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Die Realzinsen steigen: Mit diesen US-Aktien sind Anleger für dieses neue Umfeld gerüstet

Artikel, Strategien Jürgen Research 152 Leser

Die US-Realzinsen liegen bei rund 2,5% und damit auf einem Niveau, das an den Aktienmärkten zunehmend relevant wird. Eine Jefferies-Studie zeigt, welche Aktien und Anlagestile in diesem Umfeld historisch besonders robust waren.

Seit Jahren waren Anleger an eine Welt ungewöhnlich niedriger Realzinsen gewöhnt. Zehnjährige inflationsgeschützte US-Staatsanleihen, sogenannte TIPS, rentierten nach der Finanzkrise lange Zeit mit weniger als 1% oder sogar negativ. Das hat sich grundlegend verändert. Die Rendite zehnjähriger TIPS liegt inzwischen bei rund 2,5% und damit auf dem 79. Perzentil ihrer historischen Verteilung.

Entwicklung der standardisierten zehnjährigen inflationsgeschützten Staatsanleihen (TIPS) seit 1997


Entwicklung der standardisierten zehnjährigen inflationsgeschützten Staatsanleihen (TIPS) seit 1997

Quellen: Jefferies, Fed’s DKW updates

Das ist nicht nur eine Zahl für den Anleihemarkt. Steigende Realzinsen verändern die Bedingungen für Unternehmen und Aktien. Je höher die inflationsbereinigte Rendite sicherer Staatsanleihen, desto höher sind auch die Finanzierungskosten für Unternehmen. Gleichzeitig wird es für Anleger attraktiver, Kapital in festverzinsliche Anlagen umzuschichten, wenn dort wieder eine ansehnliche reale Rendite erzielt werden kann.

Besonders interessant ist deshalb die Frage, ob die aktuell hohen Realzinsen nur eine vorübergehende Erscheinung sind oder auf ein länger anhaltendes Umfeld hindeuten.

Warum die Realzinsen weiter hoch bleiben könnten


Jefferies sieht gute Argumente dafür, dass das derzeitige Niveau nicht schnell wieder verschwinden muss. Entscheidend ist dabei weniger das Wirtschaftswachstum als in der ersten Phase des Anstiegs, sondern die sogenannte Laufzeitprämie. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um den zusätzlichen Ertrag, den Anleger für das Risiko verlangen, langfristig Kapital zu verleihen.

Diese Prämie liegt laut Jefferies inzwischen bei rund 1% und spiegelt vor allem die gestiegenen fiskalischen Risiken wider. Hohe Haushaltsdefizite und ein größerer Finanzierungsbedarf des Staates können die langfristigen Anleiherenditen nach oben treiben. Hinzu kommt die Finanzierung der enormen Investitionen rund um künstliche Intelligenz.

Die Dimensionen sind bemerkenswert: Nach Konsensschätzungen soll das weltweite Investitionswachstum der Unternehmen 2026 bei 28% liegen. Gleichzeitig entfielen laut Jefferies in den USA im laufenden Jahr bereits 37% der Anleiheemissionen börsennotierter Unternehmen außerhalb des Finanzsektors auf Unternehmen mit direktem Bezug zur künstlichen Intelligenz. 2025 waren es erst 17%.

Bis Anfang August hatten diese Unternehmen mehr als 400 Mrd. USD an Schulden aufgenommen. Die langfristigen Anleihen der großen Technologieplattformen rentierten zuletzt mit knapp 6,5%. Damit steigen die Finanzierungskosten gerade dort deutlich, wo besonders hohe Investitionen geplant sind.

Die Finanzierungskosten der großen US-Technologiekonzerne steigen


Die Finanzierungskosten der großen US-Technologiekonzerne steigen

Quellen: Jefferies, FactSet, St. Louis Fed

Das bedeutet allerdings nicht, dass unmittelbar eine Bilanzkrise droht. Jefferies hält die Verschuldungskennzahlen der börsennotierten Unternehmen insgesamt noch für vertretbar. Die Schlussfolgerung ist eine andere: In einem Umfeld dauerhaft höherer Finanzierungskosten gewinnt die Qualität der Bilanz wieder an Bedeutung.

Hohe Realzinsen sind kein automatisches Verkaufssignal


Für Aktienanleger ist dabei eine wichtige Einschränkung angebracht. Hohe Realzinsen führen nicht zwangsläufig zu fallenden Aktienkursen.

Der langfristige Blick liefert ein gemischtes Bild. In den 1930er-, 1960er- und 2000er-Jahren gingen hohe Realzinsen mit schwachen Aktienrenditen einher. In den 1920er-, 1980er- und 1990er-Jahren konnten Aktien dagegen trotz hoher Realzinsen sehr gut abschneiden.

Die jüngere Historie liefert allerdings einen klareren Hinweis. Seit 1997, also seit genügend Daten zu TIPS vorliegen, waren die weltweiten Aktienrenditen im Durchschnitt schwächer, sobald die zehnjährige TIPS-Rendite über das 70. Perzentil beziehungsweise rund 2% stieg. Gleichzeitig verschob sich die Marktgunst: Substanzwerte und Aktien mit hoher laufender Rendite waren gegenüber Wachstumswerten im Vorteil.

Für den US-Markt ist das Bild sogar relativ konstruktiv. Wenn die TIPS-Rendite über 2% lag, erzielte der S&P 500 laut Jefferies im Durchschnitt eine monatliche Rendite von 0,2%. Mittelgroße US-Unternehmen entwickelten sich besser als der Nasdaq.

US-Indizes – Durchschnittliche Wertentwicklung, wenn die Rendite der zehnjährigen inflationsgeschützten Staatsanleihen (TIPS) zu den höchsten 30 Prozent gehört


US-Indizes – Durchschnittliche Wertentwicklung, wenn die Rendite der zehnjährigen inflationsgeschützten Staatsanleihen (TIPS) zu den höchsten 30 Prozent gehört

Quelle: Jefferies/FactSet.

Qualität, Ausschüttungen und Bewertung gewinnen an Gewicht


Was bedeutet das konkret für die Aktienauswahl? Historisch waren bei hohen Realzinsen vor allem Rendite, Qualität und Kursdynamik gefragt. Wachstum und positive Gewinnrevisionen schnitten dagegen schwächer ab.

Bei den einzelnen Kennzahlen fielen insbesondere die freie Cashflow-Rendite, eine niedrige Schwankungsanfälligkeit und ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis positiv auf. Auch die Dividendenrendite gehörte zu den stärkeren Faktoren.

S&P 500-Anlagefaktoren – Durchschnittliche Performance, wenn die inflationsgeschützten zehnjährigen US-Anleihen im oberen Drittel (70. bis 100. Perzentil) der historischen Realzinsen liegen


S&P 500-Anlagefaktoren – Durchschnittliche Performance, wenn die inflationsgeschützten zehnjährigen US-Anleihen im oberen Drittel (70. bis 100. Perzentil) der historischen Realzinsen liegen

 Quellen: Jefferies, FactSet

Das ist durchaus nachvollziehbar. Unternehmen mit hohen freien Mittelzuflüssen können ihre Aktionäre aus dem laufenden Geschäft heraus mit Dividenden und Aktienrückkäufen bedienen. Gleichzeitig sind Unternehmen mit solider Bilanz weniger abhängig von einer günstigen Refinanzierung.

Für Anleger entsteht damit ein interessantes Anforderungsprofil: Gesucht sind nicht einfach die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite. Entscheidend ist die Kombination aus Qualität, freien Mittelzuflüssen, Ausschüttungen, vernünftiger Bewertung und stabilen Gewinnaussichten.

Diese US-Aktien passierten die Auswahlfilter von Jefferies


Genau an diesem Punkt setzt die Aktienauswahl der Studie an. Jefferies filtert US-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als zehn Mrd. USD und einer überdurchschnittlichen Qualitätsbewertung. Hinzu kommen eine Gesamtrendite aus Dividende und Aktienrückkäufen von mehr als 5%, eine freie Cashflow-Rendite von mehr als 5% sowie eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von mehr als 10% für 2026 und 2027.

Zudem darf das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für die kommenden zwölf Monate höchstens 20 betragen. Unternehmen mit rückläufigen Gewinnschätzungen werden ebenfalls ausgesiebt: Die Gewinnschätzung für 2026 muss in den vergangenen drei Monaten stabil geblieben oder gestiegen sein.

Das Ergebnis ist eine bemerkenswert breit gefächerte Liste. Unter den größten Unternehmen finden sich JPMorgan Chase, Bank of America und Wells Fargo. Hinzu kommen Verizon, PepsiCo, Charles Schwab, Qualcomm, Pfizer und ConocoPhillips. Auch McKesson, Comcast, HCA Healthcare, UPS, Valero Energy, American Tower, Travelers, EOG Resources und Becton Dickinson gehören dazu.

Die Liste reicht anschließend bis zu Unternehmen wie Best Buy, PulteGroup, Darden Restaurants, Fortive, Zebra Technologies, CF Industries, CDW, Carlisle, Masco und Ryder System.

Dabei sollte die Auswahl nicht mit einer Kaufempfehlung für jede einzelne Aktie verwechselt werden. Jefferies weist ausdrücklich darauf hin, dass die quantitative Einschätzung einzelner Aktien von den fundamentalen Empfehlungen der Analysten abweichen kann.

Die Jefferies US-Aktienfavoriten mit Qualität, hoher Ausschüttungsrendite und niedrigen erwarteten KGVs


Die Jefferies US-Aktienfavoriten mit Qualität, hoher Ausschüttungsrendite und niedrigen erwarteten KGVs

Quellen: Jefferies, FactSet.

Was Anleger aus der Liste ableiten können


Interessant ist deshalb weniger, welche Aktie auf der Liste ganz oben steht. Vielmehr zeigt die Auswahl, welche Eigenschaften in einem Umfeld höherer Realzinsen an Bedeutung gewinnen.

JPMorgan Chase beispielsweise verbindet eine hohe Qualitätseinstufung mit einer Marktkapitalisierung von knapp 958 Mrd. USD und einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,3. Bank of America kommt auf 12,4, Wells Fargo auf 11,3. Bei Verizon liegt das erwartete KGV bei 9,1 bei gleichzeitig 6,1% Dividendenrendite.

Auch bei Qualcomm, Pfizer und ConocoPhillips zeigt sich der Ansatz: Die Unternehmen verfügen über hohe freie Mittelzuflüsse und eine Gesamtrendite aus Dividenden und Aktienrückkäufen von mehr als 5%.

Auffällig ist zudem, dass die Liste keineswegs nur aus klassischen defensiven Dividendenwerten besteht. Mit Qualcomm ist beispielsweise auch ein Halbleiterunternehmen vertreten, mit Accenture ein Softwarekonzern und mit McKesson ein Gesundheitsunternehmen. Das zeigt, dass es Jefferies nicht um eine möglichst defensive Branchenauswahl geht, sondern um die Kombination aus Qualität, Rendite, Cashflow und Bewertung.

Für Anleger liegt darin der eigentliche Mehrwert der Studie. Steigende Realzinsen müssen nicht bedeuten, dass Aktien generell unattraktiv werden. Sie verändern vielmehr die Kriterien, nach denen sich attraktive Aktien voneinander unterscheiden.

Solange die Realzinsen hoch bleiben, sprechen die historischen Daten dafür, stärker auf Unternehmen zu achten, die Gewinne und freie Mittelzuflüsse in ausreichendem Umfang erwirtschaften, ihre Aktionäre daran beteiligen und zugleich nicht mit einer überzogenen Bewertung belastet sind.

Die Jefferies-Liste liefert dafür einen konkreten Ausgangspunkt – und damit deutlich mehr als lediglich eine Wette auf die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank.

 


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