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KI-Investitionen tragen die US-Wirtschaft, der Risikopuffer schmilzt

Weekly Briefing Stephan Bank 105 Leser

Liebe Börsianer,  

der US-Markt handelt aktuell weit über dem historischen Mittel der historischen Bewertung, und die vergangene Woche zeigt bereits, wie schnell aus dieser Position ein kurzfristiger Rücksetzer wird. Auch der gleitende Vier-Wochen-Durchschnitt der privaten Aktienzuflüsse liegt derzeit wieder auf dem Niveau von 2021, also kurz nach der Erholung aus der Corona-Krise, nachdem private Anleger zuletzt in vergleichbarem Ausmaß in Aktien drängten. Das kann ein Warnsignal sein.  

Der DAX bricht seit rund einem Jahr nicht nachhaltig über sein bisheriges Hoch aus und bewegt sich in einer Seitwärtsspanne, die selbst robuste deutsche Auftragseingänge nicht auflösen, zumal ein großer Teil davon aus Rüstungsaufträgen stammt und damit kein Abbild der Gesamtwirtschaft ist. Zurückzufahren war der starke Mai auf den deutlichen Anstieg im sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge), wo die Neuaufträge aufgrund mehrerer Großaufträge um 85,0 % höher lagen als im Vormonat.  

In den USA liefert dagegen ein einzelner Investitionsstrom den eigentlichen Takt: Ausgaben für Software, IT-Ausstattung und Rechenzentren rund um künstliche Intelligenz tragen inzwischen etwa ein Viertel zum gesamten US-Wirtschaftswachstum bei und machen rund 8 % des Bruttoinlandsprodukts aus. Hyperscaler, die großen Technologiekonzerne mit eigenen Rechenzentren, fahren ihren Free Cashflow praktisch komplett herunter, um diese Investitionen zu finanzieren, während gleichzeitig das Kapital zu Halbleiterunternehmen fließt. 

Diese Konzentration hat einen Nebeneffekt: Sie macht die US-Wirtschaft anfälliger für einen einzigen Auslöser. Verlangsamt sich das Investitionstempo, überträgt sich das direkt auf das Wachstum. Gleichzeitig wirkt die Risikoprämie von Aktien gegenüber Staatsanleihen nicht mehr wirklich attraktiv. Wer weitere Kursgewinne erwartet, braucht entweder ein noch stärkeres Gewinnwachstum als bisher oder sinkende Zinsen. Beides ist nicht gesichert, zumal mit der neue FED-Chef Kevin Warsh eine restriktiv ausgerichtete Personalie für den Vorsitz der US-Notenbank im Gespräch ist, die im Zweifel eher zu scharf als zu lax reagiert. 

Die aktuellen Konjunkturdaten sprechen allerdings noch nicht für eine akute Schwäche: Der US-Verbraucherpreisindex fiel zuletzt deutlicher als erwartet, auch die chinesischen Einzelhandelsdaten überraschten positiv, und am Terminmarkt sank die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung. Genau diese Kombination aus nachlassendem Preisdruck und daraus resultierendem robusteren Konsum lässt sich bereits an einer Kapitalverschiebung ablesen: weg von den hoch bewerteten Halbleiterwerten, hin zu Sektoren wie Personaldienstleistungen.  

Wie ruppig einzelne Positionen innerhalb der Megatrends schwanken, zeigen zwei Beispiele aus Verteidigung und Raumfahrt: SapceX hatte nach dem IPO binnen 20 Handelstagen rund 40 % vom Hoch verloren, nachdem der Kurs zuvor binnen drei Tagen um rund 50 % gestiegen war. Rocket Lab (i) musste seit 2025 bereits zum vierten Mal einen Kursrückgang von rund 50 % verkraften. Wer in den drei etablierten Megatrends künstliche Intelligenz, Verteidigung und Raumfahrt sowie Rohstoffsicherung investiert, wobei sich humanoide Robotik bereits als vierter Trend abzeichnet, kalkuliert solche Ausschläge ein; das langfristige Renditepotenzial dieser Themen bleibt davon unberührt, verlangt aber ein entsprechend langes Durchhaltevermögen und eine bewusst kleinere Positionsgröße bei den volatilsten Einzelwerten. 

Für die kommende Woche bleibt die Gemengelage unverändert: Ein strukturell bullisches Umfeld trifft auf eine Bewertung, die kaum noch Sicherheitsabstand bietet, und auf eine Notenbankpolitik, deren Kurs erst noch deutlicher werden muss. Anleger tun gut daran, diese Gemengelage nicht mit einem baldigen Crash zu verwechseln, sondern als Phase erhöhter, aber im historischen Vergleich nicht ungewöhnlicher Schwankungsbreite einzuordnen. Mit der EZB-Entscheidung diese Woche und der Fed-Sitzung in der Folgewoche dürfte sich schon bald zeigen, welche Seite der Zinsdebatte die Oberhand gewinnt. 

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Viele Grüße          

Stephan Bank!       

Chefredakteur des aktien Magazins und MEGATREND Echtgelddepots