Drei „High Tight Flag“-Setups aus dem Gesundheitssektor
Das „High Tight Flag“ Setup, das der legendäre Investor und Trader William O'Neil geprägt hat, zählt zu einem der stärksten Fortsetzungsmustern der Charttechnik.
Dieses Setup tritt auf, wenn eine Aktie in vier bis acht Wochen um 100 % bis 120 % ansteigt. Im Anschluss konsolidiert sie für drei bis fünf Wochen in einer Spanne von 10 % bis 25 % (siehe folgende Abbildung). Sofern die Aktie dann unter erhöhtem Volumen nach oben ausbricht, kann eine Position eröffnet werden.

Quelle: https://tradingengineered.substack.com/p/the-powerplay-setup
Schauen wir uns drei Aktien aus dem Gesundheitsbereich genauer an, die aktuell dabei sind, dieses Setup auszubilden.
Hinge Health - Digitale Physiotherapie mit 53 Prozent Wachstum und neuem Allzeithoch
Hinge Health (HNGE) ist die größte digitale Versorgungsplattform für Beschwerden des Bewegungsapparats in den USA. Das 2015 in San Francisco gegründete Unternehmen ging im Mai 2025 an die New Yorker Börse NYSE. Damit handelt es sich um einen relativ jungen IPO-Kandidaten.
Kunden sind vor allem selbstversicherte Arbeitgeber und Krankenversicherungen. Sie zahlen eine Gebühr, damit ihre Beschäftigten Zugang zur Plattform erhalten.
Kernprodukt ist ein digitales Therapieprogramm, bei dem tragbare Bewegungssensoren die Übungen überwachen und in Echtzeit Rückmeldung zur Haltung geben. Ergänzt wird es durch ein virtuelles Team aus lizenzierten Physiotherapeuten. Das ist der wesentliche Umsatzbereich. Ein zweites Standbein ist „HingeSelect“. Hier bewertet Hinge Health den Patienten digital und vermittelt ihn bei Bedarf an geprüfte Praxen, Ärzte oder Bildgebungszentren. Mit diesen Anbietern handelt das Unternehmen gebündelte Festpreise aus, die bis zu 50 Prozent unter den üblichen Sätzen der Versicherernetzwerke liegen. Abgerechnet wird gegenüber Arbeitgeber oder Krankenversicherung, wobei Hinge Health einen Anteil der medizinischen Abrechnungen als Umsatz erfasst. Die Marge ist hoch. Einen nennenswerten Umsatzbeitrag erwartet das Management allerdings erst ab 2027. Als dritten Bereich ist das im April 2026 gestartete Migräneprogramm zu nennen. Es basiert auf dem eigenen tragbaren Gerät „Enso“, das über eine Reizung des Trigeminusnervs medikamentenfrei Schmerzen lindert und dafür von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen wurde. Ergänzt wird es durch die Auswertung von Auslösern und Bewegungstherapie zur Vorbeugung. Rund 75 Prozent der Migränepatienten leiden auch unter Beschwerden des Bewegungsapparats. Über 125 Kunden mit zwei Millionen Anspruchsberechtigten buchten das Programm bereits. Der Umsatzbeitrag wird erst ab 2027 erwartet.
Die „Story“, die der Markt spielt, sieht wie folgt aus: Angesichts stark steigender Gesundheitskosten suchen Arbeitgeber skalierbare Alternativen zur klassischen Praxisversorgung. Hinge Health ist dabei, sich vom Einzelanbieter zur Mehrproduktplattform zu entwickeln.
Sword Health ist ein direkter Wettbewerber.
Die Quartalszahlen vom 4. August 2026 fielen stark aus. Der Umsatz stieg um 53 Prozent auf 213 Millionen US-Dollar und lag über der eigenen Prognose von 200 bis 202 Millionen sowie über den Analystenerwartungen von rund 201 Millionen. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 0,59 US-Dollar nach 0,30 US-Dollar im Vorjahresquartal und traf die Konsensschätzung. Die Kundenzahl wuchs um 24 Prozent auf 2.929. Die Jahresprognose wurde auf 856 bis 860 Millionen US-Dollar angehoben. Zeitgleich kündigte Hinge Health die Übernahme des Anbieters für virtuelle Magen und Darm Versorgung Cylinder Health für 105 Millionen US-Dollar an. Nach einem anfänglichen Rücksetzer schoss die Aktie im Hoch um 12 Prozent nach oben.
Zwischen Ende April und Anfang Juli legte die Aktie um über 100 Prozent zu. Seitdem konsolidiert sie seitwärts inklusive eines Rücksetzers von 21 Prozent. In den letzten Tagen hat sie mehrfach versucht, auf ein neues Allzeithoch auszubrechen. Zwischen 90 US-Dollar und 92 US-Dollar kann aus meiner Sicht eine Position eröffnet werden.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox
Guardant Health - Wie ein Bluttest die Krebsvorsorge verändern soll
Guardant Health (GH) gehört zu den bekanntesten Namen der Präzisionsonkologie in den USA. Das 2012 in Palo Alto gegründete Unternehmen ist seit 2018 an der Nasdaq notiert und verfolgt eine einfache Idee: Krebs soll sich aus einer Blutprobe erkennen lassen, ohne invasive Gewebeentnahme. Fachleute sprechen von einer Flüssigbiopsie.
Das Geschäft ruht auf drei Säulen:
- Guardant360 erstellt bei fortgeschrittenen Tumoren ein umfassendes genetisches Profil und hilft Ärzten bei der Therapiewahl.
- Shield ist ein blutbasierter Vorsorgetest auf Darmkrebs und richtet sich an Menschen, die eine Darmspiegelung meiden.
- Hinzu kommt das Geschäft mit Pharmaunternehmen, die für Daten und Studienbegleitung zahlen. Guardant Reveal spürt Tumorreste nach einer Operation auf.
Der Markt spielt derzeit die „Story“, dass Bluttests zum neuen Standard der Krebsvorsorge werden. Rückenwind gibt ein im Februar 2026 verabschiedetes Gesetz, das dem Krankenversicherungsprogramm Medicare ab 2029 die Erstattung solcher Tests ermöglicht.
Wichtigste Wettbewerber sind Exact Sciences mit dem Stuhltest Cologuard und Foundation Medicine, eine Tochter von Roche.
Die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen stammen vom 30. Juli 2026. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 44 Prozent auf 335 Millionen US Dollar und lag über der Erwartung von 314 Millionen. Der bereinigte Verlust je Aktie betrug 0,42 US-Dollar, während die Wall Street 0,75 US-Dollar erwartete. Die Umsatzprognose für 2026 wurde auf 1,34 bis 1,36 Milliarden US Dollar angehoben. Der blutbasierte Vorsorgetest Shield kam auf rund 66.000 Tests nach 16.000 im Vorjahr. Das elektrisierte die Märkte. Die Aktie schoss um 16 Prozent nach oben und markierte ein neues Allzeithoch.
Zwischen Anfang Mai und Anfang Juli konnte die Aktie um 100 Prozent zulegen. Seitdem konsolidiert sie seitwärts, wobei sie im Juli einen Rücksetzer von 19 Prozent einlegte. Aktuell scheint sie ausbrechen zu wollen. Aus meiner Sicht ist die Aktie zwischen 170 und 173 US-Dollar kaufbar.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox
Oscar Health – Der Krankenversicherer erwirtschaftete ein Rekordhalbjahr trotz eines schrumpfenden Marktes
Oscar Health (OSCR) gehört derzeit zu den wenigen Gewinnern im schrumpfenden amerikanischen Markt für private Krankenversicherungen. Das Unternehmen wurde 2012 in New York gegründet und ist seit 2021 an der New Yorker Börse notiert.
Kern des Geschäfts sind Einzel- und Familientarife, die über die staatlichen Versicherungsbörsen des „Affordable Care Act“ (Gesetz zur bezahlbaren Gesundheitsversorgung) verkauft werden. Der Umsatz stammt fast vollständig aus Versicherungsprämien. Daneben betreibt Oscar die eigene Technologieplattform „+Oscar“ für Abrechnung, Antragsbearbeitung und Mitgliederbetreuung. Mit dem im April gestarteten Marketplace „Lucie Health“ betreibt Oscar zudem eine digitale Plattform, über die Verbraucher Krankenversicherungen und ergänzende Gesundheitsprodukte vergleichen und erwerben können.
Die übergeordnete „Story“ am Markt ist der Umbau des Individualmarkts. Die Zahl der Versicherten in diesem Segment ist zuletzt um zwölf Prozent auf 19,2 Millionen gefallen. Über die Ursache des Rückgangs streiten zwei Lager. Die Regierung führt ihn auf schärfere Prüfungen zurück und beziffert die Zahl der entfernten oder blockierten unrechtmäßigen Anmeldungen auf rund 2,9 Millionen. Fachleute für Gesundheitspolitik halten dagegen das Auslaufen der erhöhten Prämienzuschüsse für den größeren Treiber, denn die Eigenbeteiligung stieg für subventionierte Versicherte im Schnitt um 114 Prozent. Trotz dieses Einbruchs der Versichertenzahl konnte Oscar seine Mitgliederschaft um 46 Prozent ausbauen. Das ist beachtlich und das ist es, was der Markt aktuell spielt.
Wichtigste Wettbewerber sind Centene und Molina Healthcare.
Die jüngsten Quartalszahlen wurden am 6. August 2026 veröffentlicht. Der Umsatz stieg um 71 Prozent auf 4,88 Milliarden US-Dollar, während die Erwartung der Analysten bei 4,74 Milliarden US-Dollar lag. Der Gewinn je Aktie belief sich auf 1,10 US-Dollar nach minus 0,89 im Vorjahr und übertraf die Schätzungen von 0,40 deutlich. Die Umsatzprognose von 18,7 bis 19,0 Milliarden wurde bestätigt, das erwartete operative Ergebnis hob das Management auf 500 bis 700 Millionen an. Besonders auffällig ist die operative Verbesserung. Die Quote der medizinischen Kosten sank von 91,1 % auf 79,2 %. Bezogen auf das erste Halbjahr sprach der Vorstandschef Mark Bertolini von einer Rekordprofitabilität. So erreichte das operative Ergebnis 1,09 Milliarden US-Dollar nach 66,6 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie wurde mit 3,16 US-Dollar beziffert nach 0,17. Die Mitgliederzahl konnte – wie bereits erwähnt - um 46 Prozent auf 2,96 Millionen gesteigert werden. Trotzdem wurde die Aktie zunächst stärker abverkauft. Sie konnte sich dann jedoch schnell erholen und ein neues 5,5 Jahreshoch markieren.
Nachdem die Aktie zwischen Ende April und Anfang Juli eine Rallye von 100 Prozent hinlegte, läuft sie seitdem seitwärts inklusive eines Pullbacks von 23 Prozent. Aktuell versucht sie den Ausbruch auf ein neues 52 Wochenhoch. Über 33,55 US-Dollar ist die Aktie ein Kauf.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox
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