aktien Magazin

Bitcoin: Haben wir die Tiefstände des aktuellen 4-Jahreszyklus gesehen? Diese Aktien gehören jetzt auf die Watchliste!

Artikel, Aktienanalysen Marius Müllerhoff 128 Leser

Am vergangenen Mittwoch, den 19. August, gab es zwei Pivotal News Point für Bitcoin und den gesamten Kryptosektor. Erstens hat die das US-Finanzministerium beschlossen hat, die Rückkäufe von Staatsanleihen am längeren Zinsende stark zu erhöhen, was zu einem kurzfristigen Rückgang der 10-, 20- und 30-jährigen Renditen der US-Staatsanleihen führte. Fallende Zinsen ist ein Katalysator für Risikoassets. Gleichzeitig hat der Markt dies als weiteres „Debasement“ bzw. Geldentwertung des US-Dollars interpretiert. Neben Bitcoin sind somit auch Gold und Goldaktien stärker angesprungen.

Zweitens traf sich Donald Trump im Weißen Haus mit führenden Vertretern der Krypto- und Finanzbranche, darunter die CEOs von Coinbase, Ripple, Robinhood, Kraken, Chainlink, Nasdaq sowie SEC und CFTC. Trump betonte erneut sein Ziel, die USA zur „Krypto-Hauptstadt der Welt“ zu machen und Innovationen aus dem Ausland zurückzuholen. Besonders auffällig war seine Erwähnung von Hyperliquid: Die CFTC arbeite daran, die Plattform auf vollständig legale und regulierte Weise in die USA zu bringen. Außerdem warb Trump für klarere Kryptogesetze, insbesondere den CLARITY Act. Insgesamt zeigte die Konferenz eine deutlich kryptofreundlichere Haltung der US-Regierung.

Der Bitcoin schoss aufgrund dieser beiden Pivotal News Points innerhalb von drei Tagen um 23 % bzw. 16.000 US-Dollar nach oben! Wir sahen einen signifikanten Anstieg des Handelsvolumens. Letztlich konnte der Bitcoin den wichtigen gleitenden 200 Tagedurchschnitt (GD) zurückerobern. Ethereum, das zweit wichtigste Asset aus dem Kryptosektor, war sogar noch stärker unterwegs als Bitcoin. All dies ist extrem bullisch. Das könnte der Start des nächsten Bullenmarktes für Bitcoin und den Kryptosektor implizieren.

Denn im Allgemeinen unterliegt der Bitcoin dem sogenannten Vierjahreszyklus. Dieser geht auf ein festes Regelwerk im Protokoll zurück. Die Belohnung für das Erzeugen neuer Blöcke halbiert sich rund alle vier Jahre. Dieses Ereignis heißt „Halving“. Es fand bisher in 2012, 2016, 2020 und zuletzt im April 2024 statt. Das Angebot an neuen Bitcoins sinkt dadurch schrittweise, während die Gesamtmenge auf 21 Millionen begrenzt bleibt.

Historisch zeigte sich ein wiederkehrendes Muster. In den zwölf bis achtzehn Monaten nach einem „Halving“ stieg der Kurs deutlich (siehe 2013, 2020/21, 2024/25), danach folgte ein beachtlicher Rückgang (siehe 2014/15, 2018, 2022 und 2026) und anschließend eine längere Seitwärtsphase, bevor der nächste Bullenmarkt begann. Anleger leiten daraus die Einteilung in Aufschwung, Abschwung, Bodenbildung und wieder Aufschwung ab.

Mit der sehr bullischen Bewegung der letzten Tage könnte der Bitcoin die Tiefstände des aktuellen Vierjahreszyklus hinter sich gebracht haben. Damit würde er nun langsam in die Aufschwungphase übergehen.

Um für den nächsten Bullenmarkt des Bitcoins und der gesamten Kryptobranche optimal vorbereitet zu sein, habe ich mir eine Watchliste mit relevanten Aktien zusammengestellt (siehe folgende Abbildung).

Watchliste mit relevanten Aktien

Quelle: https://desk.traderfox.com/

Für mich haben diejenigen Aktien Priorität, die es umgehend wieder über ihren 200 GD geschafft haben und am wenigsten von ihren jeweiligen 52 Wochenhochs entfernt sind. Schauen wir uns einige davon genauer an.

Robinhood Markets – Wie aus der Handelsapp ein Finanzökosystem und ein Top-Kandidat für den nächsten Bitcoin-Bullenmarkt wurde


Robinhood Markets (HOOD) zählt zu den am schnellsten wachsenden Anbietern im amerikanischen Wertpapierhandel. Das Unternehmen wurde 2013 von Vlad Tenev und Baiju Bhatt gegründet, startete seine App 2015 mit provisionsfreiem Aktienhandel und ging im Juli 2021 an die Börse.

Die Umsatzquellen lassen sich in drei Bereiche untergliedern:

  • Transaktionsabhängige Erlöse, vor allem aus dem Optionshandel und aus PFOF (Payment for Order Flow – Vergütung für die Weiterleitung von Kundenaufträgen).
  • Nettozinserträge aus Kundenguthaben und Wertpapierkrediten.
  • Das Abonnement Robinhood Gold, das inzwischen 4,8 Millionen Kunden nutzen. Hierbei handelt es sich um das kostenpflichtige Mitgliedschaftsmodell. Es kostet 5 Dollar im Monat oder 50 Dollar im Jahr und bietet ein Paket von Zusatzleistungen an wie deutlich höhere Verzinsung auf freie Barmittel im Depot, höherer Zuschuss auf Altersvorsorgekonten, bessere Handelskonditionen und Daten sowie Zugang zur Gold Card (hauseigene Kreditkarte mit 3 Prozent Rückvergütung).

Hinzu kommen Kryptohandel, eine Kreditkarte und Ereigniskontrakte, mit denen Anleger auf den Ausgang bestimmter Ereignisse setzen.

Der Markt spielt derzeit die „Story“, dass Robinhood nicht mehr nur als Nutznießer aktiver Handelsphasen gilt, sondern als Plattform, die Bankgeschäft, Kryptowährungen und Prognosemärkte bündelt. Außerdem müsste eine Rallye des Bitcoins und des Kryptomarktes auch die Robinhood-Aktie elektrisieren. Denn die junge Robinhood-Kundschaft ist sehr affin für das Thema Kryptotrading. Der bislang spektakulärste Quartalseffekt fand im vierten Quartal 2024. Robinhood erzielte innerhalb von nur drei Monaten 358 Mio. USD Krypto-Umsatz.

Wettbewerber sind Charles Schwab, Webull und Interactive Brokers.

Die jüngsten Quartalszahlen stammen vom 29. Juli 2026. Der Umsatz stieg um 32 Prozent auf 1,31 Milliarden Dollar und lag über der Markterwartung von rund 1,25 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie erreichte 0,62 Dollar nach 0,42 Dollar im Vorjahresquartal und übertraf die Schätzungen von etwa 0,43 Dollar.

Die Aktie reagierte zunächst leicht verschnupft auf die Zahlen. Dann drehte sie jedoch nach oben um und konnte in der Zwischenzeit 30 Prozent zulegen. Sie befindet sich oberhalb aller wichtigen gleitenden Durchschnitte wie dem 10 GD, dem 50 GD und dem 200 GD. Das ist konstruktiv.

Über dem Hoch vom Donnerstag hätte man am Freitag eine Position eröffnen können. Nach der bullischen Bewegung unter hohem Handelsvolumen vom Freitag gehört die Aktie ganz oben auf die Watchliste. Entweder man wartet auf eine kurzfristige Konsolidierung und kauft dann den Ausbruch oder man ist mutig und kauft über dem Hoch vom Freitag.

Robinhood Markets Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Circle Internet Group - Der zweitgrößte Stablecoin der Welt mit einer neuen eigenen Blockchain


Circle Internet Group (CRCL) gibt den zweitgrößten Stablecoin der Welt heraus namens USDC. Als Stablecoin bezeichnet man eine digitale Münze, deren Wert fest an eine Währung gekoppelt ist. Gegründet wurde das Unternehmen 2013 in Boston von Jeremy Allaire. Der an den US-Dollar gebundene USDC kam 2018 auf den Markt. Das Börsendebüt an der New Yorker Börse folgte am 5. Juni 2025.

Der Umsatz stammt bis heute überwiegend aus den Zinserträgen der Reserven, die den USDC decken und vor allem in kurzlaufenden Staatsanleihen investiert sind. Zweites Standbein ist das Circle Payments Network für grenzüberschreitende Zahlungen, das ein hochgerechnetes Jahresvolumen von 23 Milliarden US-Dollar erreicht und ab dem zweiten Halbjahr Geld verdienen soll. Drittens baut Circle mit Arc eine eigene Blockchain, deren Hauptnetz am 16. September startet.

Der Markt spielt zwei „Stories“. Erstens sind steigenden Leitzinsen zu nennen. So preist der Markt aktuell eine bis zwei Zinserhöhungen seitens der US-Notenbank ein. Das wäre ein Katalysator für das Unternehmen. Außerdem hofft der Markt auf ein neues Anwendungsfeld: Zahlungen, die KI Programme selbstständig ausführen. Für solche Kleinstbeträge gilt eine wertstabile digitale Münze als geeigneter als eine Kartenzahlung. Ein Beispiel: Ein Softwareagent bucht selbstständig Rechenleistung, kauft einen Datensatz oder bezahlt eine Schnittstellenabfrage. Solche Vorgänge sind sehr klein, sehr häufig und laufen rund um die Uhr. Klassische Kartenzahlungen passen dafür schlecht, weil jede Transaktion feste Gebühren verursacht und die Abwicklung Tage dauern kann. Eine digitale Münze mit stabilem Wert lässt sich dagegen in Sekunden und in Bruchteilen eines Cents übertragen. Genau darauf zielt Circle ab. Das Unternehmen hat dafür den sogenannten Agent Stack, Brieftaschen für Softwareagenten und Kleinstzahlungen vorgestellt. Die eigene Blockchain Arc ist ausdrücklich für hohe Transaktionsfrequenzen ausgelegt. Vorstandschef Jeremy Allaire hat im Conference Call zu den Quartalszahlen das Ziel formuliert, USDC zum bevorzugten Zahlungsmittel in dieser Agentenwirtschaft zu machen.

Wichtigste Wettbewerber sind Tether mit dem Stablecoin USDT und PayPal mit PYUSD.

Am 5. August 2026 meldete Circle für das zweite Quartal Erlöse von 701 Millionen US Dollar. Das entspricht einem Plus von sieben Prozent, lag jedoch unter den Erwartungen von rund 742 Millionen. Der bereinigte Gewinn je Aktie belief sich auf 0,18 US-Dollar nach 1,02 US-Dollar im Vorjahr und lag im Bereich der Erwartungen der Wall Street.

Die Aktie ist seit der Bekanntgabe der Zahlen um 45 Prozent nach oben geschossen und befindet sich wieder oberhalb des 200 GD. Aktuell sehe ich kein Einstiegsszenario. Eine Konsolidierung oberhalb des 200 GD wäre wünschenswert. Dem Ausbruch aus dieser Konsolidierung kann gefolgt werden.

Circle Internet Group Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Webull - Bestes Quartal der Firmengeschichte und 15% Gap Up


Der amerikanische Onlinebroker Webull (BULL) wurde 2016 von Wang Anquan, einem früheren Manager von Alibaba und Xiaomi, gegründet. Der Sitz liegt heute im US-Bundesstaat Florida. Im April 2025 kam die Aktie über eine Fusion mit einer Mantelgesellschaft an die Nasdaq.

Das Geschäftsmodell beruht auf einer provisionsfreien Handelsplattform für Aktien, Optionen, Anleihen und Kryptowährungen. Die wichtigste Erlösquelle ist die Vergütung, die Webull von Handelshäusern für die Weiterleitung von Kundenorders erhält. Sie steuerte im zweiten Quartal den Löwenanteil der handelsbezogenen Erlöse von 148 Millionen US-Dollar bei. Zweite Säule sind Zinserträge aus Wertpapierkrediten und Kundenguthaben, die um 18 Prozent auf 43 Millionen US-Dollar zulegten. Ergänzend verkauft Webull Abonnements für erweiterte Kursdaten und baut ein institutionelles Geschäft auf. Neu ist der KI-Assistent Vega Analyst, ein Rechercheprogramm für die Analyse von Aktien.

Die erste „Story“, die der Markt spielt, ist der Wegfall der sogenannten „Pattern Day Trader Regel“ am 4. Juni 2026. Kleinanleger dürfen seither ohne Mindestkapital von 25.000 US-Dollar häufig taggleich handeln. Die Zahl der täglichen Trades stieg um 62 Prozent. Die zweite „Story“ ist der Bullenmarkt des Kryptosektor. Der direkte Hebel solch eines Bullenmarktes ist aktuell noch eher klein. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Webull mit Kryptowährungen nur rund 2,25 Millionen US-Dollar Umsatz, also gut ein Prozent der gesamten Erlöse. Verdient wird dabei an der Spanne zwischen An- und Verkaufskurs. Der geringe Umsatz liegt natürlich vor allem an dem Bärenmarkt. Steigen Kurse und Handelsvolumina wieder signifikant an, wächst dieser Umsatzanteil mit. Firmenchef Anthony Denier hat darauf hingewiesen, dass jede Belebung des Kryptogeschäfts unmittelbar auf das Ergebnis durchschlägt, weil die Kostenbasis bereits steht. Genau das ist der eigentliche Punkt: Die Marge ist hoch, die Basis ist niedrig, also wirkt ein Anstieg überproportional auf den Gewinn.  Hinzu kommt ein Produktthema. Webull arbeitet an der Freigabe von Ein- und Auszahlungen in Kryptowährungen, dem sogenannten „coin in“ und „coin out“. Ohne diese Funktion können Kunden ihre Bestände nicht auf eigene Wallets übertragen, was aktive Kryptohändler bisher eher zu spezialisierten Anbietern getrieben hat. Kommt die Funktion in einem freundlichen Marktumfeld, träfe ein besseres Produkt auf höhere Nachfrage.

Im Wettbewerb steht Webull vor allem mit Robinhood und Interactive Brokers gegenüber.

Die Zahlen zum zweiten Quartal erschienen am 19. August 2026. Der Umsatz stieg um 51 Prozent auf 199 Millionen US-Dollar und lag über den vom Markt erwarteten 185 Millionen. Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug 0,12 US-Dollar nach einem Verlust im Vorjahresquartal und übertraf die Schätzung von 0,05 US-Dollar deutlich. Das Kundenvermögen wuchs um 79 Prozent auf 29 Milliarden US-Dollar.

Aufgrund der Quartalszahlen schoss die Aktie um 15 Prozent nach oben. Außerdem befindet sich die Aktie bereits seit einigen Wochen über dem 200 GD, was konstruktiv ist und für relative Stärke im Sektor steht. Allerdings wurde das Gap Up am 20 August abverkauft und die Pivotal Price Line unterschritten. Nun gilt es die Aktie sehr genau zu beobachten. Schafft sie es, in Folge der Zahlen eine Seitwärtskonsolidierung auf dem aktuellen Niveau zu etablieren, dann wäre das konstruktiv und es bietet sich an, den Ausbruch aus dieser Konsolidierung zu folgen.

Webull Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

 


Bildherkunft: AdobeStock_950575684