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Megatrend digitale Fabrik: Auf diese fünf Aktien-Favoriten setzt die DZ Bank

Artikel, Strategien Jürgen Research 71 Leser

Die fortschreitende Digitalisierung der Produktion bietet langfristig erhebliche Wachstumschancen. Eine aktuelle Analyse zeigt, welche fünf Unternehmen von diesem Strukturwandel besonders profitieren könnten. 

Lange Zeit war die Welt in Industrieunternehmen strikt zweigeteilt: Auf der einen Seite gab es die klassische IT (die Büro-Infrastruktur mit E-Mails und Buchhaltungs-Software). Auf der anderen Seite stand die sogenannte OT (Operational Technology) – also die realen Maschinen, Roboter und Steuerungsanlagen auf dem Fabrikboden.

Diese Maschinen waren traditionell durch das sogenannte „Air Gap“ geschützt. Das bedeutet schlichtweg: Sie hatten keine Verbindung zum Internet oder zum restlichen Firmennetzwerk und waren damit für Hacker physisch unerreichbar.

Doch die industrielle Digitalisierung („Industrie 4.0“) bricht diese Isolation nun unumkehrbar auf. Damit Unternehmen ihre Produktion effizienter steuern oder künstliche Intelligenz nutzen können, müssen Maschinen Daten in Echtzeit senden. Die Fabrikhalle geht online.

Das neue Einfallstor für Hacker 


Die Kehrseite dieser Medaille ist ein massives Sicherheitsrisiko. Die DZ Bank verweist auf eine alarmierende Statistik: 99 % aller Cyberangriffe auf Industrieanlagen haben ihren Ursprung in der klassischen Büro-IT. Ein Hacker bricht also im Büro ein und wandert von dort über ungesicherte Schnittstellen unbemerkt weiter bis zu den Maschinen (Experten nennen das „laterale Ausbreitung“).

Während ein Hack in der Büro-IT meist „nur“ zu Datendiebstahl führt, sind die Folgen in der Produktion ungleich verheerender: Es drohen komplette Produktionsausfälle, die physische Zerstörung teurer Anlagen oder im schlimmsten Fall sogar Unfälle, die Mensch und Umwelt gefährden.

Cybersecurity und Segmentierung

Gesetzlicher Zwang treibt den Milliardenmarkt an 


Dass Unternehmen hier handeln müssen, ist längst keine freiwillige Option mehr. Die Europäische Union macht Ernst und hat neue Gesetze auf den Weg gebracht, die schrittweise bis Ende 2027 in vollem Umfang greifen: 

  • NIS2-Richtlinie: Verpflichtet Betreiber von Fabriken und Lieferketten zu sofortigen Sicherheitsmaßnahmen – bei Verstößen droht den Geschäftsführern sogar die persönliche Haftung.
  • Cyber Resilience Act (CRA): Verbietet es Herstellern ab Dezember 2027, vernetzte Produkte oder Maschinen ohne nachweisbare Cybersicherheits-Zertifikate auf den EU-Markt zu bringen.

Für die Industrie bedeutet das einen gigantischen, unumkehrbaren Modernisierungsbedarf.

Ein dynamischer Zukunftsmarkt in Zahlen 


Aus diesem akuten Schutzbedarf entsteht für spezialisierte Technologie- und Industrieunternehmen ein boomender Zukunftsmarkt. Die Analysten der DZ Bank rechnen in diesem speziellen Segment mit einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von rund 15 % bis zum Ende des Jahrzehnts.

Wie rasant dieser Markt wächst, machen die Prognosen führender Marktforschungsinstitute (wie MarketsandMarkets oder Precedence Research) deutlich:

OT-Security

Das Bewertungssystem: Wie die DZ Bank die Gewinner filtert 


Anleger, die strategisch klug investieren möchten, müssen nun verstehen, wer die Gewinner dieses tiefgreifenden Wandels sind. Die DZ Bank hat hierfür ein eigenes Bewertungssystem entwickelt, um herauszufinden, welche Unternehmen von diesem Milliardenmarkt am stärksten profitieren.

In der zitierten Studie hat das deutsche Kreditinstitut dazu ein Scoring-Modell aufgesetzt, welches die Rolle der als besonders begünstigt eingestuften Unternehmen – Kontron, TeamViewer aus dem Technologiesektor, Siemens, Schneider Electric, ABB aus dem Industriesektor – hinsichtlich Position & Geschäftspotenziale in der IT/OT-Konvergenz-Wertschöpfungskette untersucht.

Position & Geschäftspotenziale in der IT/OT-Konvergenz-Wertschöpfungskette

Dabei wurden die Kandidaten in vier zentralen Bereichen auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet:

  1. Der Lösungs-Fit: Wie gut ist die Technologie des Unternehmens? Kann sie die größte technische Hürde – die sichere Übersetzung von alten Maschinensprachen in moderne IT-Systeme – wirklich fehlerfrei lösen?
  2. Die regulatorische Hebelwirkung: Wie stark profitiert das Unternehmen vom Rückenwind durch die neuen EU-Gesetze (CRA und NIS2)? Erfüllen die Produkte die strengen Zertifizierungen?
  3. Die Marktbarrieren (Der Burggraben): Wie schwer ist es für Konkurrenten, dem Unternehmen Kunden abzujagen? Gibt es hohe Wechselkosten oder skalierbare Software-Abos (SaaS), die für regelmäßig wiederkehrende Einnahmen sorgen?
  4. Das Re-Rating-Potenzial (Der Kurshebel): Wie effizient wirtschaftet das Management? Und vor allem: Hat die Aktie an der Börse noch Luft nach oben, weil das softwaregetriebene Potenzial vom Markt bisher unterschätzt wird?

Herausgekommen ist eine umfassende Rangliste, in der die Analysten fünf klare Favoriten für den IT/OT-Megatrend identifiziert haben (nachfolgende Angaben stammen vom 02.10., dem Tag der Studienvorlage).

Die laut DZ Bank fünf wichtigsten IT/OT-Konvergenz-Gewinner 


Die laut DZ Bank fünf wichtigsten IT_OT-Konvergenz-Gewinner

Die fünf Favoriten in der Einzelbesprechung 


Nachfolgend noch einige weitere Details dazu, was die DZ Bank jeweils konkret zu den fünf Einzelfavoriten in der Studie schreibt.

Teamviewer - Wachstumsimpuls am Horizont / Re-Rating-Potenzial nach Neupositionierung 


Teamviewer (ISIN: DE000A2YN900) erscheint der DZ Bank als größten Profiteur des Konvergenz-Trends da es mit sicherem Fernzugriff sowohl auf IT als auch OT eine wichtige Position in der Wertschöpfungskette besitzt. Die Produkt-Plattform trägt sowohl technologischen als auch regulatorischen Anforderungen in jeglicher Hinsicht Rechnung und ist einfach zu implementieren und zu skalieren.

Die Analysten sehen insbesondere zwei Treiber für ein Überwinden der Wachstumsdelle: (1) Mit seiner strategischen Neupositionierung als Anbieter für autonomes Endgerätemanagement (AEM), in dem der Workflow vom Erkennen einer Störung bis zu ihrer Behebung KI-gestützt ohne menschliches Eingreifen vollautomatisiert ablaufen kann, stellt das Unternehmen auch sein Preismodell um: Lizenzen basieren künftig auf der Anzahl verwalteter Endgeräte und nicht mehr auf Anzahl der Nutzer. Diese Zahl wächst ca. zehnmal schneller als die Zahl der Arbeitskräfte, wodurch Teamviewer über einen Wachstumshebel verfügt.

(2) Die neue Kooperation mit ServiceNow als Weltmarktführer für Workflow-Automatisierung und IT-Prozessmanagement eröffnet den Zugang zu dessen beträchtlicher globaler Kundenbasis, für die Teamviewers AEM-Angebot die Lücke zwischen Störungserkennung und -behebung schließt. Wenn der Markt Verständnis dafür erlangt, dass sich die Gesellschaft an dieser Stelle deutlich weiterentwickelt hat, sollte man auch das in den vergangenen Jahren verlorengegangene Vertrauen zurückgewinnen.

Die immer noch starke Diskrepanz zwischen wieder aufkeimenden Wachstumsperspektiven (DZ Bank-Schätzung: 5 % 2027 und 2028) und aktueller Bewertung (5,6x Unternehmenswert/EBITDA 2027) sollten schwinden und schlussendlich zu einer Neubewertung führen. Das Neubewertungspotential schätzen die Analysten von allen fünf Aktien der Studie am höchsten ein.

Teamviewer Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Kontron - Regulatorischer Rückenwind unterstützt künftiges Wachstum


Kontron (ISIN: AT0000A0E9W5) als zweites hier betrachtetes Technologieunternehmen hat seine Stärken insbesondere an der kritischen Edge-Schnittstelle, die es mit seinen schlüsselfertigen „CRA-Ready“-Paketen absichert.

Viele mittelständische Kunden, die noch mit Altsystemen arbeiten, z.B. aus dem Maschinenbau, verfügen nicht über die internen Ressourcen, die Verpflichtungen aus dem CRA umzusetzen, die ab Ende 2027 in vollem Umfang greifen. Dann dürfen vernetzte Produkte in der EU nur noch mit „CRA-Zertifizierung“ vertrieben werden. Kontron liefert den cyber-sicheren Unterbau.

Die reinen Softwareerlöse als Anteil am Konzernumsatz betragen aktuell erst 6 % - 7 %. Nach einer Erhöhung der installierten Basis seines Industriebetriebssystems bei Kunden wird ab 2028 eine intensivere Monetarisierung über regelmäßig wiederkehrende Einnahmen durch Wartungs-, Patch- und Update-Abonnements als SaaSModell (Bruttomarge >80%) angestrebt.

Bis 2030 dürfte der SaaS-Umsatz nach Angaben der zitierten Analysten in absoluten Zahlen von 100 auf mehr als 500 Mio. EUR ansteigen und dann für rund 20% der Erlöse verantwortlich sein - der zentrale Treiber für eine langfristige Höherbewertung.

Durch bessere Visibilität und höhere operative Marge (DZ Bank-Schätzung 2030: 16 % versus 11,5 % aktuell) könnte der Kapitalmarkt Kontron langfristig einen entsprechend

höheren EV/EBITDA-Multiplikator von rund 13 - 15x zugestehen (derzeit rund 7x).

Kontron Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Siemens - IT/OT Integration „bringt die physische & die digitale Welt zusammen“ zur ONE TECH SIE 


Siemens (ISIN: DE0007236101) treibt die Konvergenz von IT und OT strategisch vor allem im Segment Digital Industries (DI). DI wandelt sich vom produktzentrierten Hersteller hin zum kunden- und lösungsorientierten digitalen Technologie- & Software-Anbieter. Der Fokus verschiebt sich auf wiederkehrende Umsätze und Software-as-a-Service.

Die zentrale IoT-Plattform „Siemens Xcelerator“ ist eine offene, digitale Geschäftsplattform, eine Art Marktplatz, der die digitale Transformation für Kunden einfacher, schneller und skalierbarer machen kann. Alle Angebote sind für Interoperabilität, Flexibilität und hohe Cybersicherheitsstandards gemacht. „Industrial Operations X“ (das interoperable IIoT-Betriebssystem und informationstechnische Rückgrat) bietet mit „Insights Hub“ als industrielles IoT-as-a-service Angebot die Möglichkeit zur Bestandsaufnahme aller OT und IoT Geräte und derer Daten.

Diese Sichtbarkeit bildet die Basis, um große Datenmengen aus Anlagen, Produkten und Systemen zu sammeln, zu kontextualisieren und zu analysieren. Cybersicherheit (basierend auf „Defense-in-Depth“ und „Zero Trust“) ist Grundvoraussetzung und zentral für IT/OTKonvergenz.

Basierend auf Anlagensicherheit, Netzwerksicherheit und Systemintegrität konnte in der Praxis die Identifizierungszeit von Schwachstellen um 90 % und Zeit für Sicherheitskorrekturen um 40 % reduziert werden. Die Normenreihe IEC 62443 ist von zentraler Bedeutung (Nachweis hohes Sicherheitsniveau). Der Cyber Resilience Act verschiebt Cybersicherheit in der Industrie endgültig von einer freiwilligen "Nice-to-have"-Option zu einer harten, gesetzlichen Lizenzbedingung. Für Anbieter entsteht dadurch ein Wachstumsmarkt, da Maschinenbauer und Fabrikbetreiber ihre gesamte Lieferkette und Geräteflotte CRA-konform absichern müssen, so die DZ Bank.

Der „Industrial Asset Hub“ schafft die geforderte Transparenz durch ein vollständiges, digitales Inventar aller OT-Assets und erfüllt damit eine Kernforderung von NIS2. Siemens Advanta ist die Consulting-Einheit und Implementierungspartner für die digitale Transformation auf Kunden-ebene.

Als „Trigger“ für weiteres Re-Rating sehen die Analysten die plausible Darstellung des IT/OT-Konvergenz-Potentials in Kombination mit neuer Regulatorik. Wenn Xcelerator zu wiederkehrenden Umsätzen und nachhaltig steigenden SaaS-Margen führt, sollte das Ziel „Umsatzverdopplung im Digitalgeschäft bis 2030“ (+15 % CAGR) erreicht werden.

Siemens Qaulitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Schneider Electric - Doppelter Profiteur - IT/OT-Konvergenz stärkt Software- und Servicegeschäft


Schneider Electric (ISIN: FR0000121972) verbindet klassische Maschinensteuerung mit digitaler Verarbeitung und Analyse von Produktionsdaten. Über die IoT-Architektur EcoStruxure werden Daten erfasst, an Maschinen & Anlagen verarbeitet und cloudbasiert ausgewertet. So können sie konkreten automatisierten Nutzen stiften, indem sie beispielsweise im ERP-System direkt erforderliche Materialbestellungen auslösen oder einen drohenden Maschinenausfall melden.

Der französische Konzern profitiert laut DZ Bank doppelt: (1) vom Verkauf eigener sicherer, regulatorik-konformer Produkte, für die SCHN Premium-Preise durchsetzen kann, und (2) als herstellerunabhängiger SaaS-Lösungsanbieter für Dritte.

Zwar entfallen bereits 62 % des Konzernumsatzes auf das „Digital Flywheel", der Kernbereich Software & Services macht jedoch erst rund 18 % aus (2030 Ziel 25 %). Das Volumen wiederkehrender Erlöse soll sich im selben Zeitraum verdoppeln. In Summe sehen die Analysten die IT/OT-Konvergenz für Schneider positiv. Für die Wahrnehmung am Kapitalmarkt wird entscheidend sein, wie konsequent die Transformation zu den höherwertigen Software- und Servicemodellen voranschreitet.

Schneider Electric Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

ABB - IT/OT-Konvergenz festigt führende Position in der Prozessindustrie und wandelt sich das Erlösmodell 


Die Schweizer ABB (ISIN: CH0012221716) ist Spezialist für kontinuierlich laufende Großanlagen in der Schwer- und Prozessindustrie und deren Software übernimmt dort die zentrale Prozesssteuerung sowie -überwachung. Die Wechselkosten in der Prozessleittechnik sind außergewöhnlich hoch, da ein System- bzw. Anbieterwechsel Neuqualifizierungen, anlagenspezifische Neuprogrammierung und Stillstandsrisiken bedeutet.

Digital gebündelt wird dies unter ABB Ability™ mit Genix zur Verknüpfung bzw. Kontextualisierung von OT-, Engineering- und ERP-Daten. Echtzeit-Maschinendaten (OT) können somit mit deren technischen Grenzwerten (aus dem Engineering) abgeglichen werden und im Rahmen der vorausschauenden Wartung Ersatzteile im Lager reserviert oder bestellt werden (ERP).

Den entscheidenden Werthebel sehen die Analysten im Wandel des Geschäftsmodells: Prozessleitsysteme werden bislang überwiegend als Dauerlizenz verkauft, sodass der Übergang zu wiederkehrenden Software- und Serviceerlösen eine neue Bewertungsebene eröffnen würde. In Summe wertet man die IT/OT-Konvergenz positiv, für eine nachhaltige Neubewertung ist entscheidend, dass Software und Cyber-Services wiederkehrende Erlöse generieren und nicht bloß als flankierendes Beiwerk zur Absicherung des traditionellen Hardwaregeschäfts dienen. Der eigentliche Re-Rating-Hebel liegt nach Einschätzung der DZ Bank darin, diese zukünftig eigenständig und transparent auszuweisen.

ABB Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox


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