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Diesen 4 Aktien profiteren vom wachsenden Interesse der Bevölkerung an der Börse!

Artikel, Kommentare Marco Wagner 1.085 Leser

Liebe Leserinnen und Leser,

2020 war trotz der Schwierigkeiten, die mit der Corona Pandemie und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Probleme, ein starkes Jahr für die internationalen Aktienmärkte. Die meisten Indizes sind auf Rekordwerte gestiegen. Selbst der lange schwächelnde Nikkei225 hat nach 25 Jahren wieder eine neue Bestmarke gesetzt. Niedrige Zinsen, und insbesondere in Deutschland Sorgen um die gesetzliche Rente, treiben die Menschen in Massen an die Finanzmärkte. Allein in Deutschland sind vergangenes Jahr ca. 4 Millionen neue Anleger in den Aktienmarkt eingetreten. Am deutlichsten war der Anstieg bei den unter 24-Jährigen, bei ihnen betrug das Plus 69%. Neobroker wie RobinHood haben den Zugang zum Finanzmarkt revolutioniert. Das Gamestop-Drama hat gezeigt, welche Marktmacht Kleinanleger haben können. Der Druck der neuen Generation auf die Finanzwelt bringt Veränderung mit sich. Junge Menschen wollen insbesondere in eine grüne Zukunft investieren. Der Markt für ESG-Anlagen wächst stetig und Studien haben gezeigt, dass sich in den letzten Jahren ESG-Investments besser entwickelt haben als herkömmliche Investments. Die Millenials und ihre Wünsche werden zu einem extrem profitablen Geschäft für die Finanzwelt. Heute wollen wir einen genaueren Blick auf die Unternehmen werfen, die von dieser Entwicklung massiv profitieren dürften. 

Der Platzhirsch im Asset Management


Der Branchenprimus BlackRock dürfte einer der stärksten Profiteure dieser Entwicklung sein. Der größte Vermögensverwalter der Welt konnte im letzten Quartal seine Assets under Management im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17% auf eine Rekordsumme von 8,7 Billionen US-Dollar steigern. Rund 60% der verwalteten Gelder sind in ETF’s angelegt, dem Finanzprodukt, das sich wegen seiner Einfachheit immer größerer Beliebtheit bei Anlegern erfreut. Knapp 50% der Umsätze des Konzerns entfallen auf das Geschäft mit den Indexfonds. In diesem Markt ist BlackRock mit 39% Anteil die klare Nummer 1. Die Stärke des Konzerns zeigt sich auch bei den operativen Margen, die in 2020 bei rund 40% lagen. Obwohl die Indexfonds auf die großen Indizes über die Jahre immer billiger geworden sind, oder teils sogar kostenlos, konnte BlackRock die Margen konstant auf einem hohen Niveau halten. Das gelingt dem Vermögensverwalter besonders durch seine hohen Skaleneffekte. Einen ETF zu betreiben ist deutlich kostengünstiger als ein aktiv gemanagter Fonds und so können auch geringere Gebühren und Umsätze hohe Gewinne erwirtschaften. Ein zweiter zentraler Aspekt, der für BlackRocks Stärke spricht, sind die sogenannten Nischen ETF’s. Fonds auf spezielle Regionen, Sektoren oder Anlagetrends wie z.B. Clean Energy oder Robotik und KI rechfertigen höhere Kosten als ein Fonds auf den S&P500. Deswegen legt BlackRock laufend neue ETF’s auf, die dann mit Kostenquoten von ca. 0,5% deutlich lukrativer sind als herkömmliche Fonds auf große Indizes. Der Finanzdienstleister erweitert stetig seine Produktpalette. Mittlerweile hat der Konzern Fonds auf verschiedenste Asset Klassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Ein kleiner, aber nicht zu vernachlässigender Teil des Geschäfts von BlackRock, entfällt auf das Advisory. Dieses stützt sich auf der Software, die den Konzern so stark gemacht hat, der Aladdin Software. Der Supercomputer dient der Auswertung von Datensätzen, um damit adäquates Risikomanagement betreiben zu können. Rund 10% des weltweiten Vermögens werden mit Aladdin überwacht. Der prominenteste Kunde der Advisory Sparte ist die amerikanische Regierung. Bereits in der Finanzkrise wurde der Vermögensverwalter beauftragt, die Hypothekenanleihen auseinanderzunehmen und faule Kredite zu identifizieren. Die Software verschafft BlackRock eine starke Marktposition und sorgt über die Vermietung an institutionelle Anleger für wiederkehrende Umsätze. Im Jahr 2020 konnte der Konzern den Umsatz um 11,5% steigern. Seit 2010 kauft das Unternehmen zusätzlich zur Dividende eigene Aktien zurück, um den Shareholder Value zu erhöhen. Insgesamt liegt die Ausschüttungsquote unter 50%, was BlackRock weiterhin viel Spielraum für Investitionen lässt. In einer Welt ohne Zinsen wird die Geldanlage an den Finanzmärkten eine immer größere Rolle spielen und von dieser Entwicklung dürfte BlackRock mit am stärksten profitieren. Die Aktie erhält sowohl im Qualitäts-, als auch beim Dividendencheck von TraderFox 15 Punkte. Lediglich beim Wachstumscheck muss sich die Aktie mit ,,nur” 14 Punkten zufriedengeben. 

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Ratingagenturen im Boom


MSCI gehört mit S&P Global und Moodys zu den großen Ratingagenturen in den USA und bringt mit 37,5 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung einiges auf die Waage. Die Performance der Aktie spricht für sich. Die durchschnittliche Wertsteigerung der letzten Dekade beläuft sich auf satte 30% pro Jahr. Das Unternehmen hat seine Produktpalette in den letzten 20 Jahren stetig erweitert. Anfangs hat das Unternehmen nur im Bereich Equity Indizes operiert. Mit der Zeit wurde die Expertise aber auch in den Bereichen Hedge Funds Risk, Private Equity oder Real Estate ausgebaut. Heute ist der Finanzdienstleister vier großen Bereichen aktiv: Indexing, Real Estate, Analytics und ESG & Climate. Die Analyseprogramme des Unternehmens kommen bei den Kunden gut an und sorgen für langfristige Bindungen. Dies lässt sich an zwei Tatsachen erkennen. Während 2015 nur 55% der Kunden alle Programme und Dienstleistungen des Konzerns in Anspruch genommen haben, sind es heute bereits 60%. Zweitens zeigt sich, dass der Konzern an langjährigen Kunden mehr verdient als an jenen, die noch nicht so lange an Bord sind. Im Schnitt zahlen Kunden, die seit 8 Jahren die Produkte nutzen, ca. 50% mehr als Kunden, die erst seit 2 Jahren vom breiten Angebot des Konzerns Gebrauch machen.

Quelle: MSCI Investors Presentation

Diese starken Kundenbeziehungen will MSCI weiter ausbauen und nun auch in weitere Märkte exportieren. Der größte Teil des Geschäfts entfällt auf die USA, jedoch verzeichnet das Unternehmen in China und Europa das stärkste Wachstum. Dort will MSCI auch zukünftig mit zweistelligen Wachstumsraten überzeugen. Besonders im ESG-Markt ist das Unternehmen extrem gut positioniert. Unternehmen bezahlen MSCI beispielsweise dafür, Analysen über den ökologischen Fußabdruck erarbeiten. Dies wird für die Konzerne immer bedeutsamer werden, da diese sich vor ihren Investoren präsentieren müssen, und das zukünftig besonders grün. Aber auch Versicherungen und Wealth Manager kommen auf die ESG Angebote zu, da auch diese in Zukunft darauf verstärkt achten müssen, dass Investments umweltfreundlicher werden. MSCI will in den kommenden Jahren weiter auf Expansionskurs bleiben. Dies soll neben der Stärkung der eigenen Marke auch durch gezielte Übernahmen und Beteiligungen erreicht werden. Im vergangenen Jahr hat MSCI eine 40% Beteiligung an dem Analysespezialist Burgiss erworben, um damit den Bereich für Private Asset Investoren zu stärken. Mit den Übernahmen baut der Konzern sich ein breites Netzwerk auf, um die Angebotsvielfalt zu erweitern und somit die Skaleneffekte weiter zu erhöhen.

Quelle: MSCI Investors Presentation

Diese Übernahmen und Beteiligungen kann MSCI auch ohne Probleme stemmen. Der Free Cashflow wächst jährlich mit knapp 17%. Außerdem schafft es das Unternehmen, Kapital effizient zu allokieren, was man an dem Return on Invested Capital von 26% sieht. Der Konzern erreicht durch diese Effizienz operative Margen von knapp 50%. Obwohl die Umsätze aktuell jährlich nur mit knapp 10% wachsen, hat es das Unternehmen in den letzten 5 Jahren geschafft, die Gewinne jährlich um 28,5% zu steigern. Das Unternehmen hat die Dividende in der Vergangenheit jährlich um fast 30% erhöht und kauft zusätzlich regelmäßig eigene Aktien zurück, was besonders durch die Politik des Ex-Präsidenten Donald Trump begünstigt wurde. 

Daten/Graphs verfügbar mit Morningstar Datenpaket

Auch wenn die Aktie mit einem KGV von 60 nicht unbedingt billig bewertet ist, dürfte MSCI ein Top Pick aus der Finanzbranche mit prächtigen Zukunftsaussichten sein.

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Aktienhandel im Herzen Europas


Die Deutsche Börse AG ist einer der führenden europäischen Börsenbetreiber. Jedoch operiert das Unternehmen auch im sogenannten Pre-Trading und Post-Trading. Lediglich 52% der Umsätze des Konzerns sind transaktionsgebunden, 48% hingegen sind wiederkehrende Umsätze aus verschiedenen Bereichen. Das Tochterunternehmen Qontigo ist für die Indexzusammenstellung und Analytics verantwortlich. Der Dax und die Indexgruppe Stoxx sind Produkte des Unternehmens. Zusätzlich wird eine Software für das Portfoliomanagement angeboten. Über verschiedene Tochterunternehmen ist die Deutsche Börse am Handel von allen Asset Klassen vertreten, 50% des Umsatzes entfallen jedoch auf das Equity Geschäft und weitere 25% auf den Bereich Fixed Income. Im Trading stellt die Eurex, die führende Börse für Derivate, das umsatzstärkste Segment dar. Hier konnten im vergangenen Jahr rund 1,1 Milliarden Euro umgesetzt werden. Mit der Frankfurter Leitbörse Xetra betreibt der Konzern einen der stärksten Kassamärkte weltweit. In diesem Bereich konnte der europäische Marktanteil beim Handel mit Dax-Titeln auf 74% ausgeweitet werden. Die Nettoerlöse sind auf das Gesamtjahr gesehen um 19% gewachsen, das EBITDA für dieses Segment sogar um 39%.  Im Post-Trading operiert das Unternehmen über Clearstream und IFS. Hierbei geht es vor allem um die Verwahrung und Abwicklung von Wertpapieren und Transaktionen. IFS stellt eine Plattform für Funds zur Verfügung. Die Nettoerlöse sind hier um 27% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Lediglich bei Clearstream gab es einen leichten Umsatzrückgang zu verzeichnen, da hier auch Wertpapierleihe betrieben wird und das Zinsgeschäft aufgrund der Nullzinspolitik wenig Erträge bringt. Das Unternehmen konnte die strukturellen Kosten in den vergangenen Jahren um knapp 100 Millionen Euro senken, was dem Börsenbetreiber den finanziellen Spielraum gibt, Unternehmen zu akquirieren. Diese Möglichkeit nutzt der Konzern, wenn die erwartete Rendite über den Kapitalkosten von knapp 6% liegt. So wurde beispielsweise Axioma, ein Spezialist für Portfolio- und Risikomanagement aufgekauft, der nun unter dem neuen Namen Qontigo, zum führenden Anbieter von Investmentinformationen werden soll. Bieten sich keine attraktiven Übernahmeziele, kauft das Unternehmen vermehrt eigene Aktien zurück. Die Deutsche Börse konnte den Gewinn pro Aktie in den vergangenen Jahren durchschnittlich um rund 10% pro Jahr steigern und liefert eine Eigenkapitalrendite von 18,14%.

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Broker auf Expansionskurs


Interactive Broker ist mit 31 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung eines der größten Brokerhäuser der Welt und ist regional bestens diversifiziert. Der Konzern ist in 23 Ländern aktiv und ermöglicht den Handel von fast allen Finanzprodukten, von Aktien bis Forex. Von den 1,7 Millionen Kunden Accounts befinden sich 35% in Nordamerika, 38% in Asien und 27% in Europa. Mit rund 50% der Kommissionsumsätze stellt Nordamerika allerdings den wichtigsten Markt dar. Insgesamt verwahrt der Broker rund 288 Milliarden Dollar an Kundengeldern. Der Kundenstamm ist breit gefächert, sowohl Individuen als auch Hedge Funds, Advisors und Prop Trading Firmen haben Konten bei dem Brokerhaus. Die Kleinanleger machen allerdings mit 28% des verwahrten Geldes den größten Teil aus. Diese sorgen auch bei den Kommissionserträgen mit 55% für den höchsten Umsatzanteil. Dies liegt vor allem daran, dass Interactive Brokers sich mit gebührenfreiem bzw. extrem günstigen Handeln durchgesetzt hat. Das Unternehmen konnte in 2020 von diversen Magazinen zum Broker Nummer 1 gekürt werden, sowohl für Low Cost Investing aber auch beispielsweise für den Top Hedge Funds Custodian.

Quelle: Interactive Brokers Annual Report 2020

Der Konzern hat bereits früh die Chancen im elektronischen Handel entdeckt und konnte so zu einem der Vorreiter für die neue Welt des Tradings werden. Interactive Broker ist auf Expansionskurs und hat in den letzten Jahren neue Büros rund um den Globus eröffnet, beispielsweise in Ungarn, Irland und Singapur. Es wird unter anderem auch mit den großen Bankhäusern der USA zusammengearbeitet, deren Kunden die Handelsplattform von Interactive Brokers nutzen können. So ist das Unternehmen auch in die Kreditvergabe und ins Kreditkartengeschäft eingestiegen. Das Unternehmen bietet zudem auch Wertpapierkredite an, im Schnitt 3% günstiger als die Konkurrenz. Außerdem können Kunden über Interactive Brokers auch ihre eigenen Wertpapiere zum Verleih bereitstellen und dafür Zinsen kassieren. 2020 hat sich weltweit das Handelsvolumen für Aktien und Optionen verdoppelt, was durch die hohe Volatilität aber auch durch die neuen Anleger an den Kapitalmärkten zu erklären ist. Für Broker bieten sich dadurch auch zukünftig große Chancen. Das zeigt sich auch im ersten Quartal 2020. Der Gewinn pro Aktie konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt werden, von 0,6 Dollar auf einen verwässerten Gewinn von 1,16 Dollar. Sowohl bei den Neuregistrierungen als auch bei den verwalteten Kundengeldern verzeichnet das Unternehmen Wachstumsraten von über 20%. Dieses Wachstum ist allerdings kein Einmaleffekt dank des Coronabooms. Über die letzten 5 Jahre konnte der Broker seine Umsätze jährlich um 15% steigern, die Gewinne sogar um knapp 20%. Das Unternehmen hat eine starke Bilanz, besonders was die Liquidität angeht. 99% der Assets sind liquide Vermögenswerte. Mit einem KGV von 30 ist die Aktie angesichts der Wachstumsaussichten nicht besonders teuer bewertet. 

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Fazit


Die Finanzindustrie ist der Anker der Wirtschaft, ohne sie geht nichts. Asset Manager wie BlackRock sind allerdings abhängig von der Entwicklung der Börsen. Steigen die Börsen, steigt das verwaltete Vermögen und somit auch die daran gekoppelten Umsätze und Gewinne. Die Deutsche Börse oder Interactive Brokers sind davon relativ unabhängig. Sie verdienen am Aufschwung genauso wie bei Korrekturen und Börsen Crashs. Insgesamt sollten Anleger die Industrie im Blick haben, da sich hier immer wieder spannende Investmentchancen ergeben. 

Viele Grüße,

Marco Wagner