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Technisches Kaufsignal beim US-Software ETF. Haben wir die Tiefstände im Software-Sektor gesehen? Was gilt es zu beachten?

Aktienanalysen Marius Müllerhoff 218 Leser

Der US-Software ETF mit dem Tickersymbol (IGV) hat gestern ein markantes technisches Kaufsignal ausgelöst (siehe folgende Abbildung). Am vergangenen Freitag, dem 10. April, hat der ETF unter hohem Handelsvolumen eine sehr wichtige Unterstützungslinie durchbrochen und ein neues 2,5 Jahrestief markiert. Außerdem schloss er am Freitag unterhalb dieser Unterstützungslinie. Die Erwartungshaltung für diese Woche war daher, dass er weiter in Richtung Süden abdriften würde. Am gestrigen Montag sahen wir jedoch das Gegenteil. Der ETF drehte nach oben. Dieser „Shakeout“ bzw. „undercut & reverse“ gemäß des Tradinggurus Gil Morales ist ein bullisches Signal. Der ETF schloss den gestrigen Tag unter hohem Handelsvolumen am Tageshoch mit +5.4% ab.

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Folglich ist es gut möglich, dass wir die Tiefstände des massiven Abverkaufs des Software-Sektors der letzten Monate gesehen haben. Nun ist es jedoch wichtig, dass es zu Anschlusskäufen kommt. Ein sofortiges Abdriften nach unten und das Herausnehmen der Tiefs vom Freitag würde das bullische Szenario negieren.

Am Freitag war es interessant zu beobachten, dass einige Softwareaktien wie Microsoft, Synopsis und Datadog keine neuen Tiefs markierten. Das steht für relative Stärke innerhalb des Sektors.

Mit der in dieser Woche beginnenden Quartalsberichtssaison gilt es besonders auf das Zahlenwerk von Softwareunternehmen und die Reaktion des Marktes auf diese Zahlen zu achten. Es gilt Ausschau nach Pivotal News Points zu halten.

Einige Pivotal News Points von Softwareaktien hat es in den letzten Wochen bereits gegeben. Schauen wir uns drei davon genauer an.

Navan – Junger Softwareanbieter einer Plattform für Geschäftsreisen mit +50% Performance aufgrund von Quartalszahlen


Navan (NAVN) ist ein junger IPO aus dem Softwaresektor mit Fokus auf Geschäftsreisen und Ausgabenmanagement.

Das Geschäftsmodell basiert auf einer Softwareplattform, die Unternehmen die Buchung von Geschäftsreisen, die Verwaltung von Reiserichtlinien sowie die Abrechnung von Ausgaben ermöglicht. Hierbei spielt die intelligente Buchung ein zentrales Element. Systeme analysieren in Echtzeit Millionen von Datenpunkten wie Preise, Verfügbarkeiten und Unternehmensrichtlinien. Mitarbeiter sehen automatisch die besten Optionen, die gleichzeitig günstig und unternehmenskonform sind. Das reduziert nicht nur Kosten, sondern verhindert auch manuelle Freigaben. Außerdem ist die automatische Spesenabrechnung hervorzuheben. Traditionell mussten Belege gesammelt und manuell eingereicht werden. Heute erkennt eine künstliche Intelligenz Belege per Foto, ordnet sie automatisch zu und gleicht sie mit den Buchungsdaten ab. Das spart Zeit und reduziert Fehler.

Navan generiert Einnahmen über Buchungsprovisionen, Softwaregebühren sowie Zusatzservices wie Firmenkarten, über die Reise- und Geschäftsausgaben direkt abgewickelt werden, und Premium-Supportleistungen. Besonders wichtig ist die Kombination aus Reiseplattform und Finanzsoftware, die eine durchgängige Kontrolle der Ausgaben erlaubt.

Die jüngsten Quartalszahlen vom 25. März 2026 stellen einen Pivotal News Point dar, da sie die Märkte elektrisierten. Der Umsatz legte um 35 % auf 178 Millionen US-Dollar zu, und die Markterwartungen konnten übertroffen werden. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,02 US-Dollar gegenüber einer schwarzen Null im Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr 2026 belief sich der Umsatz auf 702 Millionen US-Dollar. Dies entspricht einem Wachstum von 31 % auf Jahressicht. Hervorzuheben ist der erste positive freie Cashflow in der Unternehmensgeschichte. Die Prognosen für das erste Quartal und für das gesamte Fiskaljahr 2027 lagen ebenfalls über den Erwartungen der Wall Street.

Dank dieser sehr erfreulichen Quartalszahlen schoss die Aktie im Hoch um 50 % nach oben. Des Weiteren sahen wir das höchste Handelsvolumen in der Unternehmensgeschichte. Beides ist extrem bullisch. Seit Bekanntgabe der Zahlen konsolidiert die Aktie sehr konstruktiv. Der Ausbruch aus der Konsolidierung stellt das Kaufsignal dar.

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RingCentral – High-Flyer aus 2011 zahlt erstmalig eine Dividende und brach in Mitten des Marktabverkaufs auf ein neues 52 Wochenhoch aus


RingCentral (RNG) ist eines der bekanntesten Unternehmen im Bereich cloudbasierter Unternehmenskommunikation.

Das Kerngeschäft besteht aus cloudbasierter Telefonie, Videokonferenzen und Kontaktzentrum-Software (Englisch: Contact Center Software), also eine Softwarelösung, die Unternehmen dabei hilft, die Kommunikation mit ihren Kunden zentral über verschiedene Kanäle hinweg zu verwalten. RingCentral verkauft Software-Abonnements. Der Umsatz stammt zu 95 Prozent aus wiederkehrenden Abonnements.

Das Unternehmen positioniert sich zunehmend im Bereich KI-gestützter Kommunikation: Mit Produkten wie dem sogenannten „AI Receptionist" (einem KI-gesteuerten virtuellen Empfang) und RingCX, einer Kontaktzentrum-Lösung, versucht RingCentral, sich gegenüber großen Wettbewerbern zu behaupten. Zu diesen gehören Microsoft mit seiner Teams-Plattform sowie Zoom Communications, die ebenfalls verstärkt in den Unternehmenskommunikationsmarkt drängen.

Am 19. Februar 2026 veröffentlichte RingCentral die Quartalszahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2025, welche die Märkte pulverisierten. Die Aktie schoss im Hoch um 38 % nach oben. Der Umsatz betrug 644 Millionen US-Dollar, ein Anstieg von 5 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz übertraf die Konsensschätzung leicht. Beim Gewinn je Aktie toppte den Wert des Vorjahresquartals und die Analystenerwartungen. Bemerkenswert ist zudem, dass RingCentral erstmals in seiner Geschichte eine vierteljährliche Dividende in Höhe von 0,075 US-Dollar je Aktie ankündigte.

Seit der Bekanntgabe der Zahlen hat die Aktie seitwärts konsolidiert, wobei sie am vergangenen Freitag unterhalb des Tiefs des Pivotal News Points schloss und damit vermutliche viele „schwache Hände“ aus der Aktie drückte. Außerdem stellte dies einen „Shakeout“ dar. Gestern kam sofort wieder Stärke in die Aktie. Das war sehr bullisch. Wenn die Aktie das Pivothoch vom 8. April herausnimmt, bietet es sich an, eine Position zu eröffnen. Der Ausbruch über das Hoch vom 6. März stellt den Breakout über die sogenannte „Stage I“ nach Stan Weinstein dar. Hier bietet es sich, an die Aktie zu pyramidisieren.

Wachstums-Check TraderFox

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Clear Secure – Neuerfindung des Identitätsgeschäfts an Flughäfen und Wachstumspotenzial im Gesundheitssektor


Identitätsbetrug und Datenmissbrauch erreichen weltweit neue Höchststände. Genau hier setzt Clear Secure (You) an: Das Unternehmen, das 2003 gegründet wurde, nutzt Gesichtserkennung, Iris-Scan und Fingerabdrücke, um Menschen schnell und sicher zu identifizieren – zunächst an Flughäfen, und nun zunehmend auch im Gesundheitswesen. Im Juni 2021 folgte der Börsengang an der New Yorker Börse NYSE.

Das Kernprodukt von Clear Secure ist eine digitale Identitätsplattform. Die biometrischen Daten (Gesicht, Iris, Fingerabdruck) werden in einer proprietären Software-Infrastruktur verarbeitet, gespeichert und abgeglichen. Das Geschäftsmodell basiert auf einem SaaS-Abonnement, bei dem Mitglieder jährlich zahlen, unabhängig davon, wie oft sie den Dienst nutzen. Konkret registrieren Mitglieder ihr Gesicht, ihre Augen oder Fingerabdrücke, um sich an Flughäfen, in Sportstadien oder im Gesundheitswesen schnell und sicher auszuweisen.

Hinzu kommt das B2B-Segment „Powered by CLEAR", bei dem Clear Secure seine Identitätsplattform per Lizenz an Partner verkauft. Zudem ist Clear Secure seit 2024 offizieller Einschreibungspartner für das staatliche TSA PreCheck-Programm. Das TSA PreCheck-Programm ist ein US-amerikanisches Vertrauensreisender-Programm der Bundesbehörde TSA („Transportation Security Administration“ bzw. US-Bundesluftfahrtbehörde für Transportsicherheit). Konkret erhalten Reisende, die sich vorab registrieren, einer Hintergrundprüfung unterziehen und ihre Fingerabdrücke abgeben, Zugang zu eigenen Schnellspuren an US-Flughäfen. Hier müssen sie Schuhe, Gürtel und Jacken nicht ausziehen, Laptops und Flüssigkeiten nicht aus dem Gepäck nehmen. Das spart im Alltag erheblich Zeit.

Die Zahlen des vierten Quartals wurden am 25. Februar vorgelegt. Die Aktie elektrisierte die Märkte und schoss im Hoch um 40 % nach oben. Clear Secure erzielte einen Umsatz von 241 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von knapp 17 % gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht und die Markterwartung übertraf. Auch der Gewinn je Aktie übertraf die Analystenerwartung. Für das Gesamtjahr 2025 erreichte das Unternehmen eine Mitgliederzahl von 38 Millionen. Dies ist ein Zuwachs von 31,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig erhöhte das Management die Quartalsdividende um 20 Prozent auf 0,15 US-Dollar je Aktie und schüttete zusätzlich eine Sonderdividende von 0,20 US-Dollar aus.

Die Story, die der Markt aktuell spielt, sind die Wachstumschancen im Ausbau jenseits der Flughäfen. So arbeitet Clear Secure im Gesundheitssektor mit Mount Sinai (ein großes, gemeinnütziges Gesundheitssystem mit Sitz in New York City, das mehrere Krankenhäuser sowie ein weitverzweigtes Netz an Kliniken und medizinischen Einrichtungen in der Region New York umfasst) zusammen und hält einen Rahmenvertrag mit dem CMS (Centers for Medicare & Medicaid Services, eine US-Bundesbehörde für die staatliche Krankenversicherung). Rund 600 Unternehmen haben sich einem Datenschutzversprechen im Gesundheitswesen angeschlossen, was die Vertriebspipeline deutlich vergrößert.

Die Aktie konnte trotz der Markschwäche im März das Gap Up des Pivotal News Points halten. Das ist bullisch. Aktuell sehe ich kein Tradingsetup. Wichtig ist, dass die Volatilität abnimmt. Dann könnte sich in den nächsten Tagen ein „Cheat“-Setup nach Mark Minervini ergeben. Die Aktie gehört auf die Watchliste.

Wachstums-Check TraderFox

Quelle: Wachstums-Check TraderFox


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