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Dieses Trio ist neu in der Goldman Sachs-Liste mit den attraktivsten Aktien in Europa

Strategien Jürgen Research 143 Leser

Wie jeden Monat hat Goldman Sachs auch im September die europäische Aktien-Favoritenliste aktualisiert. Wir nennen die Namen dieses Trios inklusive der Anlageargumente.

Europäische Aktien haben sich im Jahr 2026 bisher gut entwickelt, gestützt durch starke Unternehmensgewinne und ein robustes Wirtschaftswachstum. Goldman Sachs hat passend dazu kürzlich die eigene Prognose für das Wachstum des Gewinns je Aktie des STOXX Europe Index für 2026 auf 15% angehoben, angetrieben durch eine starke Gewinndynamik in den meisten Branchen.

Die US-Investmentbank geht davon aus, dass sich das Wachstum des Gewinns je Aktie im Jahr 2027 auf den Bereich im mittleren einstelligen Prozentbereich normalisieren wird, da der Rückenwind durch höhere Energiepreise nachlässt und höhere Kosten die Margen belasten. Die Risiken für die Gewinnentwicklung bleiben jedoch auf der Oberseite angesichts der Stärke von Sektoren, die von strukturellen Rückenwinden profitieren, darunter Technologie, Industrie, Versorger und Finanzen.

Europa bietet aus Sicht von Goldman Sachs weiterhin sowohl Bewertungsvorteile als auch Diversifikation. Europäische Aktien werden mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,6 gehandelt, was dem historischen Durchschnitt entspricht. Der STOXX 600 bietet im Vergleich zum S&P 500 zudem eine gesündere Mittelgenerierung, mit einer Rendite des freien Cashflows von 5,3% im Vergleich zu 3,6% und unter 2% für US-Hyperscaler. Darüber hinaus profitiert Europa laut Goldman Sachs von einer geringeren Marktkonzentration und niedrigen Aktienkorrelationen, was attraktive Diversifikationseffekte schafft.

Bewertungskennziffern im Regionen-Vergleich

Anleger konzentrieren sich den weiteren Angaben der Investmentbank zufolge nach wie vor auf drei Hauptrisiken - Höhere Anleiherenditen, Risiken bei der Energieversorgung sowie politische und fiskalische Unsicherheit.

Goldman Sachs bevorzugt vor diesem Hintergrund eine ausgewogene Mischung aus zyklischen und defensiven Werten. Die bevorzugten Engagements bleiben Technologie, Banken, Verteidigung, Telekommunikation und erneuerbare Energien, neben dem HALO-Handel. Untergewichtet sind die Bereiche Automobil, Chemie, Reisen und Freizeit sowie Gesundheitswesen, wo das Wachstum voraussichtlich verhalten bleiben wird.

Auf Einzelaktienebene schafft eine Marktverbreiterung zusammen mit einer geringen gegenseitigen Abhängigkeit der Aktienkurse ein gutes Umfeld, um mit Hilfe einer gezielten Einzelaktienselektion eine Mehrrendite über dem Gesamtmarkt zu erzielen.

Auf Einzelaktienwetten setzt Goldman Sachs unter andrem bei der so genannten „European Conviction List – Directors’ Cut“. Diese Auswahlliste umfasst eine Auswahl fundamental mit „Kaufen“ eingestufter europäischer Aktien. Enthalten sind darin in der Regel 15 bis 30 Titel, wobei die Zusammensetzung monatlich aktiviert wird.

In der September-Ausgabe hat Goldman Sachs mit Enel, Wise Group, Hannover Rück und Zalando vier Titel gestrichen. Neu aufgestiegen in die Auswahlliste ist dagegen das Trio RWE, Adyen and Talanx. Was hinter diesen drei neuen Favoriten steckt und warum Goldman Sachs auf sie setzt, darüber berichten wir nachfolgend im Detail, indem wir aus der Studie vom 01.09. zitieren.

Favorit Nr. 1: RWE - Wandel hin zu einem vertikal integrierten Energiekonzern unterstützt Neubewertung und Gewinnwachstum


Beim deutschen Versorger RWE (ISIN: DE0007037129 – Kurs am 06.09.: 58,40 Euro – Kursziel: 75,00 Euro – Kurspotenzial: 28,42%) sieht der zuständige Analyst Alberto Gandolfi eine Reihe von Stellhebeln, die den Gewinn je Aktie über das bisherige Ziel für 2031 von 4,55 Euro (3,55 Mrd. Euro Nettogewinn) treiben könnten.

Dazu gehören: Rückenwind durch Renditen bei erneuerbaren Energien in den USA, angetrieben durch ein starkes Wachstum des Stromverbrauchs und geringeren Wettbewerb, die Einführung von Kapazitätszahlungen in Mitteleuropa, die bis 2032/2033 zusätzliches Vorsteuerergebnis von etwa 300 bis 400 Mio. Euro bringen könnten, zusätzliche Gewinne aus US-Flüssigerdgas und flexibler US-Erzeugung sowie Aufwärtspotenzial bei der Eigenkapitalrendite von Amprion, da Alberto davon ausgeht, dass das Management bei seinen Schätzungen im Vergleich zu den Zielen der Wettbewerber konservativ agiert.

Zwar rechnet Alberto damit, dass Anhebungen der Prognosen eher schrittweise erfolgen, doch dürften Ereignisse in den nächsten 18 bis 24 Monaten für spürbaren Rückenwind sorgen. Alles in allem liegt seine Prognose für den Gewinn je Aktie im Jahr 2031 mit 5,79 Euro rund 25 % über der Unternehmensprognose und dem Visible-Alpha-Konsens von 4,72 Euro.

Der Übergang vom reinen Stromerzeuger zum vertikal integrierten Energieriesen stützt eine Höherbewertung, so die These. Die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an Amprion und der steigende Beitrag von E.ON erhöhen den Anteil der Stromnetze am Konzerngewinn bis 2029 auf ein Drittel (gegenüber 23 % im Jahr 2025). Ein größerer Anteil an regulierten, inländischen Aktivitäten sollte die Kapitalkosten senken und eine Ausweitung des Bewertungsfaktors unterstützen.

Alberto weist darauf hin, dass RWE mit dem rund 9,5-Fachen des für 2027 geschätzten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen gehandelt wird – ähnlich wie andere Erzeuger erneuerbarer Energien, obwohl RWE stärkere Wachstumsaussichten aufweist. Zum Vergleich: Regulierte Branchenkollegen werden mit dem 11,5-Fachen bewertet.

Zusätzliche Kursimpulse dürften den Fokus auf das optimistische Szenario lenken. Mögliche weitere Käufe von Amprion-Anteilen (im Einklang mit Aussagen des Managements), die bevorstehenden Auktionen für Gaskraftwerke in Deutschland und mögliche Ankündigungen zu Rechenzentren bieten zusammen mit einer voraussichtlich robusten Preisentwicklung bei Strom in den Winter hinein Stabilität und sollten die kurzfristigen Schätzungen stützen.

Potenzielle Kurskatalysatoren, Bewertung und zentrale Debatten: Mögliche Zukäufe bei Amprion (gemäß Managementsagen), die Gaskraftwerksauktion im September in Deutschland und mögliche Ankündigungen zu Rechenzentren bieten zusammen mit Rückenwinden bei den Strompreisen bis zum Jahresende zahlreiche Impulse. Zudem geht er davon aus, dass der Markt seine Schätzungen noch vor dem Kapitalmarkttag im März 2027 nach oben anpassen könnte.

RWE wird im Vergleich zu Branchenkollegen mit einem Abschlag im mittleren zweistelligen Prozentbereich auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses gehandelt. Beim Verhältnis aus Unternehmenswert zu operativem Ergebnis liegt der Abschlag zu den Wettbewerbern im Zeitraum von 2027 bis 2031 bei 5 bis 15 Prozentpunkten. Albertos Zwölfmonats-Kursziel von 75 Euro stützt sich zu zwei Dritteln auf eine Sum-of-the-Parts-Bewertung (Summenwert-Methode) für 2027 von 80,90 Euro je Aktie und zu einem Drittel auf den Wert bestehender Anlagen von 63,10 Euro je Aktie.

Rechenzentrumsprojekte in Europa und den USA könnten dem Unternehmen neue Wachstumswege eröffnen. Das Management erwartet in Europa zwei Abschlüsse „innerhalb von Monaten“, die nach seiner Schätzung einen Wertzuwachs von etwa 1 Euro je Aktie bringen könnten. RWE beschleunigt zudem den Ausbau von Megawattkapazitäten in den USA, um möglicherweise an einem großen Rechenzentrumscampus-Projekt teilzuhaben.

Niedrigere Kapitalkosten würden sich letztlich als positiv erweisen. Ein größerer Anteil regulierter und inländischer Aktivitäten sollte die Kapitalkosten senken und eine Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren unterstützen. Die Aktie hat in diesem Jahr bereits eine gute Performance hingelegt und Alberto sieht am Horizont noch viele weitere Optionen.

Stromnetze machen bis 2028 ein Drittel des Gewinns aus – Anteil der Stromnetze am gesamten operativen Ergebnis von 2025 bis 2031 in %

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Favorit Nr. 2: Adyen - Vielfältige Hebel für das Umsatzwachstum kombiniert mit einem starken Burggraben


Die Strategie, den Umsatzanteil bei bestehenden Kunden zu erhöhen, treibt bei Adyen (ISIN: NL0012969182 – Kurs am 06.09.: 1.026,60 Euro – Kursziel: 1.850,00 Euro – Kurspotenzial: 80,21%) ein breites Wachstum voran, das durch die Gewinnung neuer Kunden und Produkteinführungen gestützt wird. Der zuständige Analyst Mohammed Moawalla ist zuversichtlich, was Adyens Strategie der Kundenbindung und -erweiterung angeht, die auf steigende Umsätze bei bestehenden Kunden in den Bereichen Digital, Unified Commerce und Plattformen ausgerichtet ist.

Dies führt dazu, dass seine Umsatzschätzungen für das Finanztechnologie-Unternehmen über dem Konsens liegen (22,2% im Jahresvergleich ohne Währungseffekte für das Geschäftsjahr 2026 gegenüber dem Konsens von 21,9%), und er sieht Aufwärtspotenzial für die mittelfristige Prognose von rund 21% jährlicher Wachstumsrate auf währungsbereinigter Basis im Vergleich zu rund 20% beim Konsens.

Partnerschaften wie die mit Toast in den USA, die an Fahrt gewinnen dürften, sowie die Expansion von Shopify in mehreren europäischen Ländern könnten seinen Schätzungen weiteres Aufwärtspotenzial verleihen. Es gibt nach wie vor beträchtliche Chancen, so das Urteil, da Adyens Kundenbasis reift und der Marktanteil typischerweise von unter 20% in den Jahren drei bis sieben auf über 40% nach dem zwölften Jahr steigt; im ersten Halbjahr 2026 war ein Drittel des Wachstums auf die Hochlaufphase der Kundengruppe aus dem Jahr 2025 und im Jahr 2026 gesicherte Neukunden zurückzuführen.

Darüber hinaus sieht Moawalla Dynamik durch das Hochlaufen früherer Kundengruppen (die größte im Jahr 2025 unterzeichnete Gruppe skaliert im Jahr 2026), Neukunden (die Gruppe aus 2026 zeigt ähnliche Performancewerte wie in den Vorjahren und wickelt nun Abonnements für OpenAI ab), neue Produkteinführungen, den Querverkauf von Funktionen aus jüngsten Übernahmen sowie Embedded Finance – all dies untermauert durch Adyens überlegenes Technologieangebot.

Eine starke Wettbewerbsposition, gestützt durch einen einheitlichen, vollständig integrierten Technologie-Stack. Adyen hat seinen Wertbeitrag weiterhin unter Beweis gestellt, was durch Partnerschaften mit wichtigen Anbietern von Infrastruktur für agentenbasierte Künstliche Intelligenz wie OpenAI, Google und Microsoft weiter gestärkt wurde und seine Position im Bereich des agentenbasierten Handels verbessert.

Jüngste Übernahmen, darunter Talon.One (das Funktionen für integrierte Treueprogramme hinzufügt) und Orb (das Abrechnungsfunktionen bereitstellt und Möglichkeiten für verbrauchsabhängige Abrechnungen erschließt, die insbesondere für die tokenbasierte Nutzung erforderlich sind), untermauern diese Differenzierung durch ein einheitliches Omnichannel-Angebot zusätzlich.

Ein erheblicher operativer Hebel sollte ein stärkeres Gewinnwachstum antreiben. Moawalla erwartet eine höhere Gewinnwirksamkeit bei steigenden Umsätzen nach einer Phase von Investitionen sowie ein nachlassendes Personalwachstum und eine bessere Kontrolle der operativen Kosten, was die Margen stützt. Er prognostiziert einen Anstieg von rund 52% im Geschäftsjahr 2026 auf 59% bis 2030 und liegt beim operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in den Jahren 2027 bis 2029 um 4% bis 6% über dem Marktkonsens.

Potenzielle Kurskatalysatoren, Bewertung und zentrale Debatten: Der Interim-Finanzvorstand von Adyen präsentiert auf der TMT-Konferenz von Goldman Sachs in San Francisco; weitere Neuigkeiten zu Neukundengewinnungen und der Ausweitung des Kundenbudgets bei bestehenden Kunden, neue Produkteinführungen sowie das Handelsupdate für das dritte Quartal im Oktober 2026.

Adyen wird mit dem einfachen Wert des Verhältnisses von Kurs-Gewinn-Wachstum gehandelt, was deutlich unter dem Fünf- und Dreijahresdurchschnitt von jeweils 1,1 beziehungsweise 1,3 liegt, trotz der jüngsten Kursbewegung nach starken Ergebnissen im zweiten Quartal. Moawallas umgekehrte Discounted-Cashflow-Analyse impliziert, dass der aktuelle Aktienkurs ein Umsatzwachstum von rund 14% über das nächste Jahrzehnt widerspiegelt (unter der Annahme, dass sich die Marge des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei 55% stabilisiert und alles andere gleich bleibt), was er als anspruchslos erachtet.

Er ist zudem der Ansicht, dass Adyen ein attraktives Profil im Rahmen der „Rule of 40“ im Vergleich zu wachstumsstarken und margenstarken Software- und Zahlungsdienstleistern weltweit bietet. Moawalla Zwölfmonats-Kursziel liegt bei 1.850 Euro, basierend auf: 1) einer Gewichtung von 50% seiner DCF-Bewertung von 1.875 Euro je Aktie und 2) einer Gewichtung von 50% seiner Multiplikatorenbewertung von 1.825 Euro je Aktie auf Basis des geschätzten Verhältnisses von Unternehmenswert zu operativem Ergebnis für den Zeitraum vom dritten Quartal 2027 bis zum zweiten Quartal 2028 von rund dem 23-Fachen.

Zu den zentralen Debatten gehören Hebel zur Unterstützung der Nachhaltigkeit eines Wachstums von über 20%: Während vor den Zahlen Fragen im Raum standen, ob Adyen ein Wachstum von über 20% auf absehbare Zeit aufrechterhalten kann, haben die Ergebnisse des zweiten Quartals das Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2026 entlastet, da dies keine Beschleunigung im zweiten Halbjahr impliziert und die implizite Ausstiegsrate im vierten Quartal die Konsenserwartung für das Geschäftsjahr 2027 weiter absichert.

Zudem gibt es am Markt zwar weiterhin eine Debatte über Adyens größte Säule, den Digitalbereich (rund 55% des Umsatzes im Geschäftsjahr 2025) in Bezug auf Preiskonkurrenz und das Risiko einer Austauschbarkeit, doch bleibt Moawalla zuversichtlich, dass Adyen in diesem Bereich ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Bereich erzielen kann, angetrieben durch Marktanteilsgewinne bei Bestandskunden, das Hochlaufen früherer Kundengruppen, Neukunden und neue Produkteinführungen sowie zusätzliches Aufwärtspotenzial durch Hebel wie den agentenbasierten Handel.

Ebenfalls diskutiert wird Adyens Wettbewerbsposition in einer Welt der agentenbasierten Künstlichen Intelligenz: Die Wettbewerbsposition von Adyen wird durch den einheitlichen und vollständig integrierten Technologie-Stack gestützt. Dies zeigt sich auch darin, dass das Unternehmen mit allen großen Anbietern von Infrastruktur für agentenbasierte Künstliche Intelligenz im Bereich des agentenbasierten Handels zusammenarbeitet, und seine dynamische Identifizierung bleibt ein zentrales Unterscheidungsmerkmal, das es gut positioniert, um Chancen bei Anbietern großer Sprachmodelle zu nutzen – ähnlich wie bei der Beziehung zu OpenAI.

Dynamik des operativen Hebels kurz- bis mittelfristig ist auch Gegenstand von kontroversen Überlegungen: Obwohl für das Geschäftsjahr 2026 aufgrund der verwässernden Wirkung von Übernahmen ein leichter Rückgang der Margen erwartet wird, geht Moawalla davon aus, dass der dem Geschäft innewohnende höhere operative Hebel bei jedem Umsatzanstieg zu einer höheren Gewinnwirksamkeit führen wird, wobei seine Schätzungen für das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen für den Zeitraum 2027 bis 2029 um 4% bis 6% über dem Konsens liegen. Er weist darauf hin, dass die jüngsten Ergebnisse aufgrund höherer Rechenkosten einen Anstieg der Investitionsausgaben verzeichneten.

Gesprächsthema ist zudem der zeitliche Ablauf des Wechsels im Finanzvorstand: Adyen hat zwar Hwa Tsao zum interimistischen Finanzvorstand ernannt, aber eine weltweite Suche nach einem externen Nachfolger eingeleitet. Es gibt keinen klaren Zeitplan für die Ernennung eines dauerhaften Finanzvorstands, was für Anleger ein Schwerpunkt sein könnte.

Moawalla erwartet, dass die Margen des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nach einem Rückgang im Geschäftsjahr 2026 aufgrund des operativen Hebels weiter steigen werden.

Absolutes operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (linke Achse) und entsprechende Marge (rechte Achse)

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Favorit Nr. 3 - Talanx: Wachstumsansatz kombiniert mit einzigartigem Ergebnispuffer und starker Bilanz


Das internationale Privatkundengeschäft ist bei Talanx (ISIN: DE000TLX1005 – Kurs am 06.09.: 127,20 Euro – Kursziel: 141,00 Euro – Kurspotenzial: 10,85%) der unterschätzte Wachstums-Booster. Der Bereich Retail International (23% des Gewinns) ist in Märkten mit geringerer Versicherungsdurchdringung und höherem Wirtschaftswachstum wie Polen und Lateinamerika aktiv (jeweils die Nummer 2 im Markt).

Dies untermauert eine strukturelle Wachstumsstory im Vergleich zu Wettbewerbern aus Industrienationen (Bruttoprämienwachstum 2026 bis 2030 von 8% bis 10% jährlich gegenüber rund 3% bis 6% bei Branchenkollegen), wobei der zuständige Analyst Andrew keine Abstriche bei den Underwriting-Standards sieht und die Schaden-Kosten-Quote sowie die Volatilität weitgehend im Rahmen liegen. Andrew sieht zudem weiteres Potenzial für anorganisches Wachstum bei dem deutschen Versicherungskonzern.

Kostenvorteile und Reservenstärke stützen die Nachhaltigkeit der Gewinne in Bereichen mit Preisdruck. Obwohl Andrew ein schwieriges Preisumfeld für die Schaden- und Unfallrückversicherung (49% des Gewinns über die 50,2%-Beteiligung an der Hannover Rück) und das Industrieversicherungsgeschäft (21%) sieht, geht er davon aus, dass Talanx den Nettogewinn weiterhin zuverlässig steigern kann, gestützt durch: 1) Kostenvorteile dank schlanker Konzernstrukturen und 2) 6 Mrd. Euro an Resilienzreserven, von denen das Unternehmen in der Vergangenheit bereits Gebrauch gemacht hat, um Ergebnisschwankungen abzufedern. Andrew prognostiziert für den Zeitraum von 2025 bis 2030 ein Gewinnwachstum von rund 7% jährlich, obwohl die Umsätze im selben Zeitraum nur um 4% wachsen.

Fusionen und Übernahmen sowie Dividendennachschub durch ein einzigartiges Finanzierungsmodell. Talanx hat eine Kapazität für Übernahmen von mindestens 5 Mrd. Euro aufgezeigt, die bei einem Einsatz im Einklang mit historischen Renditen das Nettogewinnziel für 2027 um etwa 15% bis 20% steigern könnte. Die Beziehung zur HDI V.a.G. (einem deutschen Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit mit einer Beteiligung von 77%) bietet zudem einen Weg zur Übernahmefinanzierung, ohne den öffentlichen Kreditmarkt anzapfen zu müssen. Andrew sieht auch Aufwärtspotenzial bei der Dividende (er liegt für 2026 etwa 4% und für 2027 etwa 2% über dem Konsens).

Ein möglicher DAX-Aufstieg könnte die Sichtbarkeit verbessern. Der DAX umfasst die 40 größten börsennotierten Unternehmen, und Talanx belegt derzeit Platz 41 im DAX/MDAX-Ranking. Andrew zeigt beispielhaft, dass eine eigenkapitalfinanzierte Transaktion von über 2 Mrd. Euro dazu führen könnte, dass Talanx die Kriterien für einen DAX-Aufstieg erfüllt.

Eine anspruchslose Bewertung bietet einen attraktiven Einstiegspunkt. Talanx wird mit einem Abschlag beim Kurs-Gewinn-Verhältnis im Vergleich zu seiner historischen Bewertung gegenüber dem Sektor und in absoluten Zahlen gehandelt; ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Schätzungen für 2027 von rund dem 10-Fachen erscheint attraktiv im Vergleich zu einem jährlichen Gewinnwachstum je Aktie von rund 7% für den Zeitraum von 2025 bis 2030.

Potenzielle Kurskatalysatoren, Bewertung und zentrale Debatten: Andrew sieht die Zahlen zum dritten Quartal 2026 am 12. November als weiteren Beleg für die Verlässlichkeit der Gewinnentwicklung und die Stärke der Bilanz. Anschließend wird er die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2026 im Hinblick auf Aufwärtspotenziale bei den Dividenden betrachten. Darüber hinaus bleiben Fusionen und Übernahmen eine Quelle für weiteres Potenzial (mit möglichen Auswirkungen auf eine DAX-Aufnahme), wobei der zeitliche Rahmen weniger sicher ist.

Andrews Zwölfmonats-Kursziel von 141 Euro basiert auf einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,5, was unter dem von der Sektor-Regressionsgeraden abgeleiteten Wert von 2,2 liegt (basierend auf einer Eigenkapitalrendite von rund 17,5%), was primär die geringere Dividendenrendite und einen Minderheitenabschlag widerspiegelt.

Zu den Debatten gehört eine eventuell langsamere Umsatzentwicklung im Schaden- und Unfallgeschäft: Sowohl in der Schaden- und Unfallrückversicherung als auch in der Industrieversicherung zeigen die Preiszyklen Zeichen einer Erweichung. Andrew ist zuversichtlich, dass er dies in seinen Schätzungen berücksichtigt hat; eine beschleunigte Abkühlung dieser Zyklen würde jedoch Abwärtsrisiken für seine Umsatzchätzungen bergen. Obwohl er davon ausgeht, dass Talanx seine Bilanzstärke nutzen wird, um den Margendruck auszugleichen, wäre eine beschleunigte Aufweichung aus Sicht der Schlagzeilen nicht hilfreich.

M&A-Ausblick: Fusionen und Übernahmen bleiben eine Quelle für weiteres Potenzial (mit möglichen Implikationen für eine DAX-Aufnahme), mit einer Übernahmekapazität von rund 5 Mrd. Euro und der Bereitschaft zu weiteren Zukäufen im internationalen Privatkundengeschäft sowie im Industrie- und Spezialversicherungsgeschäft; der Zeitpunkt ist hier jedoch stets ungewiss.

Höhere Naturkatastrophenschäden: Talanx ist sowohl im Rückversicherungs- als auch im Industrieversicherungsgeschäft Naturkatastrophenschäden ausgesetzt. Höher als erwartet ausfallende Elementarschäden würden die Ergebnisse dieser Bereiche belasten. Andrew rechnet auch hier damit, dass Talanx seine Bilanzstärke einsetzt, um die Volatilität von Naturgewalten im Ergebnis zu steuern.

Dividende je Aktie: Goldman-Sachs-Schätzung (dunkelblau) im Vergleich zum vom Unternehmen erfassten Konsens (hellblau), in Euro

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox


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