aktien Magazin

Drei interessante IPOs in den USA für die Watchliste!

Aktienanalysen Marius Müllerhoff 79 Leser

Latigo Biotherapeutics – Ein neuer Player im Markt für Schmerzmittel macht Vertex Pharmaceuticals Konkurrenz


Latigo Biotherapeutics (LTGO) gehört zu einem der bemerkenswertesten Börsengängen des Sommers. Das 2018 in Kalifornien gegründete Biotechunternehmen ging am 7. August 2026 an die Nasdaq und weist aktuell eine Marktkapitalisierung von 1,53 Mrd. US-Dollar auf.

Latigo entwickelt nicht-opioide Schmerzmittel. Das sind alle Wirkstoffe, die Schmerzen lindern, ohne an den Opioidrezeptoren im Gehirn und Rückenmark anzusetzen bzw. anzudocken. Genau dieses Andocken macht Opioide wie Morphin, Oxycodon oder Hydrocodon so wirksam, aber auch so problematisch. Es dämpft nicht nur die Schmerzwahrnehmung, sondern erzeugt zugleich ein Belohnungsgefühl, führt zu Gewöhnung und Abhängigkeit und kann in hoher Dosis die Atmung unterdrücken. Rund 80.000 Todesfälle jährlich in den USA gehen auf Überdosierungen mit Opioiden zurück.

Die klassischen nicht-opioiden Mittel kennt jeder aus der Hausapotheke. Dazu zählen Paracetamol sowie entzündungshemmende Wirkstoffe wie Ibuprofen und Naproxen. Sie machen nicht abhängig, sind bei starken Schmerzen nach Operationen aber oft zu schwach und belasten bei längerer Einnahme Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System. Zwischen diesen beiden Gruppen klafft seit Jahrzehnten eine Lücke.

Genau dort setzt die neue Wirkstoffklasse an, zu der auch Latigo Biotherapeutics gehört. Diese Mittel blockieren den Natriumkanal Nav1.8, der fast ausschließlich in den schmerzleitenden Nervenfasern außerhalb des zentralen Nervensystems vorkommt. Das Schmerzsignal wird also bereits am Entstehungsort unterbrochen und erreicht das Gehirn gar nicht erst. Da der Wirkstoff kaum ins Gehirn gelangt, entfällt nach bisherigem Kenntnisstand das Suchtpotenzial.

Vertex Pharmaceuticals hat als erstes Unternehmen ein solches Präparat zugelassen bekommen. Latigo verfolgt denselben Ansatz und will nach eigenen Angaben eine schnellere Wirkung erreichen. Ob das gelingt, müssen die Phase-3-Studien zeigen.

Der wichtigste Kandidat von Latigo heißt „LTG-001“, richtet sich gegen akute Schmerzen und erreichte in einer Studie mit 343 Patienten den primären Endpunkt. Ein weiterer Kandidat ist LTG-321, das auf chronische Gelenk- und Muskelschmerzen zielt. Letztlich befindet sich LTG-418 in der Vorstufe. Umsätze erzielt das Unternehmen noch nicht.

Der Markt spielt das Thema, dass Biotech-/Pharmaunternehmen verstärkt auf der Suche nach Alternativen zu Opioiden sind.

Wettbewerber sind Vertex Pharmaceuticals und SiteOne Therapeutics.

Die Quartalszahlen des zweiten Quartals wurden am vergangenen Donnerstag vorgelegt. Das Unternehmen erzielt aktuell keine Umsätze. Die Forschungsausgaben sanken auf 21,2 Mio. US-Dollar, die Verwaltungskosten stiegen auf 4,6 Mio. Der Nettoverlust blieb mit 25,8 Mio. US-Dollar unverändert. Die Barmittel lagen bei 55,2 Mio., zuzüglich der Erlöse aus dem Börsengang (ca. 400 Mio. US-Dollar). Eine Prognose wurde nicht veröffentlicht. Die Aktie reagierte leicht positiv.

Charttechnisch sieht es so aus, als ob die Aktie dabei ist, eine erste Konsolidierung („IPO-base“) zu etablieren. Das wäre bullisch. Ein Ausbruch aus dieser Konsolidierung stellt das „Long“-Signal dar.

Bending Spoons - Beteiligungshaus für Software mit Unternehmen wie Evernote, WeTransfer und Vimeo im Portfolio


Bending Spoons (BSP) wurde 2013 gegründet und hat seinen Sitz in Mailand. Am 1. Juli 2026 folgte der Börsengang an der Nasdaq. Aktuell beläuft sich die Marktkapitalisierung auf 25,1 Mrd. US-Dollar.

Das Unternehmen arbeitet wie ein Beteiligungshaus für Software. Es kauft reife digitale Marken, deren Wachstum ins Stocken geraten ist, strafft die Strukturen und stellt die Erlöse auf Abonnements um. Zum Portfolio zählen Evernote, WeTransfer, Vimeo, Eventbrite und AOL. Rund 84 % der Einnahmen stammen aus wiederkehrenden Abonnements.

Der Markt sieht in Bending Spoons einen Konsolidierer, der künstliche Intelligenz nicht verkauft, sondern zur eigenen Kostensenkung einsetzt. Nach Unternehmensangaben wurden zuletzt über 90 % der Programmieranfragen von KI verfasst oder mitverfasst. Der Umsatz je Mitarbeiter erreicht dadurch Werte, die in der Branche selten zu finden sind, was die Margen der zugekauften Marken spürbar hebt. Anleger setzen darauf, dass sich dieses Muster beliebig wiederholen lässt, solange genügend Übernahmeziele zu vertretbaren Preisen verfügbar sind. Die Übernahme von Airtable für 1,3 Mrd. US-Dollar ist der erste Test nach dem Börsengang. Die Plattform Airtable verbindet Tabellenkalkulation und Datenbank und lässt Teams ohne Programmierkenntnisse eigene Anwendungen erstellen.

Wettbewerber sind Constellation Software und Adobe.

Die Quartalszahlen vom 13. August 2026 zeigen einen Umsatz von 704 Mio. US-Dollar nach 311 Mio. im Vorjahr und über den erwarteten 683 Mio. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,46 US-Dollar gegenüber erwarteten 0,27. Für das dritte Quartal werden 733 bis 745 Mio. US-Dollar Umsatz in Aussicht gestellt. Zugleich wurde die Übernahme von Airtable für 1,3 Mrd. US-Dollar angekündigt. Die Aktie verlor daraufhin ca. 20 % an Wert.

Charttechnisch sehe ich aktuell kein Tradingsetup. Es bietet sich an, die Aktie auf die Watchliste zu legen und auf eine Konsolidierung zu warten. Dem Ausbruch aus dieser Konsolidierung kann gefolgt werden.

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

SB Energy plant einen Milliarden-Börsengang mit Nvidia, OpenAI und SoftBank im Rücken


SB Energy mit Sitz in Kalifornien wurde 2019 mit Rückendeckung von SoftBank gegründet. Das Unternehmen hat am 31. August 2026 einen Börsenprospekt bei der US-Wertpapieraufsicht eingereicht und will unter dem Kürzel SBE an der Nasdaq notieren. Ein Handelsstart ist bislang nicht erfolgt. Preis und Stückzahl stehen noch nicht fest. Berichten zufolge werden Erlöse zwischen 5 bis 7 Mrd. US-Dollar angestrebt.

Das Geschäft ruht auf zwei Säulen:

- Erstens Solarparks und Batteriespeicher mit 2,2 Gigawatt in Betrieb, deren Strom über langfristige Abnahmeverträge verkauft wird.

- Zweitens Rechenzentren mit 8,8 Gigawatt vertraglich gesicherter Kapazität in Texas und Ohio, vermietet über mehrjährige Mietverträge. In Ohio entsteht zusätzlich ein Gaskraftwerk, um die Grundlast abzudecken.

Das Besondere am Geschäftsmodell von SB Energy ist die Verbindung dieser beiden Bereiche, die sonst getrennt betrieben werden. Die meisten Rechenzentrumsbetreiber kaufen Strom am Markt oder beim Versorger ein und warten teils jahrelang auf einen Netzanschluss. SB Energy erzeugt den Strom selbst und siedelt die Rechenzentren direkt daneben an. Wer beide Seiten kontrolliert, kann Fläche, Genehmigung und Anschluss parallel entwickeln und damit schneller liefern als reine Vermieter.

Der Auftragsbestand beziffert sich auf rund 439 Mrd. US-Dollar. Nvidia beteiligt sich mit 1,5 Mrd. US-Dollar im Rahmen einer Privatplatzierung, OpenAI und SoftBank sind Investoren und Mieter zugleich. Diese Nähe schafft Planungssicherheit, erzeugt aber auch eine hohe Abhängigkeit von wenigen Kunden.

Wettbewerber sind NextEra Energy und Crusoe Energy Systems.

Im ersten Halbjahr 2026 fiel ein Nettoverlust von rund 3,2 Mrd. US-Dollar an. Noch ist kein Rechenzentrum in Betrieb.

Es gilt, das Unternehmen und den angestrebten IPO auf dem Radar zu haben. Sobald das KI-Thema an der Börse wieder verstärkt gespielt wird, sollte das Unternehmen davon profitieren.


Bildherkunft: Shutterstock_2422381343