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Deere - Das Zukunftsgeschäft mit autonomen Traktoren

Aktienanalysen Hinnerk Lührs 1.775 Leser

Liebe Leser,

in diesem Artikel geht es um das Unternehmen "Deere & Co.". Deere ist eine konservative Qualitäts-Aktie, welche bereits seit über 50 Jahren an der NYSE notiert. Das Unternehmen stellt Landwirtschaftsgeräte und -fahrzeuge her und profitiert von den gestiegenen Agrarrohstoffpreisen und damit verbundenen höheren Investitionen in der Agrarindustrie. Außerdem hat das Unternehmen einen autonomen Traktor auf den Markt gebracht, welcher eine neue Wachstumsdynamik entfalten könnte. Ich, Hinnerk Lührs, habe eine Eigenposition bei Deere. Viel Spaß mit dem Artikel!

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Deere - Der größte Hersteller von Landwirtschaftsgeräten der Welt


Deere ist einer der weltweit größten Hersteller von Landwirtschaftsgeräten. Das Unternehmen wurde bereits im Jahr 1837 von John Deere mit der Erfindung eines Stahlpflugs gegründet. Erst Jahrzehnte später, im Jahr 1918, stieg Deere & Co. in das Traktor-Geschäft ein. Die Aktie des Unternehmens notiert bereits seit über 50 Jahren an der NYSE und mit einer Marktkapitalisierung von 123 Mrd. USD gehört das Unternehmen zu den Marktführern in der Agrarindustrie.

Im Geschäftsjahr 2021 hat Deere einen Umsatz von 44 Mrd. USD erzielt. Davon wurden 57 % mit dem Verkauf von Landwirtschaftsgeräten und -fahrzeugen, 23 % mit Geräten und Fahrzeugen für die Bauwirtschaft und der Rest mit Produkten für die Forstwirtschaft oder Finanzprodukten erwirtschaftet. Der Großteil des Umsatzes, rund 50 %, wird in den USA und Kanada erzielt, aber das Unternehmen ist auch in Europa, Lateinamerika und Asien tätig.

Ein Blick auf den TraderFox Qualitäts-Check zeigt, dass Deere in den letzten fünf Jahren mit durchschnittlich 10,6 % im Umsatz, sowie 31,7 % im Gewinn je Aktie wachsen konnte. Die Eigenkapitalrendite ist mit 29,8 % exzellent. Auffällig ist jedoch, dass die Umsatzstabilität des Unternehmens nicht der eines Software-Unternehmens entspricht und Zyklen unterliegt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Umsatzentwicklung stark von den Investitionszyklen in der Agrarwirtschaft abhängt. Langfristig ist Deere jedoch ein sehr lohnenswertes Investment gewesen. In den letzten zehn Jahren ist die Aktie um durchschnittlich 16,07 % pro Jahr gestiegen.

Quelle: Qualitäts-Check Deere & Co. 

Hohe Cashflows und konstant steigende Dividende


Im Jahr 2021 hat Deere einen operativen Cashflow von 5,9 Mrd. USD erzielt. Deere setzt den Cashflow folgendermaßen ein: Am wichtigsten für das Management ist der Erhalt einer gesunden Bilanz. Das Unternehmen soll niemals Liquiditätsprobleme bekommen und mit einer hohen Bonität dauerhaft günstigen Zugang zu kurz- und langfristigen Krediten haben. Am zweitwichtigsten sind Investitionen in operative Verbesserungen sowie Wachstumsmärkte. Erst wenn diese beiden Punkte, welche den langfristigen Bestand des Unternehmens sicherstellen, bedient wurden, werden eine Dividende (anvisierte Ausschüttungsquote von 25-35 %) ausgezahlt und Aktien zurückgekauft.

Derzeit sitzt Deere auf einem Cash-Bestand von 8,21 Mrd. USD. Die Gesamtverschuldung beträgt 65 Mrd. USD. Davon sind jedoch 32,3 Mrd. USD langfristige Finanzverbindlichkeiten und 5,3 Mrd. USD Pensionsrückstellungen. Lediglich 15,7 Mrd. USD sind kurzfristige Verbindlichkeiten, welche Deere jedoch aus dem Cash-Bestand und operativen Cashflow bedienen kann. Trotzdem ist die Bilanz ein Punkt, auf den man in den kommenden Jahren achten muss. Das Management sollte in den kommenden Jahren die Verschuldung reduzieren und nicht noch weiter ausbauen. Die Eigenkapitalquote liegt bei 19,5 %.

Von 2004 bis 2021 hat Deere 55 % des operativen Cashflows in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an Aktionäre weitergereicht. Die Dividende, welche im Q1-2004 noch bei 0,11 USD lag, stieg in den letzten Jahren konstant an und betrug um Q4-2021 ganze 1,05 USD. Im Jahr 2022 soll die Dividendenrendite bei rund 0,9 % liegen. Die Entwicklung der Dividende ist in der folgende Grafik dargestellt.

Quelle: Investoren-Präsentation Deere & Co.

Autonome Traktoren - Ein Zukunftsgeschäft


Da man jährlich rund 5 % des Umsatzes in die Forschung und Entwicklung investiert, ist man in vielen Bereichen technologisch führend. Andere Konkurrenten investieren lediglich 4 % des Umsatzes in Forschung und Entwicklung und sind in der Regel kleiner als Deere, sodass auch die absolute Summe geringer ausfällt. Die Wachstumsfantasie bei Deere kommt dadurch zustande, dass vor wenigen Wochen die Serienfertigung eines autonomen Traktors angekündigt wurde. Der Traktor soll noch in diesem Jahr an die ersten Kunden ausgeliefert werden (siehe Bild).

Quelle: Deere & Co. Webseite

Als Landwirt kann man damit deutliche Produktivitätssteigerungen erzielen, da man das Feld verlassen kann während der Traktor arbeitet. Über Kameras, GPS und Software arbeitet das Gerät von ganz allein und kann vom Landwirt sogar per App auf dem Handy verfolgt werden. Mit der Ortungstechnologie von John Deere können die autonomen Traktoren Saatgut ausbringen, Nährstoffe verteilen und Pflanzen ernten, ohne das man das Lenkrad berühren muss. 

Welche anderen Gründe gibt es dafür, dass autonome Traktoren in der Landwirtschaft benötigt werden? Zum einen haben viele Landwirte mit Arbeitskräfte-Mangel zu tun. Umso mehr Aufgaben von Technologie übernommen bzw. automatisiert werden können, desto weniger haben Landwirte mit diesem Problem zu kämpfen. Zum anderen sind technologische Innovationen für die Landwirtschaft, wie z.B. elektrische Traktoren, umweltfreundlicher. Langfristig ist es sogar denkbar, dass elektrische Traktoren in einigen Ländern steuerlich begünstigt oder finanziell von Regierungen unterstützt werden.

Des Weiteren spielt Deere einen langfristigen Trend. Die Weltbevölkerung wächst. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung von 8 Mrd. Menschen auf 10 Mrd. Menschen ansteigen. Allerdings werden die Menschen wohlhabender und konsumieren mehr. Deshalb soll der Nahrungsmittelbedarf sogar um 50 % bis 2050 anziehen. Die Produktivität von Landwirtsbetrieben muss dementsprechend zunehmen, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Dafür wird Automatisierung notwendig sein. 

Mit autonomen Traktoren könnte Deere nicht nur einen Absatzschlager landen, sondern hat sogar die Möglichkeit ein Geschäft aufzubauen, welches weniger abhängig von den Investitionszyklen in der Landwirtschaft ist. Zum Beispiel kann Deere Software-Abonnements an Landwirte verkaufen. Dadurch könnten sich die Margen von Deere dauerhaft erhöhen. Im Jahr 2021 hat Deere bereits mit einer Nettogewinnmarge von 13,6 % gearbeitet. Allerdings war dies außergewöhnlich hoch aufgrund der angezogenen Agrarrohstoffpreise, welche Investitionen von Agrarunternehmen anregten. Trotzdem ist in der folgenden Grafik erkennbar, dass die Nettogewinnmarge bereits seit 2016 kontinuierlich steigt (obwohl die Agrarrohstoffpreise von 2016 bis 2020 gefallen sind).

Quelle: Deere & Co. im TraderFox Trading-Desk

AGCO - Der Konkurrent bestätigt mit den Quartalszahlen die hohe Nachfrage


AGCO ist ein Hersteller und Anbieter von landwirtschaftlichen Maschinen & Ersatzteilen (Traktoren, Mähdrescher, Sprühgeräte, Sämaschinen, etc.) und unter anderem für die Marken Challenger, Fendt und Massey Ferguson bekannt. Das Unternehmen ist ein Konkurrent von Deere. Die Quartalszahlen von AGCO lagen über den Erwartungen der Analysten. Spannend war jedoch der folgende Satz in der Pressemitteilung: “Our smart technology product lines are in strong demand and are driving productivity improvements for our customers and growth opportunities for AGCO. 

AGCO berichtet davon, dass die Nachfrage nach “smarten Technologien” hoch sei. Dementsprechend könnte auch die Nachfrage nach dem autonomen Traktor von Deere hoch sein. Eventuell wird Deere am 18. Februar 2022, wenn die Quartalszahlen vorgelegt werden, von zahlreichen Vorbestellungen für den autonomen Traktor berichten. Dies wäre ein äußerst positives Signal.

Am gleichen Tag, an welchem AGCO die Quartalszahlen herausbrachte, kündigte auch Deere an, dass die Übernahme von Kreisel Electric abgeschlossen wurde. Kreisel Electric ist führend in der Entwicklung von tauchgekühlter Batterietechnologie. Das österreichische Unternehmen stellt Elektromodule und -packs mit hoher Dichte und Haltbarkeit für Hochleistungs- und Off-Highway-Anwendungen her und hat eine Ladeinfrastrukturplattform entwickelt. Diese Übernahme verdeutlicht nochmal den Technologie-Fokus von Deere und die Ausrichtung auf Zukunftstrends.

Die Bewertung der Deere-Aktie


Die Analysten erwarten, dass der Umsatz von Deere von 44 Mrd. USD im Jahr 2021 auf 57,3 Mrd. USD im Jahr 2024 anziehen wird. Der Gewinn je Aktie, welcher im Jahr 2021 bei 18,99 USD lag, soll in diesem Jahr auf 22,36 USD steigen und im Jahr 2024 bei 29,35 USD liegen. Dahingehend ist die Aktie derzeit mit einem KUV22 von 2,6 und einem KGV22 von 17,9 bewertet. 

Wenn man einen Blick auf die historische Bandbreite wirft, ist Deere derzeit nach dem KUV historisch hoch bewertet. Das KGV sowie das EV/EBIT liegen jedoch innerhalb der historischen Bandbreite und geben damit keine Signale dafür, dass die Aktie überbewertet ist. Anbei der Chart von Deere & Co. mit der langfristigen Aktien-Performance. Kurs-Rücksetzer waren in den letzten zwei Dekaden Kauf-Chancen.

Beste Grüße,

Hinnerk Lührs

Tipp: In der Trading-Masterclass, welche Teil des Ausbildungsprogramm TraderFox Katapult ist, stelle ich täglich von 18:30 bis 19:00 Uhr Trading- und Investment-Chancen vor. Schau doch mal rein!


Bildherkunft: Unsplash