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IPO-RADAR - Aufschläge bis zu 100% sind wieder dabei

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Die zweite Juni-Hälfte ließ den IPO-Markt wieder stärker rotieren. Mit der anziehenden Anzahl von Börsengängen nimmt auch die Höhe der Aufschläge zum Börsenstart einzelner IPOs zu. Insgesamt wagten 23 Unternehmen den Schritt einer neuen Börsennotierung, wovon nur 4 SPACs (Börsenmäntel) waren.

Unter den Branchen lagen die Bereiche Biotechnologie, Gesundheit und Software, zunehmend mischen sich aber auch IPOs aus den Bereichen Konsum und Industrie darunter. Vor allem die jüngste Rallye bei den Rohstoffen dürfte mehr Unternehmen aus klassischen Branchen nun zu einem Börsengang bewegen, da sie sich von der positiven Stimmung größere Erfolgsaussichten versprechen.

Die Mehrheit der Neuemissionen verzeichneten in ihrer ersten Börsenwoche Zuwächse zwischen 25% und 56%. Vier Unternehmen mussten Abschläge bis zu mit 31% hinnehmen. Gewinner der Woche mit einem Plus von 115% war die Online-Medizinerplattform Doximity (siehe nachstehende Beschreibung).

First Advantage dient als privater Online-Polizist


Das Thema Personalsicherheit steht bei vielen Unternehmen ganz oben auf der „To-do-list“. Umso mehr finden Angebote bei den Konzernlenkern Beachtung, die eine Art Rundumpaket versprechen. Das in Atlanta, Georgia beheimatete Unternehmen First Advantage bezeichnet sich als Anbieter von Informationsdiensten und versorgt seine Kunden mit Dienstleistungen wie Workflow-Management, Mitarbeiter- und allgemeines Screening, interne und allgemeine Risikokontrolle, Flotten-Compliance, Identitätskontrolle, Daten- und Social-Media-Überwachung sowie Drogen- und Gesundheitstests.

Die größte Kundengruppe von First Advantage sind personalstarke Unternehmen mit hoher Wachstumsdynamik. 2020 zählte man rund 30.000 Kunden in mehr als 200 Ländern und kontrollierte dabei die Daten von rund 75 Mio. Computern.

Überdurchschnittliches Wachstumspotential


Haupteinnahmequellen sind die eigenen Softwareprogramme sowie die Gebühren aus der Pflege der Programme sowie der Schulung des Kundenpersonals, die unter dem Einfluss der Umstände der COVID-19-Pandemie stark gestiegen sind. Obwohl das erste Halbjahr 2020 unter dem Einfluss der COVID-19-Pandemie stand, konnte First Advantage den Umsatz mit einem geringen Minus von 2% auf 472 Mio. USD nahezu stabil halten. Nach einem Gewinn von 34,25 Mio. USD rutschte man aber einem Minus von 36,5Mio. USD in den Verlust.

Das Management geht davon aus, dass das der globale Markt für Personalsicherheit bis 2028 um 50% auf 6,4 Mrd. USD wächst und geht davon aus, dass das eigene Wachstum noch einmal um mehr als ein Drittel darüber liegt. Mit dem Börsengang wurden 382,5 Mio. USD erlöst, die Aktie liegt mit 36,80 % im Plus.

Doximity ermöglicht die Vernetzung von Medizinern


Soziale Netzwerke haben sich mittlerweile auf vielen Gebieten etabliert und dienen den unterschiedlichsten Zwecken. Das kalifornische Netzwerk Doximity fokussiert sich ganz auf das medizinische Fachpersonal. Die Cloud-basierte Plattform bietet ihren Mitgliedern speziell entwickelte Tools, um die fachliche Zusammenarbeit zu erleichtern, die Patientenversorgung zu sichern, virtuelle Patientenbesuche zu organisieren und die berufliche Weiterentwicklung zu fördern.

Das 2010 gegründete Unternehmen mit etwas mehr als 700 Mitarbeitern berechnet seinen Mitgliedern keine Gebühren und finanziert sich hauptsächlich über Marketing. Vor allem Pharmahersteller und Krankenhäuser nutzen die Gelegenheit, für sich und ihre Produkte oder Dienstleistungen zu werben. Jeweils die Top 20 dieser beiden Kategorien gehören zu den Kunden von Doximity.

Unternehmen bereits in der Gewinnzone


Zu den weiteren Ertragsquellen der Kalifornier gehören Provisionen für die Patienten-Online-Behandlung sowie Gebühren für eine fachmedizinische Online-Jobbörse. Das sich diese Strategie auszahlt, lässt sich an den Wachstumszahlen ablesen. Der Umsatz legte seit 2019 im jährlichen Durchschnitt um 56,5% auf 207 Mio. USD zu. Der Nettogewinn schoss im selben Zeitraum von 0,6 Mio. USD auf 21,6 Mio. USD nach oben.

Auch wenn der entscheidende Aufwärtsimpuls für Doximity von den Einschränkungen durch COVID-19 gesetzt worden ist, so bleiben die Wachstumsaussichten für die Plattform mit mittlerweile mehr als 2 Mio. Mitgliedern nach Ansicht des Managements überdurchschnittlich gut. Durch den Börsengang nahm das Unternehmen 606 Mio. USD ein, der Aktienkurs stieg in der ersten Börsenwoche um 115,3% zu.

Rundumautopflege und mehr mit Mister Car Wash


Wer nach einer liebsten Samstagsbeschäftigungen der Deutschen am Wochenende fragt, der sollte einfach einen Blick auf die verschiedenen Autowaschstraßen werfen. Das diese außergewöhnliche Liebe zum fahrbaren Untersatz kein Privileg der Deutschen ist zeigt der US-Waschstraßenbetreiber Mister Car Wash. Das 1996 gegründete Unternehmen ist der größte nationale Autowaschstraßenbetreiber der USA und verfügt mit rund 3.500 Mitarbeitern über 344 Anlagen in 21 Bundesstaaten.

Hauptoperationsgebiet des in Tucson, Arizona ansässigen Unternehmens sind die Südstaaten der USA. Neben den Dienstleistungen, umfassende Innen- und Außenreinigung, wirbt das Unternehmen mit den Vorteilen einer angebotenen Mitgliedschaft. So sparen die Mitglieder durch die Inanspruchnahme eines monatlichen Abo-Programms und dürfen extra für sie reservierte Waschstraßen benutzen, die weniger Zeitaufwand benötigen. 1,4 Mio. Mitglieder haben sich davon schon überzeugen lassen.

Autowäsche als „Fun-Event“


Das Kundenbindungsprogramm verantwortet rund 70% des Umsatzes, der 2020 im Jahresvergleich mit minus 8,7% auf 585 Mio. USD leicht rückläufig war. Dafür schoss der Gewinn im selben Zeitraum von 0,9 Mio. USD auf 60,4 Mio. USD nach oben. Im ersten Quartal 2021 erwachte die Waschfreude der US-Bürger deutlich, denn der Umsatz legte um 13% zu.

Mister Car Wash plant die weitere Expansion in mehr US-Staaten und viel das Autowaschen noch mehr in Richtung eines „Fun-Events“ entwickeln. Damit soll auch der durchschnittliche Preis von 10 USD pro Wäsche noch angehoben werden. Die Marktkapitalisierung beträgt mittlerweile 678 Mio. USD, nachdem der Aktienkurs seit dem Börsengang am 25. Juni um 35,3% zulegen konnte.

Laborausstatter Alpha Teknova ist ein Pandemie-Gewinner


Wenn die COVID-19-Pandemie eines gelehrt hat, dann ist es, nicht nur auf die Impfstoffhersteller zu schauen, sondern auch auf ihre Helfer. Eines dieser Unternehmen, die für eine schnelle Impfstoffentwicklung unabdingbar sind, ist der kalifornische Laborausstatter Alpha Teknova. Das in Hollister ansässige Unternehmen entwickelt Reagenzien für die Forschung, die von Laboratorien und Arzneimittelentwickler genutzt werden.

Zu den 3000 Kunden gehören Pharma- und Biotechunternehmen, Auftragsentwicklungs- und Fertigungsunternehmen sowie staatliche und akademische Forschungseinrichtungen. Alpha Teknova wirbt damit, insbesondere mit unterschiedlichen Volumen, spezifischen Behältern, speziellen chemischen Formulierungen und anspruchsvollen Transportbedingungen zurecht zu kommen. Damit deckt man eine breite Palette des stark wachsenden Life-Science-Marktes ab.

Sehr positive Aussichten überzeugen Anleger


Das durch COVID-19 stark geprägte, vergangene Jahr führte bei Alpha Teknova zu einem explosiven Umsatzsanstieg im Vergleich zu 2019 um 55,7% auf 33,1 Mio. USD. Zudem gelang mit einem Gewinn von 0,6 Mio. USD der Turnaround (2019: -1,3 Mio. USD). Die Analysten von Mordor Intelligence prognostizieren wegen der erhöhten Nachfrage ausgelöst durch die aktuelle Pandemie bis 2026 ein weltweites Wachstum von 50% auf 66,8 Mrd. USD.

Das entspricht einem jährlichen, durchschnittlichen Wachstum von 7,9%. Alpha Teknova rechnet für 2021/22 mit ähnlich hohen Wachstumsraten wie im vergangenen Jahr. Die Aktie legte seit dem Börsengang am 25. Juni um 56,3% zu, die Marktkapitalisierung beträgt 3 Mrd. USD.

OUTLOOK


War der Monatsstart schon so etwas wie ein Fingerzeig, wartet der kalendarische Sommerbeginn mit einem hohen IPO-Volumen für die 27. Kalenderwoche auf. Bis zu Wochenbeginn hatte 19 Unternehmen ihre Erstnotiz angekündigt, die ein Gesamtvolumen von 5,2 Mrd. USD auf das Parkett bringen. Zwei ausgewählte Werte stellen wir im Folgenden vor:

Mobildienstleister DIDI Chuxing debütiert an der Nasdaq


Mit einer Aktienanzahl von knapp 300 Mio. wagt sich in der 2. Wochenhälfte der chinesische Mobilitätsdienstleister DIDI an die New Yorker Börse. Das Unternehmen ist durchaus vergleichbar mit seinen US-Pendants Uber und Lyft. Die 2012 gegründeten Chinesen sind in 15 Ländern und 4.000 Städten global vertreten zählen rund 493 Mio. Nutzer und verfügen über 15. Mio., meist selbstständige Fahrer.

DIDI hat den chinesischen Ableger von UBER 2016 übernommen und sich zudem auf weitere Geschäftsfelder wie Elektrofahrzeuge, autonomes Fahren und Logistik fokussiert. Mit einem Marktanteil allein von 83 % in China sowie täglich 41 Mio. Transaktionen ist das Hauptgeschäft allerdings die private Personenbeförderung.

Große Nachfrage erwartet


Bedingt durch die Auswirkungen der COVID-19 sank der Jahresumsatz im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um 8,4 % auf 21,6 Mrd. USD. Der Verlust kletterte im selben Zeitraum um 1% auf 68,4 Mio. USD. Die Unternehmensführung selbst geht für dieses Jahr aber bereits wieder von Wachstumsraten zwischen 20% und 25% aus.

Mit dem Börsengang soll nicht nur das weitere Wachstum im Kerngeschäft, sondern auch im Bereich Elektrofahrzeuge und autonomes Fahren finanziert werden. Eine Preis-Spanne für den Börsengang existiert noch nicht, die außerbörsliche Marktbewertung liegt allerdings bei 70 Mrd. USD.

Krisby Kreme will erneut an die Börse


Der bekannte Donut-Hersteller Krisby Kreme ging erstmals im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt des Internet-Booms, an die Börse. Das damalige schien ein toller Erfolg zu werden, denn der Aktienkurs stieg innerhalb weniger Wochen von 21 USD auf 80 USD. Allerdings wurde das neu erworbene Kapital für das 1937 gegründete Unternehmen in eine aggressive Expansionsstrategie investiert.

In der Folge geriet das Unternehmen wegen eines gesättigten Marktes und eines Bilanzskandals in schwere Fahrwasser, konnte aber eine Insolvenzantrag vermeiden und begann einen Neuaufbau. 2016 wurde das Unternehmen von der Börse genommen. Die Investmentfirma JAB Beech mit Sitz in Deutschland kaufte Krisby Kreme für 21 USD je Aktie zu einem Gesamtpreis von 1,35 Mrd. USD.

Rückkehr auf den Wachstumspfad gelungen


Die Deutschen, die in der Restrukturierung von Unternehmen aus der Konsumbranche einige Erfahrung mitbrachten, sanierten den Konzern aus Charlotte, North Carolina und brachten ihn wieder auf den Wachstumspfad zurück. Das Umsatzplus betrug im jährlichen Durchschnitt von 2019 bis 2021 18 % auf 1,1 Mrd. USD. Der Verlust ging allerdings wegen der COVID-19-Pandemie und höherer Investitionen im selben Zeitraum auch nach oben und wuchs von 12,4 Mio. USD auf 60,9 Mio. USD.

Mit dem Börsengang will man rund 500 Mio. USD erlösen, einen Teil der Schulden reduzieren und die weitere Wachstumsfinanzierung sicherstellen. Die außerbörsliche Bewertung liegt bei 3,6 Mrd. USD.


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