. 4: Hormel Foods Corporation (ISIN: US4404521001, Kurs: 20,57 USD)


Übersicht Hormel Foods Aktie

Hormel Foods erhöht seine Dividende seit mehr als 55 Jahren in Folge und trägt damit gleich zwei Titel: Dividendenaristokrat und Dividend King. Die jüngste Quartalsdividende betrug 29,25 US-Cent je Aktie. Bei einem fairen Wert von 28 USD laut Morningstar ergibt sich gegenüber dem aktuellen Kurs ein Kurspotenzial von 36,1 %.

Für Hormel hat der Erhalt des Aristokraten-Status hohe Priorität, wie Morningstar-Analyst Kristoffer Inton betont. Morningstar rechnet bis zum Geschäftsjahr 2030 mit einem jährlichen Dividendenwachstum von rund 3 %, bei einer im Schnitt im mittleren 80-%-Bereich liegenden Ausschüttungsquote. Der Kurs notiert etwa 23 % unter dem fairen Wert von Morningstar.

Den schmalen Burggraben verdankt Hormel seinen starken Marken und den eingespielten Beziehungen zu Handel und Gastronomie. Bei der Dosenwurst Spam hält das Unternehmen mit 48 % Marktanteil im 2,5-Mrd.-Dollar-Markt für haltbare Fleischprodukte die klare Führung, gegenüber nur 9 % für Handelsmarken. Bei Applegate Farms und Jennie-O kommt Hormel im 7,8-Mrd.-Dollar-Markt für gekühltes Geflügel zusammen auf 5 % Anteil – deutlich hinter den 14 % der Handelsmarken. Die Erdnussbutter-Marke Skippy hält mit 13 % Platz zwei im 3,2-Mrd.-Dollar-Nussaufstrich-Markt, während Planters mit 14 % zwar die stärkste Markenposition im 9,6-Milliarden-Dollar-Nussmarkt einnimmt, von Handelsmarken mit 37 % aber übertroffen wird.

Ursprünglich stark auf Fleischprodukte fokussiert, hat sich Hormel Foods zu einem breiter aufgestellten Markenkonzern für Nahrungsmittel entwickelt. Die Erlöse verteilen sich auf den US-Einzelhandel (61,6 % im Geschäftsjahr 2025), die US-Gastronomie (32,6 %) und das internationale Geschäft (5,9 %). 73 % der Umsätze entfallen auf Frischeprodukte, 27 % auf haltbare Ware. Zu den wichtigsten Marken zählen neben Hormel und Spam auch Jennie-O, Columbus, Applegate, Planters und Skippy – viele davon Marktführer oder Nummer zwei in ihrer jeweiligen Kategorie.

Dividenden-Aristokrat Nr. 5: Kimberly-Clark Corporation (ISIN: US4943681035, Kurs: 98,15 USD)


Übersicht Kimberly-Clark

Kimberly-Clark zählt mit 54 Jahren ununterbrochener Dividendenerhöhung ebenfalls zu den Dividend Kings. Die Quartalsdividende beträgt aktuell 1,28 USD je Aktie, was einer annualisierten Ausschüttung von 5,12 USD entspricht. Bei einem fairen Wert von 133 USD laut Morningstar ergibt sich ein Kurspotenzial von 35,5 %.

Kimberly-Clark ist eines von gleich fünf Unternehmen aus dem defensiven Konsumgütersektor auf der Liste – und zugleich ein Dividend King. Morningstar sieht den schmalen Burggraben in einem Portfolio milliardenschwerer Marken wie Huggies, Scott, Kleenex, Cottonelle, Depend und Kotex begründet. Für die langfristige Dividendenentwicklung rechnet Morningstar-Analystin Erin Lash mit einem mittleren einstelligen jährlichen Wachstum.

Auch mit Blick auf die anstehende Übernahme des Konsumgesundheitsgeschäfts von Kenvue bescheinigt Morningstar Kimberly-Clark einen schmalen, auf immateriellen Werten beruhenden Burggraben. Sechs Marken erzielen jeweils Jahresumsätze von mehr als einer Milliarde USD, was zusammen mit kontinuierlichen Investitionen in Innovation und Marketing hilft, Regalflächen im Handel gegen günstigere Handelsmarken zu verteidigen. In den vergangenen fünf Jahren erzielte das Unternehmen eine durchschnittliche Kapitalrendite von 20 %, deutlich über den geschätzten Kapitalkosten von 7 % – ein Vorsprung, den Morningstar auch für die kommende Dekade erwartet.

Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielt Kimberly-Clark im Bereich Körperpflege, ein weiteres Drittel entfällt auf Tücher- und Hygieneprodukte für den Haushalt. Zum Markenportfolio gehören unter anderem Huggies, Pull-Ups, Kotex, Depend, Kleenex und Cottonelle. Daneben beliefert ein Profisegment Unternehmen mit Lösungen für Arbeitsplatzhygiene und -sicherheit. Gut die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet Kimberly-Clark in Nordamerika, mehr als 10 % in Europa, der Rest verteilt sich vor allem auf Asien und Lateinamerika. In der zweiten Jahreshälfte 2026 soll das Konsumgesundheitsportfolio von Kenvue hinzukommen.

Dividenden-Aristokrat Nr. 6: PepsiCo Inc. (ISIN: US7134481081, Kurs: 136,32 USD)


Übersicht PepsiCo Aktie

PepsiCo gehört mit 54 Jahren in Folge steigender Dividende ebenfalls zu den Dividend Kings. Die Quartalsdividende liegt bei 1,48 USD je Aktie beziehungsweise 5,92 USD auf das Jahr gerechnet, was einer Rendite von etwa 4,3 % entspricht. Beim fairen Wert von 169 USD laut Morningstar ergibt sich ein Kurspotenzial von rund 24 %.

In den vergangenen fünf Jahren lag die Ausschüttungsquote von PepsiCo im Schnitt bei 64 %, während die Dividende je Aktie mit einer hohen einstelligen Rate jährlich wuchs, wie Morningstar-Analyst Kristoffer Inton berichtet. Über den zehnjährigen Prognosezeitraum rechnet Morningstar mit einer auf niedrige 70 % steigenden Ausschüttungsquote, bei einem mittleren einstelligen jährlichen Dividendenwachstum.

Den breiten Burggraben von PepsiCo führt Morningstar auf ein starkes Portfolio bekannter Marken im Snack- und Getränkegeschäft zurück, das Kundentreue schafft und enge Beziehungen zum Handel sichert. Hinzu kommen erhebliche Skalenvorteile durch die Umsatzbasis von 92 Mrd. USD und die globale Produktions- und Vertriebsinfrastruktur, die Verhandlungsmacht und niedrigere Betriebskosten mit sich bringen. Morningstar rechnet über den zehnjährigen Prognosezeitraum mit einer durchschnittlichen Kapitalrendite von 21 % gegenüber geschätzten Kapitalkosten von 7 % – und erwartet, dass das Unternehmen diese Überrendite mehr als 20 Jahre lang aufrechterhalten kann.

PepsiCo ist ein globaler Marktführer bei Snacks und Getränken mit bekannten Marken wie Pepsi, Mountain Dew, Gatorade, Lay's, Cheetos und Doritos. Das Unternehmen dominiert den weltweiten Markt für salzige Snacks und ist zugleich die weltweite Nummer zwei bei Getränken hinter Coca-Cola, mit einem breiten Angebot von Erfrischungsgetränken über Wasser bis zu Sport- und Energiegetränken. Auf herzhafte Snacks und andere Convenience-Nahrungsmittel entfallen rund 58 % des Umsatzes, auf Getränke der Rest. Internationale Märkte trugen 2025 zu 41 % zum Gesamtumsatz und zu 46 % zum operativen Gewinn vor Konzernkosten bei.

Dividenden-Aristokrat Nr. 7: Medtronic plc (ISIN: IE00BTN1Y115, Kurs: 90,96 USD)


Übersicht Medtronic Aktie

Medtronic beschließt die Liste mit einer Serie von 49 Jahren in Folge steigender Dividenden. Die jüngste Quartalsdividende von 0,72 USD je Aktie wurde am 20. August 2026 beschlossen und wird am 16. Oktober 2026 an die am 25. September 2026 im Aktienregister eingetragenen Anteilseigner ausgezahlt. Beim fairen Wert von 112 USD laut Morningstar ergibt sich ein Kurspotenzial von 23,1 %.

Medtronic hat sich traditionell zum Ziel gesetzt, 50 % des freien Cashflows an die Aktionäre auszuschütten, wobei die Ausschüttungsquote in den vergangenen Jahren auf 70 bis 80 % gestiegen ist, wie Morningstar-Analystin Debbie Wang berichtet. Bei einem Abschlag von 16 % zum von Morningstar geschätzten fairen Wert von 112 USD erscheint die Aktie attraktiv bewertet.

Morningstar bestätigt Medtronic einen schmalen Burggraben. Zwar hielte Morningstar das zugrunde liegende Geschäft angesichts immaterieller Werte und hoher Wechselkosten für Kunden grundsätzlich für stark genug für einen breiten Burggraben, bleibt aber vorsichtig mit Blick auf mögliche Wertvernichtung durch Zukäufe. Wie die meisten Wettbewerber in der Medizintechnik ergänzt Medtronic seine eigene Innovationskraft durch Übernahmen; kleinere Zukäufe haben in der Regel keinen Aktionärswert vernichtet. Die Übernahme von Covidien hat die Kapitalrendite jedoch über einen längeren Zeitraum belastet – ein Risiko, das Morningstar bei der Bewertung des Burggrabens berücksichtigt.

Medtronic zählt zu den größten Medizintechnikkonzernen der Welt und entwickelt therapeutische Geräte für chronische Erkrankungen. Zum Portfolio gehören Herzschrittmacher, Defibrillatoren, kathetergestützte Herzklappen, Stents, Wirbelsäulenimplantate, neurovaskuläre Produkte sowie chirurgische Instrumente. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte vor allem an Kliniken und Ärzte in den USA, Westeuropa und Japan. Auslandsumsätze machen rund die Hälfte des Gesamtumsatzes aus.

Sollten Anleger jetzt in Dividendenaristokraten investieren?


Dividendenaristokraten können attraktive Investments sein – doch sie kommen mit Einschränkungen, die Anleger kennen sollten. Erstens schützt auch eine lange Erhöhungsserie nicht zuverlässig vor einer Kürzung: Neben Walgreens haben in den vergangenen Jahren auch VF Corporation und AT&T ihre Dividenden gekappt, obwohl beide zuvor jahrzehntelang als Aristokraten galten. „Eine Serie jährlicher Dividendenerhöhungen, egal wie lang, garantiert nicht, dass die Dividende eines Unternehmens sicher ist", warnt der frühere Morningstar-DividendInvestor-Redakteur David Harrell.

Zweitens sind Dividendenaristokraten nicht automatisch Hochzinswerte: 25 Jahre kontinuierlichen Dividendenwachstums führen nicht zwangsläufig zu einer hohen Rendite. Und drittens gilt: Ein Dividendenaristokrat ist nur dann interessant, wenn er auch unterbewertet ist. Wer für eine Aktie allein wegen ihrer Dividendenhistorie zu viel bezahlt, erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich am Ende schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt.

Genau deshalb lohnt sich der Blick auf jene Aristokraten, die beide Kriterien erfüllen: einen belastbaren Burggraben und einen Kurs unterhalb des fairen Wertes. Die sieben hier vorgestellten Kandidaten decken dabei ein breites Spektrum ab – vom Konsumgüterriesen über den Spirituosenhersteller bis zum Medizintechnikkonzern. Für welchen Titel sich ein Investment am Ende lohnt, hängt wie immer von der individuellen Risikobereitschaft und dem Anlagehorizont ab. Die Hausaufgaben – Burggraben und Bewertung prüfen – nimmt einem aber auch der längste Dividendenaristokrat nicht ab.


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