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Vom KI-Verlierer zum KI-Profiteur: Diese 3 Softwareaktien starten jetzt durch!

Artikel, Aktienanalysen Marius Müllerhoff 256 Leser

Okta - Der Türsteher für KI-Agenten steht am 52 Wochenhoch


Okta (Okta) zählte in den letzten gut zwölf Monaten zu einer der auffälligsten Softwareaktien. Nach einem Einbruch von 50 Prozent zwischen Juni 2025 und April 2026, ausgelöst durch Sorgen, künstliche Intelligenz könne den Softwaresektor aushöhlen, hat die Aktie eine Rallye von 230 Prozent hingelegt.

Das Geschäftsmodell von Okta besteht in der Verwaltung digitaler Identitäten. Rund 99 Prozent des Umsatzes stammen aus Abonnements. Das erste Standbein ist die Mitarbeiterverwaltung. Eine Einmalanmeldung öffnet alle Geschäftsanwendungen und wird durch Mehrfaktorauthentifizierung abgesichert. Das zweite Standbein ist Auth0, mit dem Firmen die Anmeldung ihrer eigenen Kunden schützen. Als dritter Treiber gilt „Okta Identity Governance“. Die Software vergibt und prüft Zugriffsrechte automatisch und war zuletzt das umsatzstärkste unter Oktas neueren Produkten.

Die „Story“, die der Markt derzeit spielt, lautet: Agenten auf Basis künstlicher Intelligenz melden sich wie Mitarbeiter in Firmensystemen an, lesen Daten und lösen Vorgänge aus. Damit stellt sich eine neue Frage: Wer kontrolliert, was diese Agenten dürfen? Genau dieses Geschäft betreibt Okta. Seit dem 30. April bietet das Unternehmen eine eigene Lösung an, mit der Firmen Agenten registrieren und ihre Rechte steuern. Seit August ist die Agentenverwaltung zudem Teil der Einmalanmeldung, die über 20.000 Kunden nutzen. Sinnbild für die Dynamik ist ein Gesundheitskonzern aus der Fortune 50 Liste. Er schloss einen Millionenvertrag ab, und seine Zahl an Agenten stieg binnen Wochen von 50 auf 1.500. Auch Anthropic setzt auf Okta und nutzt Oktas Protokoll, damit Claude kontrolliert auf Firmenanwendungen zugreifen kann.

Am 26. August 2026 meldete Okta Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027. Der Umsatz stieg um elf Prozent auf 805 Millionen Dollar und lag über den erwarteten 793 Millionen. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte von 0,91 auf 1,05 Dollar, während Analysten nur mit 0,97 Dollar gerechnet hatten. Für das Gesamtjahr erwartet Okta nun 3,22 Milliarden Dollar Umsatz und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 3,90 bis 3,94 Dollar. Diese Zahlen pulverisierten die Märkte. Die Aktie schoss um bis zu 30 Prozent nach oben. Seitdem hat es Anschlusskäufe gegeben.

Charttechnisch macht die Aktie ein sehr konstruktives Bild. Sie steht am 52 Wochenhoch und auf dem höchsten Stand seit Januar 2022. Am Dienstag ist sie aus einer einwöchigen Konsolidierung nach oben ausgebrochen. Aktuell bietet es sich an, die Aktie auf die Watchliste zu legen und auf die nächste Konsolidierung zu warten.

Okta Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Twilio - Wenn künstliche Intelligenz selbst zum Telefon greift


Kaum ein Softwarekonzern steckt so unauffällig im Alltag wie Twilio (TWLO). Konkret verkauft das Unternehmen Kommunikation als Baustein. Über eine API binden Firmen Kurznachrichten, Anrufe und Mails direkt in ihre Anwendungen ein. Abgerechnet wird überwiegend nach Nutzung (also pro Nachricht, pro Gesprächsminute oder pro Abruf). Wächst das Geschäft der Kunden, wächst Twilio automatisch mit.

Die erste und wichtigste Säule ist das Nachrichtengeschäft mit SMS, WhatsApp und RCS („Rich Communication Services“ bzw. erweiterter Standard für Kurznachrichten). Einen Teil dieses Umsatzes sind Gebühren der Mobilfunkbetreiber, die Twilio an die Kunden weiterreicht. Die zweite Säule ist das Sprachgeschäft. Hier wächst vor allem der Einsatz von Sprachsoftware auf Basis künstlicher Intelligenz, deren Umsatz Ende 2025 um über 60 Prozent zulegte. Dritte Säule sind Zusatzprogramme mit höherer Marge. Dazu zählen der Identitätsdienst Verify, das Anzeigen von Firmennamen bei ausgehenden Anrufen und die Auswertung von Kundengesprächen. Ergänzt wird das Angebot durch den 2018 übernommenen Maildienst SendGrid und die Kundendatenplattform Segment. Kunden gewinnt Twilio vor allem über Entwickler, die den Dienst selbst ausprobieren, sowie über ISV („Independent Software Vendors“ bzw. unabhängige Softwareanbieter), die Twilio in ihre Produkte einbauen.

Die „Story“, die der Markt derzeit spielt, sieht wie folgt aus: Persönliche Assistenten auf Basis künstlicher Intelligenz sollen künftig selbst anrufen, schreiben und buchen. Laut TD Cowen stieg die Aktie binnen einer Woche um rund 15 Prozent, weil Anleger Twilios Nähe zu diesen Verbraucheragenten zunehmend erkennen. Sinnbild dafür ist Muse von Meta Platforms. Der Assistent startete am 8. September in den USA. Er verschickt Mails, kauft ein und bucht Reisen. Seit Mitte September ruft er in einer Testphase auch Unternehmen an, etwa für einen Friseurtermin oder ein Angebot vom Handwerker. So entstehen immer mehr Gespräche und Nachrichten zwischen Maschine und Mensch sowie zwischen Maschine und Unternehmen. Genau dieses Geschäft betreibt Twilio.

Die letzten Quartalszahlen erschienen am 6. August 2026. Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 1,50 Milliarden Dollar und übertraf die Erwartung von 1,43 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 24 Prozent auf 1,47 Dollar zu und toppte damit die Schätzungen von 1,32 Dollar. Für 2026 erwartet Twilio nun 18 bis 18,5 Prozent Umsatzwachstum statt zuvor 14 bis 15 Prozent. Für das dritte Quartal peilt das Management 1,51 bis 1,52 Milliarden Dollar Umsatz an. Die Zahlen elektrisierten die Börse. Die Aktie schoss an diesem Tag um gut 30 Prozent nach oben.

Der Chart sieht sehr bullisch aus. Die Aktie steht am 52 Wochenhoch und auf dem höchsten Stand seit November 2021. Nach drei starken Plustagen hintereinander sehe ich aktuell kein Setup. Die Aktie gehört jedoch auf die Watchlist. Bei einem Rücksetzer und/oder nach der Bildung einer Konsolidierung kann eine Position eröffnet werden.

Twilio Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Veeva - Der Softwarespezialist der Pharmabranche trotzt der Skepsis gegenüber künstlicher Intelligenz


Veeva Systems (VEEV) gilt als zentrale Softwareplattform der Pharmaindustrie. Konkret verkauft das Unternehmen Cloudsoftware, Daten und Beratung ausschließlich an Unternehmen aus Pharma, Biotechnologie und Medizintechnik. Die Kunden zahlen feste Abonnementgebühren, meist jährlich im Voraus. Das sorgt für gut planbare, wiederkehrende Einnahmen. Im zuletzt gemeldeten Quartal stammten 767 Millionen der 928 Millionen US-Dollar Umsatz aus Abonnements. Den Rest liefert die Beratung bei Einführung und Umstellung der Systeme.

Das größte Standbein ist der Bereich Forschung, Entwicklung und Qualität mit einem Abonnementumsatz von 419 Millionen US-Dollar. Kern ist die Plattform Vault. Die Development Cloud begleitet ein Medikament von der klinischen Studie bis zur Zulassung. Sie verwaltet Studiendaten, Zulassungsunterlagen und die Meldung von Nebenwirkungen. Die Quality Cloud dokumentiert Herstellungs- und Laborprozesse. Weil Behörden diese Abläufe streng prüfen, ist ein Anbieterwechsel für Kunden aufwendig und riskant. Der zweite Bereich umfasst Vertrieb und Marketing und erzielte einen Abonnementumsatz von 347 Millionen US-Dollar. Das wichtigste Produkt ist Vault CRM. Damit planen Pharmaaußendienstler ihre Besuche bei Ärzten und dokumentieren Gespräche regelkonform. Mehr als 180 Kunden nutzen die neue Lösung bereits im Echtbetrieb. Ergänzend verkauft Veeva Daten, etwa Verzeichnisse von Ärzten und Kliniken sowie mit Crossix Analysen zur Wirkung von Werbekampagnen.

An der Börse dreht sich die „Story“ gerade um 180 Grad. Lange galt der Softwareanbieter als Verlierer der künstlichen Intelligenz. Anleger fürchteten, dass Softwareagenten menschliche Nutzer ersetzen und damit Lizenzen überflüssig machen. Veeva antwortet mit Falcon. Die Plattform übernimmt Routinearbeit in der Arzneimittelentwicklung, etwa die Prüfung von Studiendokumenten und die Bearbeitung von Nebenwirkungsmeldungen. Erste Kunden sollen ab November 2026 starten. Des Weiteren ist das Duell mit Salesforce um die Vertriebssoftware der Pharmakonzerne zu nennen. Bis September 2030 müssen alle Pharmakonzerne, die Veevas alte Vertriebssoftware auf der Salesforce Plattform nutzen, umsteigen. Zur Wahl stehen vor allem Veevas neue Eigenentwicklung Vault CRM. Zuletzt gewann Veeva unter anderem Eli Lilly, Biogen und Regeneron

Am 26. August 2026 legte Veeva Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vor. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 928 Millionen US-Dollar. Analysten hatten 905 Millionen erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag stieg um 18 Prozent auf 2,35 US-Dollar und toppte damit die Schätzungen der Wall Street in Höhe von 2,22 US-Dollar. Die Jahresprognose für den bereinigten Gewinn je Aktie hob Veeva von 9,05 auf 9,21 US-Dollar an, beim Umsatz auf 3,68 bis 3,69 Milliarden US-Dollar. Das Management verwies zudem auf ein Rekordquartal im Kundenbeziehungsgeschäft und wachsendes Interesse an seinen Angeboten mit künstlicher Intelligenz. Diese Quartalszahlen pulverisierten die Märkte. Die Aktie konnte im Hoch um gut 20 Prozent zulegen.

Seitdem hat sie zum gleitenden 20 Tagedurchschnitt zurückgesetzt. Gestern konnte sie sich von diesem nach oben lösen. Das wäre ein mögliches Einstiegszenario gewesen. Ich denke, dass die Aktie zwischen 266 US-Dollar und 270 US-Dollar weiterhin aufgegriffen werden kann.

Veeva System Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox


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