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IPO-RADAR - Bitcoin bewegt auch den IPO-Markt

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Die vorübergehende Konsolidierung an der US-Technologiebörse Nasdaq seit Anfang Oktober hat auch im IPO-Markt für eine eher verhaltene Emissionstätigkeit gesorgt. Andererseits hat vor allem der institutionelle Bereich seine Chance genutzt, um in Form der nach wie vor beliebten SPACs (Börsenmäntel) die immer noch ausgeprägte Liquiditätswelle anzuzapfen. Das neu entfachte Interesse am Bitcoin lockt zudem auch Miner an die Börse (siehe Outlook).

Deutlich wird das an den detaillierten Zahlen, denn unter den 51 Börsengängen innerhalb der vergangenen drei Wochen befanden sich immerhin 21 SPACs. Diese würden nicht wieder einen so stark wachsenden Anteil am IPO-Markt haben, wenn Großinvestoren von einem Abebben der Übernahme- und Zukaufs-Aktivitäten am US-Markt ausgehen würden.

Die Bilanz der übrigen 30 Unternehmen nimmt sich, auch aufgrund der schwächeren Entwicklung der Börsen zu Monatsbeginn, durchwachsen aus. Zwar zeigten sich mit Volcon, TDCX, Gitlab und Paragon28 durchaus IPOs mit stattlichen Renditen zwischen 50% und 17%. Die Mehrheit der IPOs verzeichnete allerdings bei der Kursentwicklung eher magere Zuwächse oder kleinere Abschläge. Zudem gab es auch fünf Unternehmen mit Verlusten zwischen 20% und 30% seit dem Start ihrer Börsennotiz.

Volcon setzt auf elektrische Power-Motorräder


E-Mobility elektrisiert die Masse der Anleger ganz unzweifelhaft. Jede Ergänzung und Neuerung zu diesem Thema wird augenscheinlich intensiv verfolgt und vielen Foren diskutiert. Es verwundert also nicht, dass auch Kandidaten am IPO-Markt auf hohe Aufmerksamkeit stoßen.

Der Jüngste ist in Round Rock, Texas beheimatet und nennt sich Volcon. Das seit 2020 existierende Unternehmen entwickelt und baut zwei- und vierrädrige elektrische Motorräder und Nutzfahrzeuge, auch Side-by-Side, genannt. Darüber hinaus bietet man eine Reihe von Zubehör und Upgrades.

Die ersten beiden Off-Road-Motorräder, genannt Grunt und Runt, sollen zum Ende dieses Jahres und im ersten Quartal 2022 ausgeliefert werden. Für 2023 plant man dann die Produktion zweier Nutzfahrzeug-Typen mit den Namen Stag und Beast. Alle Fahrzeuge will man zunächst direkt über die eigene Online-Plattform vertreiben.

Nischenmarkt soll Wachstum sichern

Volcon will mit seinen Angeboten vor allem die Lifestyle-, ländlich geprägte und abenteuerorientierte Kundschaft in den Markt der Elektromobilität locken. Dessen Volumen beziffern die Texaner aktuell mit 8,2 Mrd. USD in den USA und erwarten bis 2027 ein Wachstum auf 11,8 Mrd. USD. Die jährliche, durchschnittliche Wachstumsrate soll damit 6,7% betragen.

Für 2020 steht ein erster kleiner Umsatz von 1 Mio. USD zu Buche, dem naturgemäß mangels noch nicht verkaufter Fahrzeuge ein Verlust von 1,4 Mio. USD gegen übersteht. Volcon rechnet aber für 2022 mit deutlich anziehenden Umsätzen. Durch den Börsengang am 6. Oktober wurden 16,7 Mio. USD erlöst, die Aktie liegt mit 50,6 % im Plus.

Softwareentwickler schwören auf GitLab


Entwicklung und Optimierung von Unternehmens- oder Systemsoftware ist heutzutage ein fortlaufender Prozess. Entwickler und Spezialisten nutzen hierzu sogenannte „Open-Source-Systeme“. Sie sind für alle einsehbar und aktiv bearbeitbar. Zudem findet über die zugehörigen Foren ein begleitender Diskussionsprozess statt.

Das 2011 gegründete und in Utrecht, Niederlande ansässige Unternehmen GitLab hat diesen Trend administriert und strukturiert. So können auf ihrer Entwicklerplattform mehrere Entwickler oder Teams gleichzeitig an einem Projekt parallel arbeiten. Veränderungen werden protokolliert, so dass keine wichtigen Daten verloren gehen.

Ermöglicht wird dies durch die eigene Versionsverwaltungssoftware Git (wie erwähnt handelt es sich um eine „Open-Source-Software). Prominente Nutzer sind Unternehmen wie u.a. IBM, Expedia oder Sony. Auch öffentliche Organisationen wie die US-Raumfahrtbehörde NASA nutzen das System. Das Interesse hat sich verstärkt, nachdem Wettbewerber GitHub 2018 von Microsoft übernommen wurde.

Ausbau der kostenpflichtigen Abos nötig

Das drückt sich auch in stark steigenden Umsätzen des vergangenen Jahres aus. Von 2019 auf 2020 legte dieser um 87,4% auf 152,2Mio. USD zu. Die Vorbereitung auf den Börsengang und Investitionen in die eigene Expansion vergrößerten aber auch den Verlust von 130,7 Mio. USD auf 192,2 Mio. USD.

Zwar bieten die Niederländer mittlerweile auch kostenpflichtige Abonnements, vor allem für Führungspersonal, mit zusätzlichen Funktionen an. Allerdings muss die Einnahmeseite noch deutlich ausgebaut werden, um Profitabilität zu erzielen. Durch den Börsengang nahm das Unternehmen 800 Mio. USD ein, der Aktienkurs stieg in der ersten Börsenwoche um 49,3%.

Paragon28 versorgt Chirurgen mit Ersatzteilen


Der Bereich Plastische Chirurgie wird heutzutage sehr häufig im Zusammenhang mit Schönheitsoperationen in Verbindung gebracht. Das dieser Teilsektor allerdings aus den Erfahrungen mit medizinisch notwendigen Operationen entstanden ist wird dagegen kaum erwähnt. Ein „Zulieferer“ für entsprechende Behandlungen ist das Unternehmen Paragon28.

Fokussiert ist das Unternehmen aus Englewood, Connecticut vor allem auf die Produktion von plastischen Teilen und Systemen für die Füße (die aus 28 Knochen bestehen) und Sprunggelenke. Das erst seit 2010 existierende Unternehmen hat mittlerweile 72 Implantate und Systeme entwickelt, die es vor allem in den USA und Kanada vertreibt.

Gewinnzuwachs soll sich verstärken

In der Absicht des Managements liegt es, die Expansion jenseits der eigenen Grenzen deutlich zu forcieren. Als Vorteil sieht man dabei den begrenzten Wettbewerb in der eigenen Sparte, denn viele Produkte werden aufwendig individuell auf die Patienten angepasst. Zudem kann Paragon28 aufgrund seiner Erfahrung seine Produkte auch in den von vielen Krankhäusern angeforderten kürzeren Fristen produzieren

Zwar hat COVID 19 dazu beigetragen, dass sich das Wachstum etwas abgebremst hat. Nach einem Umsatzplus von 4,4% auf 111 Mio. USD in 2020 rechnet das Unternehmen aber für 2022 wieder zweistelligen prozentualen Zuwachsraten. Auch der Nettogewinn, der sich um 13,7% auf 2,7 Mio. USD verringert hat, soll dann wieder deutlich zulegen.

Mit dem Börsengang am 15. Oktober erlöste Paragon28 rund 125 Mio. USD. Das Kursplus am ersten Börsentag betrug knapp 17%, woraus sich eine aktuelle Marktkapitalisierung von 1,4 Mrd. USD ergibt.

 


OUTLOOK


Nach der außerordentlich positiv verlaufenden Börsenwoche am US-Aktienmarkt haben sich bereits 15 Kandidaten für einen Börsengang in der 42. KW listen lassen. Davon sind nur drei SPACs, der Rest verteilt sich vor allem auf mittlere und kleinere Unternehmen mit, zum Teil, sehr spannenden Hintergrund (siehe nachfolgende Auswahl). Möglich, dass kurzfristig noch einige kleinere Unternehmen auf den IPO-Zug aufspringen.

Stronghold Digital Mining schürft mit eigenem Strom


Als vor einem Jahr die Krypto-Währungen, angeführt vom Bitcoin, ihre zweite große Rallyephase nach 2018 starteten, wurde dies nicht nur von den staatlichen Institutionen wie der chinesischen Regierung und den Notenbanken kritisch beäugt. Auch Umweltschützer rief dies auf den Plan, denn das Krypto-Mining benötigt aufgrund hoher Rechnerkapazitäten extrem viel Strom, der häufig aus Kohlekraftwerken kommt.

Das zwischenzeitliche Abebben der „Kryptomania“ hat die Gemüter zwar etwas beruhigt, doch die aktuelle neue Aufwärtswelle zieht auch Miner wie Stronghold Digital Mining an die Börse. Das Besondere an dem New Yorker Unternehmen: Sie erzeugen ihren Strom aus Kohleabfällen.

In Anlagen in Pennsylvania wird der dort umgewandelte Strom nicht nur für das eigene Mining verwendet, sondern soll mittelfristig auch an öffentliche Netze verkauft werden. Zudem beabsichtigt Stronghold mit seinem Vorgehen, auch die strukturschwachen, ehemaligen Kohleregionen in den USA zu unterstützen und die kritische Einstellung um den hohen Stromverbrauch des Minings zu entschärfen.

Verlust wurde überdurchschnittlich reduziert

Die Umsatzzahlen des vergangenen Jahres sind gekennzeichnet vom Beginn der COVID-19-Pandemie und dem Umbau der eigenen Mining-Strukturen. Daher reduzierte sich der Umsatz von 2019 zu 2020 um 62,7% auf 4,1 Mio. USD erzielt. Wegen der geringeren Miner-Tätigkeit reduzierte sich aber auch der Verlust von 1,85 Mio. USD auf 0,1 Mio. USD.

Im Hinblick auf das sich wieder deutlich verbesserte Umwelt für die Krypto-Währungen wollen die New Yorker die Gunst der Stunde für einen Börsengang jetzt nutzen. Von dem IPO erwartet man Erlöse im Volumen von 122 Mio. USD, die außerbörsliche Bewertung läge damit bei 800 Mio. USD.

Enfusion stattet die Investmentbranche technologisch aus


Nicht von ungefähr gehören zu den Gewinnern der Pandemie in den vergangenen Monaten Unternehmen aus der Investmentbranche. Investmentbanken, Vermögensverwalter, Immobilienentwickler und -händler sowie Private Equity-Firmen können sich über eine steigende Nachfrage nicht beklagen.

Ohne technologischen Hintergrund, der diese Unternehmen erheblich in administrativen Bereichen von Kosten entlastet, ist ein nachhaltiger Erfolg im Wettbewerb allerdings nicht denkbar. Das seit 1998 in Chicago beheimatete Unternehmen Enfusion bietet seinen Kunden hierfür eine komplette Lösungskette an, die individuell zugeschnitten wird.

Umfasst werden in einer Cloud basierenden Software dabei die Portfoliokonstruktion, der Handel, das Risikomanagement, die Buchhaltung und das Anleger-Reporting in Echtzeit. Die Chicagoer werben mit einer kurzen Implementierungszeit von 6-8 Wochen.

Boom drückt sich über hohe Nachfrage aus

In welchem Maß der Boom an den Finanzmärkten Enfusion schon im vergangenen Jahr erreichte, kann man an den entsprechenden Umsatzzahlen ablesen. Allein von 2019 auf 2020 legte der Umsatz um 34,8 % auf 79,6 Mio. USD zu, beim Gewinn verzeichneten die Chicagoer allerdings einen Einbruch um 68% auf 4 Mio. USD wegen Sondereffekten. Im ersten Halbjahr 2021 konnte man ein weiteres Umsatzplus von 44% vermelden.

Da in den vergangenen Wochen am US-IPO-Markt auch vermehrt Unternehmen aus dem Finanzsektor ihre IPOs erfolgreich platzieren konnten, nutzt Enfusion die positive Stimmung, um eine weitere Expansion finanziell stemmen zu können. Aus dem Börsengang möchte man weitere Mittel im Umfang von 370 Mio. USD generieren. Daraus würde ich eine Marktbewertung von 1,8 Mrd. USD ergeben.

Aris Water Solutions hilft den Ölsektor grüner zu machen


Welche Bedeutung der Wasserversorgung zuteil wird, kann man in Deutschland in diesem Jahr vor allem bei dem Bau des Tesla-Werkes in Brandenburg beobachten. Auch wenn die Versorgung der privaten Haushalte Priorität hat, so spielt die Wasserversorgung auch eine erhebliche Rolle bei der Ansiedlung neuer, größerer Unternehmen. Da zudem in bestimmten Gebieten die Ressourcen eher schrumpfen als wachsen, spielt das Thema Wasseraufbereitung eine große Rolle.

In diesem Sektor agiert das texanische Unternehmen Aris Water Solutions. Das Hauptoperationsgebiet ist das Permian Basin im Südwesten der USA. Die Produktpalette umfasst vor allem Wasseraufbereitungs- und Recyclinglösungen. Ein großer Teil der Kunden des Unternehmens kommen aus dem Öl-Sektor, der im Permian-Basin besonders aktiv. Aufgrund gestiegener Umweltauflagen und der Diskussionen um den eigenen CO2-Fussabdruck verspürt die Texaner eine steigende Nachfrage.

Verlust durch COVID-19 bedingt

Zu den Kunden gehören u.a. ConocoPhillps, Occidential Petroleum, Exxon, Chevron und Marathon Oil. Der Umsatz legte im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 mit plus 44,3% deutlich auf 171,3 Mio. USD zu. Einschränkungen durch die COVID-19-Bestimmungen erforderten allerdings höhere Investitionen, so dass aus einem Nettogewinn von 13Mio. USD ein Verlust von 4,3 Mio. USD wurde.

Für 2021/22 sieht das Management wieder einen starken Wachstumskurs. Mit dem Börsengang sollen daher frische Finanzmittel im Volumen von 320 Mio. USD für eine weitere Expansion erlöst werden. Nach aktuellem Stand liegt die außerbörsliche Bewertung bei 910 Mio. USD.

 


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